Drogendealer sagen aus: Selmer Bandido belastet

Rocker-Prozess in Münster

Im Prozess um den 46-jährigen Selmer Bandido gab es am Dienstag eine neue Entwicklung: Zwei Drogendealer haben gegen den Rocker ausgesagt. Die Vorwürfe wiegen schwer - schwerer als alle anderen bisher geäußerten Anschuldigungen.

SELM

19.04.2016, 18:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Oberverwaltungsgericht urteilte, dass die typischen Westen von Rockerclubs zur Gegenseitigen Provokation beitragen.

Das Oberverwaltungsgericht urteilte, dass die typischen Westen von Rockerclubs zur Gegenseitigen Provokation beitragen.

„Wir fahren jetzt da hin, wo das Amphetamin produziert wird. Die können da 20 bis 30 Kilo machen.“ Mit diesen Worten setzte sich ein Lüdinghausener Drogenhhändler im Juli 2014 ins Auto und fuhr mit seinem aus Rietberg angereisten Geschäftspartner nach Selm zu einem Garagenhof in der Nähe des Hellweg-Baumarktes.

Dort erwartete die beiden der Rocker, der im Bandidos-Prozess am Landgericht Münster auf der Anklagebank sitzt. Der Rocker habe dann zu einem Karton gegenüber seiner Halle gezeigt, in dem ein Kilo Amphetamin lag.

Diesen Vorgang schilderte der Rietberger Drogendealer ein Jahr später in einer Vernehmung vor Beamten des Hauptzollamts Essen. Der Beamte, der die Ermittlungen führte, berichtete darüber am Dienstag im Bandidos-Prozess.

Jetzt lesen

Bisher kaum Hinweise auf Tätigkeiten

So massiv wie durch diese Aussage ist der 46-jährige Selmer Rocker in den bisherigen 18 Verhandlungstagen noch nicht belastet worden. Zwar hatte ihn der Kronzeuge als Amphetamin-Lieferanten für den Finnland-Schmuggel der Bandidos genannt. Doch viele weitere Hinweise auf seine Tätigkeit gab es nicht, bis die beiden Angeklagten im parallel laufenden Drogenprozess auspackten.

In diesem zweiten Verfahren bestätigte auch der Lüdinghausener Angeklagte die Geschichte vom angeblichen Drogenlabor in der Halle des Selmer Rockers. Außerdem nannte er ihn noch in drei weiteren Fällen als Lieferanten von Amphetamin. Einmal in Form von Öl, das er weiter verarbeiten musste.

Staatsanwalt berichtet von drittem Beschuldigten

Weil die beiden Dealer aus Lüdinghausen und Rietberg selbst vor Gericht stehen, verweigerten sie im Bandidos-Prozess die Aussage. An ihrer Stelle sagte am Dienstag ihr Ankläger aus: Staatsanwalt Matthias Thissen berichtete auch von einem dritten Beschuldigten in seinem Verfahren, einem 27-Jährigen Selmer, der mit dem Selmer Bandido gut bekannt sei.

Der 27-Jährige habe des Amphetamin-Geschäft im Juli 2014 auf dem Garagenhof auf sich genommen, um seinen Freund so zu entlasten. Staatsanwalt Thissen hält die Version der beiden anderen Dealer aber für plausibler.

Der Bandidos-Prozess wird am Freitag fortgesetzt. In dem anderen Verfahren stehen am Mittwoch die Plädoyers der Anwälte auf dem Programm.

Jetzt lesen

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt