Drohnen kreisen über Cappenberg: Dreharbeiten zu neuem Film rufen Polizei auf den Plan

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Uwe Koslowski hat als Fimemacher bereits Erfahrung. Auch in in Selm, wo er 2017 „Selm von oben“ gedreht hat. So etwas wie jetzt in Cappenberg hat der 53-Jährige aber noch nie erlebt.

Selm

, 19.08.2019, 17:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

Heimat ist sein zentrales Thema. Ob „Selm von oben“, die vier Filme über Lünen oder die über Dortmund-Brackel und Dortmund-Lanstrop: Stets zeigt Uwe Koslowski (53) vertraute Häuser und Straßen aus ungewöhnlichen Blickwinkeln. Das plant er zusammen mit Günther Goldstein (72) auch für Cappenberg - und ist schon bei den ersten Szenen auf ungeahnten Gegenwind gestoßen.

„Dass mich Menschen ansprechen, und fragen was ich denn da mache, kommt regelmäßig vor“, sagt Koslowski. Das findet er auch ganz verständlich. Schließlich lässt er meist in aller Frühe - „das Licht ist dann am besten“ - seinen mit einer Kamera ausgestatteten Quadrokopter steigen: eine Art fernzulenkenden Hubschrauber mit vier Rotoren. Als er am zweiten Augustwochenende in Cappenberg die Drohne fliegen ließ, hat ihn aber kein Anwohner angesprochen, sondern der hat gleich die Polizei gerufen.

Drohnen kreisen über Cappenberg: Dreharbeiten zu neuem Film rufen Polizei auf den Plan

Das ist ein Motiv aus dem im November 2017 veröffentlichten Film "Selm von oben": das Schloss Cappenberg. © Foto: Uwe Koslowski

Kein Problem, sagt Koslowski und schmunzelt, im Gegenteil: So habe er erstmals, seit er nichtkommerzielle Filme dreht, seine offizielle Drehgenehmigung vorlegen können. Die Bezirksregierung Münster hatte sie erstellt: die für Luftaufsicht zuständige Behörde. Auch Günther Goldstein verfügt über diese Papiere, die es erlauben, die fliegenden Kameras auch dahin zu lenken, wo es anderen Drohnenpiloten untersagt ist: über Naturschutzgebiete, Straßen und Wohngebiete etwa.

Nicht nur Drohnen sind im Einsatz

Dass es in Cappenberg aufmerksame Nachbarn gebe, die sich engagieren, statt wegzugucken, das finden Koslowski und Goldstein gar nicht schlimm, im Gegenteil. Das zeige, dass es in Cappenberg das gibt, wovon ihr Film erzählen will: Heimatgefühl. Und das gelte sowohl für das alte Cappenbeg mit Schloss und Stiftskirche, der mehr als 500 Jahre alten Gaststätte Kreutzkamp und den Höfen als auch für die Neubaugebiete.

Anders als die drei „Lünen-von-oben“-Filme und der „Selm-von-oben“-Film geht es nicht nur darum, auf den Ort hinabzuschauen. „Wenn wir eine Szene über den Cappenberger Friedhof drehen, werden wir natürlich keine Drohnen einsetzen, die in 50 Metern Höhe über die Grabsteine hinwegfliegen“, macht Koslowski klar. Anders als bei den anderen Filmprojekten soll auch nicht nur ein ausgebildeter Profi-Sprecher zu hören sein, sondern auch Cappenberger Originale: Stimmen, die man kennt.

Wo sie in diesen Tagen mit Drohnen- und Handkameras unterwegs sein werden, haben Koslowski und Goldstein bereits geplant. Auf einer langen Liste stehen unter anderem der Weinberg, das Schloss, die ehemalige Brauerei, Emtingshof und das Sportgelände. Der Heimatveren Cappenberg, in dem Goldstein auch Mitglied ist, hat daran mitgewirkt - nicht nur als Ratgeber, sondern ganz offiziell als Antragsteller für eine öffentliche Filmförderung. „Die haben wir auch bekommen“: 2000 Euro. Davon werden alle etwas haben.

Öffentlicher Zuschuss macht etwas Besonderes möglich

Er drehe ja keine Filme, um damit Geld zu verdienen, sagt der Filmemacher Koslowski, der hauptberuflich einen Versandhandel für technischen Bedarf betreibt. Ohne die öffentliche Zuwendung sei ein solches Filmprojekt wie das von Cappenberg kaum möglich. Denn, dass die gesamten Kosten durch den DVD-Verkauf gedeckt würden, ist bei einem vergleichsweise kleinen Ortsteil - und einem daher auch kleinen Markt - schwierig. Dass der Film über seine eigene Heimat, Dortmund-Lanstrop, an dem er auch gerade arbeitet, entstehen kann, ist ebenfalls einer öffentlichen Förderung zu verdanken.

Die Zeit drängt. Noch in diesem Jahr ist eine öffentliche Filmvorführung des 40 bis 60 Minuten langen Streifens geplant. „Kostenlos“, wie die beiden Filmemacher betonen. Möglichst viele Cappenbergerinnen und Cappenberger sollen zusammenkommen, um zuzusehen und anschließend miteinander zu reden - über ihre Heimat.

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