„Die Arbeit in der Gemeinde, dafür schlägt mein Herz“: Das ist die neue Gemeindepädagogin

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Die neue Gemeindepädagogin der evangelischen Kirchengemeinde Selm, Petra Grohnert, wird am Sonntag (17. März) vorgestellt. Das sind ihre Aufgaben und Pläne für die Gemeinde.

von Mona Wellershoff

Selm

, 14.03.2019, 16:12 Uhr / Lesedauer: 4 min

Mit einem offenen, fröhlichen Lächeln lädt Petra Grohnert in ihr übergangsmäßiges Büro ein. Erst seit zwei Wochen ist die neue Gemeindepädagogin der evangelischen Kirchengemeinde Selm im Amt und die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren.

Sowohl die für den neuen Arbeitsplatz als auch für den Einführungsgottesdienst am Sonntag, 17. März. Für Petra Grohnert stellt dieser den metaphorischen „Doppelpunkt für die nächsten fünf Jahre“ dar.

„Ich bin schon ein wenig aufgeregt“, gibt Grohnert zu. Dabei würde man ein Gefühl wie Aufregung vor einer Frau mit einer so facettenreichen Vergangenheit und einer so beeindruckenden Ausbildungsbreite gar nicht vermuten.

Durch eine Jungendfreizeitfahrt wird Petra Grohnert von einer Skeptikerin zu einer Gläubigen

„Schon zu Schulzeiten war für mich klar, dass ein Job als Erzieherin mein Traumberuf ist“, blickt Grohnert auf die Anfänge ihrer Karriere zurück.

Der theologische Aspekt sei allerdings erst später hinzugekommen. Mit 16 Jahren. „Bei mir war es so, wie bei vermutlich vielen anderen auch: Meine Beziehung zu der Kirche war spätestens nach der Konfirmation vorbei. Ich habe an nichts mehr geglaubt. Das kam erst wieder, als ich mit einer kirchlichen Jugendfreizeit nach Dänemark gefahren bin. Zuerst kam mir das tägliche Beten, Liedersingen und Andachtenhalten sehr skurril vor. Dann allerdings kam ich mit den anderen Jugendlichen ins Gespräch und das machte mich neugierig. Eines Tages habe ich auch probiert, zu Gott zu beten und ihm ein konkretes Anliegen vorgebracht. Wie, als wolle er mir beweisen, dass es ihn wirklich gibt, kam direkt darauf die Beantwortung meiner Bitte. Das war für mich das Zeichen: Bleib dran.“

Viele an Erfahrung bringt die neue Gemeindepädagogin mit

„Schon damals habe ich als Ehrenamtlerin die Jugendarbeit der Kirche unterstützt. Einmal sagte eine Freundin zu mir: ‚Du machst das so gut, warum überlegst du nicht mal, auch beruflich diesen Weg einzuschlagen?‘“

Und so kommt es, dass die gebürtige Essenerin drei Jahre lang eine Ausbildung zur Gemeindepädagogin am theologisch-pädagogischen Seminar „Malche“ in Porta Westfalica absolviert.

Im Anschluss darauf ist Grohnert als Jugendreferentin unterwegs, unter anderem auch im CVJM in Selm. „Ich war hier einmal wöchentlich im Jugendcafé“, erinnert sie sich.

Nach ihren Arbeit als Jugendreferentin zieht es Petra Grohnert im Jahr 2004 in eine evangelische Kindertagesstätte, für die sie die Leitung übernimmt. „Die Kitalandschaft verändert sich“, gibt sie allerdings zu bedenken, „gerade als Leiterin sitz man immer häufiger nur noch am PC und hat kaum mehr den Kontakt zu den Kindern.“

Das sei auch mitunter der Grund gewesen, weshalb sie nunmehr seit zweieinhalb Jahren für die Bürgerorganisation Agora als Erzieherin tätig ist. Diese Organisation kümmert sich mit dem Programm „Welcome kids“ um die Kinder geflüchteter Familien.

Petra Grohnert hat als unterstützende Kraft für die Gemeinde viel zu tun.

Petra Grohnert hat als unterstützende Kraft für die Gemeinde viel zu tun. © Mona Wellershoff

Die Gemeindearbeit ist eine Herzensangelegenheit für Petra Grohnert

Während ihrer Arbeit absolviert Grohnert zudem noch eine Ausbildung zur Entspannungspädagogin und auch eine zur Trauerbegleiterin. In ihrem neuen Job hofft sie, dies alles vereinen und mit ihren Erfahrungen und ihrem Können eine Bereicherung für die Gemeinde zu sein.

