Im Laden bummeln - auch nach der Notbremse ist das noch möglich, aber nur mit einem negativen Schnelltest. © Goldstein

Einkaufen mit Notbremse: Selmer Händler sehen auch darin eine Chance

Das Inkrafttreten der Notbremse bedeutet strengere Regeln. Gleichzeitig erhalten Geschäfte die Möglichkeit, den Kundenbetrieb aufrecht zu erhalten. Darauf haben Selmer Geschäfte gewartet.

Im Kreis NRW greift die Notbremse – nachdem die 7-Tages-Inzidenz schon seit mehr als drei Tagen bei über 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern lag. Dies bedeutet strengere Regelungen – aber auch neue Chancen für den Einzelhandel. Denn laut Verordnung dürfen Kunden noch immer in Geschäfte – solange sie einen tagesaktuellen Schnelltest vorweisen können.

„Hier in Selm haben alle nur auf die Infos vom Kreis gewartet und sind total gespannt, wie das von den Kunden angenommen wird“, sagt Noemi Sandmann. Sie arbeitet im Spielwarengeschäft Spielen & Träumen. Die Entwicklungen im Zuge der Pandemie verfolgt sie mit Spannung und Enthusiasmus. „Wir nutzen das jetzt so aus, wie es eben möglich ist. Wir hatten so viele tolle Begegnungen in den letzten Wochen, das motiviert natürlich total.“

Tun, was möglich ist

Wie sich die Situation auf lange Sicht entwickele sei natürlich noch nicht abzusehen, aber man wolle die Dinge positiv sehen und tun, was möglich ist. „Alle behalten jetzt natürlich ihre Abholschalter, sodass man die Kunden weiter bedienen kann. Schaufensterstöbern und Dinge vor Ort abholen ist ja weiterhin problemlos möglich und wenn dann jemand einen negativen Test vorweist, kann derjenige ja auch ins Geschäft rein.“

Die Selmer Einzelhändlerinnen und Einzelhändler setzen weiterhin auch auf Abholung. © Goldstein © Goldstein

Sandmann betont, dass die Händler ihr Bestes geben, um den Kunden weiterhin zu zeigen, dass sie noch da seien. Auch für sie selbst war es eine spannende Entwicklung. „Durch Corona bin ich dazu gekommen, viele neue Ideen zu entwickeln und entsprechend umzusetzen. Das bereitet mir viel Freude.“ Und auch ihre Eltern und die Mitarbeiter des Spielwarengeschäfts hatten immer wieder Ideen, die sich kreativ umsetzen ließen.

Für Sandmann ist es zudem spannend zu sehen, wie die anderen Selmer Geschäfte sich immer wieder Neues für ihre Kunden einfallen lassen. „Viele posten regelmäßig bei Facebook, andere wie etwa Lonnemann dekorieren regelmäßig um und MyHome stellt die Sachen schön bunt aus. Die Altstadt füllt sich dadurch wieder mit Leben.“

Dorthee Sperl, Inhaberin der ModeInsel, sieht den Fortgang mit den neuen Bestimmungen etwas bescheidener. „Es ist schon schwierig für klein Selm“, sagt sie. „Die neue Regelung der Notbremse ist eigentlich gut, aber ich frage mich, wer macht das schon groß?“ Es sei unklar, ob das gut bei den Kunden ankommen werde. Die Termine seien laut Sperl eine gute Sache gewesen. „So viele Kunden kommen ins Geschäft ja gar nicht rein, da halte ich das Infektionsrisiko durchaus für geringer als im Lebensmittelhandel. Da dürfen so viele mehr Menschen rein.“

Prozedere sei unklar

Zudem sei nicht klar kommuniziert, wie das Prozedere am Ende ablaufen soll. „Und wenn man sich jetzt seinen negativen Test abholen will, wird es schon schwierig. Mir haben Kunden gesagt, dass schon vor Ostern alle Termin ausgebucht seien, da kann man sich dann gar nicht mehr testen lassen.“

Sperl setzt weiterhin darauf, telefonisch erreichbar zu sein, aber ist auch im Geschäft anwesend, damit die Kunden Ware abholen, bezahlen oder auch umtauschen können. „Man merkt aber, dass die Leute verhalten sind. Es ist einfach etwas anderes, als wenn man auch stöbern kann.“ Es wäre schön, wenn zumindest die Ständer draußen stehen könnten, aber das sei nach wie vor nicht erlaubt.

Doch auch Sperl sieht positiv in die Zukunft. „Wir hatten aufgrund der Sperrung der Kreisstraße schon eine dreijährige Durststrecke. Das haben wir auch geschafft.“ Danach lief es erst mal richtig gut – dann kam Corona. Aber: „Die Selmer halten zusammen, die Kundschaft ist treu. Ich bin schon seit 29 Jahren hier in Selm tätig und wenn die Leute so gut zu einem halten, dann übersteht man auch Corona.“

Über die Autorin
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Obwohl nicht in Dortmund geboren, bin ich doch eng mit dieser Perle des Ruhrpotts verbunden. Eine Stadt durch die Augen eines Journalisten kennenzulernen, das fasziniert mich. Seit Oktober 2017 arbeite ich für die Ruhrnachrichten und bin seit April 2020 Volontärin.
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Denise Felsch

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