Ein zentrales Stück Cappenberger Ortsgeschichte steht zum Verkauf

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Rote Fachwerkmauern, weiße Sprossenfenster, grünes Tennentor: Der Hof in der Cappenberger Mitte ist ein Blickfang. Jetzt steht er leer - und zum Verkauf. Er könnte ganz verschwinden.

Cappenberg

, 07.10.2019, 13:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Resthof: So heißt ein Bauernhof ohne Weiden und Äcker - das reine Hofgebäude und das ihn unmittelbar umgebende Grundstück. Das Anwesen Rottmann am Cappenberger Damm ist ein solcher Resthof - und zugleich ein Rest Ortsgeschichte. Noch.

„Verkaufe Resthof in Selm Cappenberg in zentraler Lange in Cappenberg“, ist seit zwei Wochen unter eBay Kleinanzeigen zu lesen. Das Gebäude mit Stallungen auf dem rund 2000 Quadratmeter großen Grundstück sei „stark renovierungsbedürftig - ein echtes Liebhaberstück“. Kosten: 510.000 Euro. Auch Abriss und Neubau wären theoretisch möglich. Denn unter Denkmalschutz steht das Gebäude nicht.

Erinnerung an Milchtouren mit dem Pferdefuhrwerk

Das Haus steht leer. Helga Rottmann, die letzte Bewohnerin, war im März 2019 gestorben, ihr Mann Theodor bereits 2015. Kinder hatten die beiden nicht.

Ein zentrales Stück Cappenberger Ortsgeschichte steht zum Verkauf

Zu dem Hof gehören auch Nebengebäude. © Günther Goldstein

Heino Janssen, der Vorsitzende des Cappenberger Heimatvereins, hat mit dem Ehepaar nicht nur geschätzte Nachbarn verloren, sondern auch Vermieter. „Der Heimatverein hat die Scheune gepachtet“, sagt Janssen. Biertischgarnituren und sonstige Utensilien des Vereins sind untergebracht, wo einst Rottmanns Pferde standen: Zugtiere, die täglich im Einsatz waren.

„Theo Rottmann hat im Dorf die Milch von den Bauern eingesammelt und zur Molkerei gebracht“, sagt Janssen: eine nostalgische Erinnerung. Er blickt zurück auf ein Kapitel Dorfgeschichte, das längst geschlossen ist. Pferdefuhrwerke gibt es schon lange nicht mehr, genauso wenig wie dezentrale Molkereien und Milchkannen an jeder Hofeinfahrt.

Einst gehörte der Hof zu den größeren Höfen Cappenbergs

Nach Auskunft des Cappenberg-Chronisten Dr. Peter Kreutzkamp gehörte der Hof Rottmann zu den 16 bis 18 größeren Höfen der Bauerschaft, die sich rund um den im 15. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnten Hof Kreutzkamp befanden.

Das Gebäudeensemble - das Haupthaus und ein Stall sind 111 Jahre alt, weitere Gebäude jünger - liegt zentral. Und es hat bereits seine Qualitäten als Treffpunkt bewiesen. Mehrere Sommerfeste haben die Mitglieder des Heimatvereins dort in den vergangenen Jahren gefeiert. Damit wird demnächst wohl Schluss sein.

Dorftreffpunkt gesucht, aber 510.000 Euro zu teuer

Es gebe zwar einen zehnjährigen Pachtvertrag über die Scheune, so Janssen. Der ende aber mit einem Eigentümerwechsel. „Und uns ist es leider nicht möglich, das Gebäude zu erwerben“, ergänzt er mit Verweis auf den Preis. Bedarf bestehe aber durchaus - nicht nur für den Heimatverein.

Dass Cappenberg ein Gemeinschaftshaus für Vereine und Gruppen gut gebrauchen könnte, hatten zuletzt die Planer festgestellt, die das Ortsteilentwicklungskonzept erarbeiten. „Die Lage wäre großartig“, sagt Janssen, „aber uns fehlt das Geld“.

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