„Für die Gemeinde schlägt mein Herz, das war schon immer so“, bekräftigt Grohnert ihre Entscheidung. Dazu komme, dass sie in dem Seniorenheim, in dem ihre Mutter seit circa zwei Jahren wohnt, schon öfter einmal ehrenamtlich gearbeitet hat. „Deshalb kann ich sagen, dass ich auch im Bereich der Erwachsenen - und Seniorenarbeit genug persönliche Erfahrung gesammelt habe. Außerdem bin ich mittlerweile 56 und da ändert sich die Perspektive auf manche Dinge. Die Sinnfrage ist von zentraler Bedeutung. Ging man früher eher auf Geburtstage, Hochzeiten und Taufen, häufen sich jetzt die Jubiläen oder auch Beerdigungen. Ich wachse da mit der Zeit mit, aber verliere auch nicht die Arbeit mit den Kindern aus den Augen.“

Grohnert ist jetzt also für fünf Jahre jeweils dienstags, mittwochs und freitags als Gemeindepädagogin in Selm tätig und auch weiterhin als Erzieherin für die Agora.

Gemeinsam voneinander profitieren

Für ihre Arbeit in Selm hat sie schon konkrete Pläne und Ziele. Zum einen die Entlastung der Pfarrer. Seit anderthalb Jahren, wie Pfarrerin Wischmeyer bestätigt, habe die Gemeinde nur noch zwei der damaligen drei Pfarrer fest angestellt und einen Pfarrer aus Dortmund, der ab und zu kommt. Als Hilfe kommt jetzt die neue Gemeindepädagogin.

Ein Konzept, das nicht nur in Selm so angewandt wird, wie Andreas Duderstedt, Sprecher der Evangelische Kirche von Westfalen, erklärt: „Es gibt das Konzept der interprofessionellen Teams, das in derzeit sieben Pilotgemeinden entwickelt und erprobt wird. Dabei handelt es sich um ein neu zu entwickelndes Personalkonzept kirchlicher Arbeit mit dem Ziel, die hauptamtliche Versorgung von Kirchenkreisen und Gemeinden zu gewährleisten und die verschiedenen Qualifikationen der zu einem optimalen Ganzen zusammenzuführen. Gemeindepädagogen gehören zu diesem neuen Personalmix selbstverständlich dazu.“

Zum anderen hat Grohnert es sich zum Ziel gesetzt, die „jungen Alten“ in die Gemeindearbeit einzubringen. „Wir müssen unsere Ohren und Augen draußen haben“, findet sie, „wir müssen wissen, was die Menschen beschäftigt, was sie brauchen.“

Außerdem ist der neuen Gemeindepädagogin wichtig, dass gemeinsame Aktivitäten stattfinden. Sie will im Winter gerne ein Familiencafé anbieten für die Begegnung von Jung und Alt. Auch eine gemeinsame Entspannungsrunde ist eine ihrer vielseitigen Ideen: „Die Frage, wie man zur Ruhe kommt, interessiert mittlerweile sowohl Schulkinder als auch Rentner - ist also ein guter Schnittpunkt“.

Warum ihr der Generationenaustausch so wichtig ist? „Ich bin davon überzeugt, dass wir uns gegenseitig brauchen. Dass wir voneinander lernen und auch profitieren.“

Es gibt nicht nur die schöne Seite

Ihren eigenen Glauben beschreibt Petra Grohnert als Welle: „Es gibt Zeiten, da habe ich unglaubliche Freude an dem Glauben an Gott und an Christus. Es gibt aber auch die andere Seite. Man hat viele Fragen und ab und zu auch Zweifel. Das ist meiner Meinung nach vollkommen gesund und natürlich. Wenn man in die Welt schaut, kann einen schnell der Glaube verlassen.“

Ihr helfe es in solchen Zeiten dann immer, den Glauben in erster Linie als etwas nur zwischen ihr und Gott zu sehen und sich von ihm in die Schwierigkeiten des Lebens stellen zu lassen. „Dann bin ich gefragt, etwas zu bewirken, zu verändern. Wenn auch nur im kleinen Rahmen, zum Beispiel dadurch, dass ich meinen Glauben weitergebe.“

Bereicherung durch Begegnung

So seien auch für sie die Begegnungen mit Menschen das Schönste an ihrem Job. „Gerade in der Trauerbegleitung begegne ich Menschen, die mir so viel Vertrauen entgegenbringen. Das ist auch für mich sehr bereichernd und ich kann von andere noch viel lernen und mich weiterentwickeln.“

Der Gottesdienst beginnt um 10.30 Uhr in der Evangelischen Kirche am Markt in Selm, kostenloses Kirchentaxi ab der Kirche Bork um 10 Uhr. Zu dem Gottesdienst und dem anschließendem Beisammensein sind alle eingeladen.

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