Ein Cappenberger wird neuer Bürgermeister der größten ostfriesischen Insel

mlzNordseeinsel Borkum

300.000 Menschen reisen jedes Jahr zur Insel Borkum. Jürgen Akkermann aus Cappenberg sogar mehrfach - das nächste Mal im Oktober. Dann kommt er, um zu bleiben - in ganz besonderer Funktion.

Cappenberg

, 15.09.2019, 05:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Cappenberg ist sein Zuhause. Dort wohnt er seit 2001 mit seiner Frau und den beiden Kindern und engagiert sich im Vereinsleben. Wer Jürgen Akkermann aber fragt, wo seine Heimat ist, bekommt eine andere Antwort,

„Ich bin Borkumer“, sagt der 53-Jährige. 1966 wurde er auf der Insel 30 Kilometer von der deutschen Küste geboren. Die hat er zwar schon als Jugendlicher verlassen, um auf dem Festland sein Abitur zu machen, zu studieren und zu arbeiten. Aber das Insulanersein legt man damit nicht ab. Einmal Borkumer, immer Borkumer. Das wissen auch Akkermanns Wähler.

Ein Cappenberger wird neuer Bürgermeister der größten ostfriesischen Insel

Die typische Skyline von Borkum. So kennen viele Urlauberinnen und Urlauber die Insel. © Detmold

1508 Männer und Frauen haben dem 53-Jährigen am Sonntag, 8. September, ihre Stimme gegeben: 57,99 Prozent aller wahlberechtigten Insulaner. Damit hat sich der Borkumer aus Cappenberg deutlich gegen drei andere Bewerber durchgesetzt. Zum 1. November wird er seine neue Aufgabe antreten: Bürgermeister der größten ostfriesischen Insel, auf der Akkermänner seit vielen Generationen heimisch sind.

Ein Diplom-Ingenieur an der Spitze der Stadtverwaltung

Mit Blick auf seine Herkunft wird das ein Heimspiel. Mit Blick auf seinen beruflichen Werdegang betritt er allerdings Neuland auf dem Eiland. Akkermann ist Dipom-Ingenieur: ein studierter Bauingenieur und Umweltschutztechniker.

Er hat sowohl im Tiefbau als auch im Hochbau gearbeitet hat, bis er 2002 zur Deutschen Bahn wechselte. Dort war er erst für neue Brücken, Gleise, Bahnübergänge und Stellwerke zuständig und jetzt für den sicheren Betrieb der Eisenbahninfrastruktur und der Behebung von Störungen.

Probleme erkennen und schnell vernünftige Lösungen finden: Das beschreibt Akkermanns aktuelle Arbeit - und seine künftige ebenso. Borkum-Touristen haben in der Regel nur Augen für die Postkartenidylle ihrer Lieblingsinsel: für den weißen Sandstrand, die breite Promenade, das lebendige Zentrum und das ruhige Ostland. Akkermann kennt auch Schattenseiten.

Bezahlbarer Wohnraum fehlt auf der Insel

Das größte Problem? Die Antwort kommt prompt: „Dass bezahlbarer Wohnraum fehlt.“ Selbst wenn junge Leute gerne auf ihrer Heimatinsel blieben, seien sie gezwungen, aufs Festland zu ziehen. „Es fehlen einfach Wohnungen“ - auch ein Problem für die vielen Fachkräfte, die für den Tourismus nötig seien.

Borkum ist keine autofreie Insel. Das werde er auch nicht ändern, sagt Akkermann. Er will aber den Autoverkehr deutlich reduzieren. „Die Natur ist unser Kapital.“ Sie zu schützen, sei überlebenswichtig. Akkermanns Ziel: „Borkum soll emissionsfrei werden und beim Thema CO2-Reduktion in Deutschland ganz vorne mit dabei sein.“

So wichtig auch die Einnahmen sind aus dem Geschäft mit dem Urlaub. Akkermann, selbst passionierter Segler, warnt davor, zu glauben, sie ließen sich immer weiter steigern. „Im Sommer sind die Kapazitäten ausgeschöpft“, sagt der parteilose Bürgermeister. Entwicklungen in Richtung Massentourismus seien mit ihm nicht zu machen.

Mit der Fähre von Eemshaven übersetzen

Am 14. Oktober fangen in NRW die Herbstferien an: Mit Fähren von Emden und Eemshaven - Akkermann zieht diese schnellere Verbindung aus den Niederlanden vor - wird sich dann die nächste Reisewelle gen Borkum in Bewegung setzen. Akkermann selbst wird sich ebenfalls im Oktober auf den Weg machen - mit deutlich mehr Gepäck als sonst, aber ohne seine Familie.

„Meine Frau wird erst 2020 oder 2021 nachziehen“, sagt er. Dass die Tochter (16) so kurz vor dem Abitur aufs Internat wechseln müsse, wollten sie vermeiden. Der Sohn (21) studiert bereits.

Bis dahin wird Akkermann so oft wie möglich nach Hause reisen: nach Cappenberg. Um sich wie bislang im Schützenverein zu engagieren, wird die Zeit aber wohl fehlen. Akkerman war dort Kompaniekönig und Oberst. Die Vereinskollegen regelmäßig wiedersehen wird er trotzdem. Viele, weiß er, sind Borkum-Fans.

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