Diebe stehlen kompletten Reisebus in Selm

200.000 Euro Schaden

Ein geklautes Auto kommt öfter vor. Ein geklauter Reisebus eher nicht. In Selm haben Unbekannte am Wochenende einen Bus entwendet. Offenbar steckt System dahinter.

Selm

, 18.12.2017, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nur diese Matschspuren zeugen vom Diebstahl des Busses.

Nur diese Matschspuren zeugen vom Diebstahl des Busses.

Die Diebe kamen in der Nacht auf Sonntag. Um 4.01 drangen sie in das Gelände des Busunternehmens Nies in der Industriestraße ein. Danach brachen sie ins Büro ein, klauten den Schlüssel eines Busses, stiegen in den großen weißen Reisebus mit dem Kennzeichen UN-MT 9140 und der bunten, auffälligen Seitenbemalung, die ein Pferd zeigt und steuerten das 15-Meter-Ungetüm vom Gelände. Erst anderthalb Jahre war das Fahrzeug alt, Marke Mercedes, Schadenswert etwa 200.000 Euro, wie die Polizei schätzt.

Um 4.30 Uhr waren die Diebe mit dem Bus verschwunden. Die Zeiten lassen sich leicht rekonstruieren, da das Unternehmen sein Gelände mit einer Überwachungskamera ausgestattet hat. „Mehrere Personen sind darauf zu sehen“, sagt Thomas Röwekamp von der Polizei im Kreis Unna. Mindestens zwei bis drei Personen seien in den Diebstahl verwickelt. Er hält es für möglich, dass diese sich schon zuvor kundig gemacht haben und genau wussten, was sie suchen.

Bereits Einbruch Anfang Dezember

Das glaubt auch Ursula Nies vom Busunternehmen Nies. Vom 4. auf den 5. Dezember habe es bereits einen Einbruch im Unternehmen gegeben. Damals waren allerdings nur Kleinigkeiten gestohlen worden. Nothämmer und Navigationsgeräte. „Möglicherweise haben sie da schon was ausbaldowert“, vermutet Nies.

Auf dem Gelände befanden sich auch weitere Busse. Die waren allerdings älter und entsprachen nicht der Euro-5-Abgasnorm. Nies vermutet, dass diese daher nicht interessant für die Diebe waren. Ohnehin: Einbrüche kämen ja vor. In 15 Jahren sei das der Vierte, „Aber ein Reisebus ist es noch nie gewesen“, sagt Nies.

„Dass ein ganzer Reisebus geklaut wird, das ist schon ungewöhnlich“, sagt auch Polizeisprecher Röwekamp. Einen vergleichbaren Fall hat es im Kreis Unna in diesem Jahr noch nicht gegeben, in den vergangenen zwei Jahre ist Röwekamp zumindest keiner bekannt. Ganz einfach auszuwerten sei das aber nicht, Busse werden in der Statistik nicht einzeln erfasst.

Vergleichbare Fälle



Nicht ungewöhnlich, sondern eher typisch ist der Fall allerdings für Florian Wäsch, Pressesprecher bei der Firma Dittmeier, die sich auf die Versicherung von Omnibussen spezialisiert hat. Es geht immer auf und ab bei den Busdiebstählen“, sagt Wäsch. Allerdings sei gerade in den letzten zwei bis drei Jahren Deutschland verstärkt ins Visier von Dieben gerückt. Zuvor wären Busse eher in Italien und Frankreich geklaut worden. Insgesamt 22 Diebstähle von Reisebussen zählt der Versicherer von 2015 bis 2017.

Spur verliert sich


Die Fälle ähneln sich: Die Täter klauen die Busse, meistens teure, neue Modelle, direkt vom Betriebshof. Sie schlagen bevorzugt am Wochenende und vor Feiertagen zu. Auffällig ist auch, dass die meisten Diebstähle davon im Nordwesten passierten. „Das liegt an der Nähe zu Holland“, ist sich Wäsch sicher. Dorthin führte auch die Spur bei vergleichbaren Fällen, bei denen die Busse geortet werden konnten. In den Niederlanden würden die Fahrzeuge umlackiert und anschließend ging es weiter über den Balkan oder nach Nordafrika, so Wäsch.

Er glaubt, dass auch der Bus aus Selm längst in einer niederländischen Werkstatt gelandet ist. Das letzte Signal des Selmer Busses führt nach Dülmen. Danach ist es den Dieben offenbar gelungen, den Peilsender auszuschalten. Von dem Diebstahl zeugen nun nur noch die Reifenspuren im Matsch.

Zeugen gesucht:
Hinweise nimmt die Polizei Werne unter der Nummer (02389) 9 21 34 20 oder 92 10 entgegen.
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