Diskussion um Solarium-Verbot stößt nicht nur auf Zustimmung in Selm

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Die einen gehen ins Solarium, um sich wohl und glücklich fühlen. Andere wiederum sind von der krebserregenden Faktor überzeugt. Beim Thema Sonnenbank trennen sich auch in Selm die Meinungen.

Selm

, 04.02.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Die 80er Jahre mit einem braun gebrannten Dieter Bohlen sind vorbei - heute geht es vielen mehr um den Wohlfühlaspekt“, sagt Avril Ritter. Seit eineinhalb Jahren leitet sie Conny‘s Sonnenparadies an der Kreisstraße. Mittlerweile ist es das einzige Sonnenstudio in der Umgebung.

Auch wenn es im Selmer Sonnenparadies vormittags noch ruhig ist, am Nachmittag sei an einigen Tagen die Hölle los, sagt Ritter. Dann sind alle fünf Sonnenbänke besetzt. „Viele Menschen kommen hier hin, um zu entspannen und sich etwas Gutes zu tun. Die Wärme macht glücklich, besonders jetzt in der kalten Jahreszeit“, erzählt Avril Ritter.

Deutsche Krebshilfe fordert Solarium-Verbot

„Klar, einige Kunden kommen nur, um braun zu werden“, so Ritter. Doch den meisten gehe es wirklich um das eigene Wohlbefinden. Dabei ist die Gesundheitsdebatte um Solarien aktuell besonders groß: Die Deutsche Krebshilfe forderte am Montag - dem Weltkrebstag - in einer Mitteilung ein bundesweites Solarienverbot. Der Grund: Die Geräte verursachten Hautkrebs.

Jährlich erkranken nach Angaben der Deutschen Krebshilfe 37.000 Menschen in Deutschland am schwarzen Hautkrebs. Solarien seien für etwa 10 Prozent, also 3400 Krebsfälle, verantwortlich - rund 800 davon endeten tödlich. Der Bundesfachverband Besonnung, der Verband, dem 1200 Sonnenstudios in Deutschland angehören, stellt sich am Montag jedoch dagegen - es gäbe keine wissenschaftlichen Grundlagen für die Behauptungen, sagen sie.

Licht ist krebserregend

Der Meinung ist Selmer Hautarzt Andreas Leibing keineswegs. „Licht ist ab einer gewissen Dosis krebserregend, das ist wissenschaftlich bewiesen“, sagt der Mediziner. In Solarien sei die Konzentration so hoch, dass Effekte auf die Haut kaum ausbleiben.

Dem Argument, ein Solariumsbesuch sei gut gegen Schuppenflechte oder Neurodermitis, könne er nur widersprechen. „Das ist es absolut nicht. Lichttherapien hat man vor 30 Jahren gemacht, aber heute würde ich von allen künstlichen Strahlen abraten“, sagt Leibing. Und wenn, dann nur bei einem Dermatologen und nicht im Sonnenstudio.

Ein Stück Urlaub im Alltag

Selms Bürgermeister Mario Löhr macht kein Geheimnis daraus, dass er das Sonnenparadies in Selm gelegentlich besucht. „Wenn ich im Urlaub in der Sonne bin, bekomme ich bereits nach wenigen Stunden Farbe“, sagt der 48-Jährige. Die Sonnenbank in Selm sei ein Stück Urlaub im Alltag. „Ich fühle mich besser, wenn man mir nicht gleich ansieht, ob ich gestresst bin oder nicht.“

Den Vorstoß der Deutschen Krebshilfe, Solarien zu verbieten, findet er nicht richtig. „Ich bin grundsätzlich kein Freund davon, etwas gleich zu verbieten.“ Wichtiger sei es, die Menschen zu überzeugen - man müsse Solarien auf ihre Qualität prüfen und die maximale Bestrahlungsstärke nicht überschreiten.

Keine Angst vor Hautkrebs

Auch Christa Podoll kann die Forderungen nicht verstehen. „Die Wärme ist wunderbar und ich sehe dadurch nicht blass oder krank aus.“ Seit 30 Jahren geht sie mehr oder weniger regelmäßig in das Sonnenstudio, aktuell rund ein Mal in der Woche.

Angst, dadurch irgendwann an Hautkrebs zu erkranken, hat sie nicht. Schließlich übertreibe sie es nicht mit der künstlichen Sonne, sagt die Borkerin. Und auch draußen passe sie auf. „Ich liebe die Sonne, aber ich schütze mich auch davor, benutze im Sommer Sonnenmilch und creme mich nachher immer ein.“

Aufklärung der Kunden ist wichtig

Auch Avril Ritter achtet in ihrem Sonnenstudio auf die Gesundheit ihrer Kunden. „Auf keinen Fall darf man sich auf die Sonnenbank legen, wenn man zum Beispiel Antibiotika nimmt“, sagt sie und klärt ihre Kunden auch unter anderem über Facebook regelmäßig auf.

Ritter bemerkt auch, dass ihre Kunden auch immer mehr Angst vor der Sommersonne draußen hätten. „Ich würde mir in Zukunft eine noch bessere Aufklärung wünschen“, sagt Avril Ritter. Denn eine Sache stört sie besonders: „Wenn jemand drei Wochen in Spanien in der Sonne liegt, dann kritisiert das auch niemand.“

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