Ende 2021 soll der Umbau abgeschlossen sein: Graf äußert sich zu Schloss Cappenberg

mlzSchloss Cappenberg

Seit fünf Jahren sind die Türen zu den Ausstellungen im Schloss Cappenberg geschlossen. Der Umbau des barocken Gebäudes dauert deutlich länger als ursprünglich geplant.

Cappenberg

, 03.03.2020, 21:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Da, wo sonst die hohe, weiße Flügeltür ins Cappenberger Schloss einlässt, ist eine provisorische Holzfront mit Baustellentür eingelassen. „Museum geschlossen“ steht auf einem Zettel im Fenster und wer einen Blick ins Innere des Schlosses erhascht, sieht Gerüste, frei gelegte Leitungen in den Wänden, hochgenommene Bodenplatten: Das Schloss ist eine Baustelle. Und wird es auch noch einige Zeit bleiben, wie Schlossherr Sebastian Graf von Kanitz sagt.

Zum großen Jubiläumsjahr 2022, so sagt er, solle auf alle Fälle alles fertig sein. „Wir hoffen aber, dass die Arbeiten Ende 2021 angeschlossen sein werden“, sagt Sebastian Graf von Kanitz. Damit liegt die Schlossrenovierung deutlich hinter dem ursprünglichen Zeitplan. Zum Hintergrund: Seit Ende 2015 laufen keine Ausstellungen mehr im Südflügel des Schlosses - wegen der aufwendigen Renovierung. Eigentlich sollte die - so der ursprüngliche Plan - 2017 abgeschlossen sein. Der End-Termin wurde aber immer wieder verschoben: auf 2018, dann das Frühjahr 2019, auf 2020 - und nun auf das Ende des kommenden Jahres.

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Ein Blick in die Baustelle im Cappenberger Schloss

So sieht es gerade im Schloss Cappenberg aus: Die Baustelle soll Ende 2021 abgeschlossen sein.
03.03.2020
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"Museum geschlossen": Dieses Schild hängt schon seit Ende 2015 im Fenster vom Schloss Cappenberg. Da hat der Umbau begonnen. © Marie Rademacher
Der Aufzug ist schon eingebaut. Barrierefreiheit ist bei der Renovierung des Schlosses ein großes Thema. © Marie Rademacher
Ein Blick in den Keller vom Südflügel des Schlosses. Man sieht: Die Baustelle ist hier in vollem Gange. © Marie Rademacher
Teilweise wurden die Bodenplatten hochgenommen, um darunter an den Leitungen zu arbeiten. © Marie Rademacher
Neue Heizungsrohre bekommt das Schloss Cappenberg auch. © Marie Rademacher
Im Südflügel des Schlosses sind viele Handwerker im Einsatz. Ende 2021 soll alles fertig sein.
© Marie Rademacher
Am Ausblick hat sich nichts verändert. So sieht es aus, wenn man vom Balkon des Schlosses herunterschaut. © Marie Rademacher
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Die Arbeiten laufen. Die breite Treppe im Eingangsbereich des Schlosses ist gut geschützt gegen den Dreck, den die Baustelle macht. © Marie Rademacher
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Karin Lehmann von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz hat Schlossherr Sebastian Graf von Kanitz eine Plakette überreicht, die an den Schlossmauern angebracht wird.© Marie Rademacher
Die hochgenommenen Bodenplatten sind durchnummeriert - nach den unterirdischen Arbeiten können sie so wieder in richtiger Reihenfolge verlegt werden. © Marie Rademacher
Neu ist auch der Treppenaufgang. © Marie Rademacher

„Ganz klar. Es gab da Verzögerungen“, räumt der Graf auf Nachfrage der Redaktion ein. „Es dauert einfach eine gewisse Zeit, bis man moderne Technik in einem alten Gebäude wie diesem verbaut hat“, erklärt er. Die Planungen hätten eines langen Vorlaufs bedurft, sagt er, viele Fachplaner seien involviert gewesen. Und: „Es gibt in so einem alten Gebäude auch immer Überraschungen, die den Baufortschritt verzögern“, so der Graf, der ein Nachfahre des Freiherrn vom Stein ist. Der preußische Staatsreformer vom Stein hatte das Schloss 1816 erworben - seitdem ist es im Familienbesitz.

500.000 Euro von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz

„Wir arbeiten jetzt aber daran, dass alles zügig fertig wird“, versichert der Graf. Und ein Blick ins Schloss beweist das. Eingebaut ist schon ein Fahrstuhl sowie eine neue Treppe - finanziell unterstützt von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD). 500.000 Euro hat die Stiftung in das Projekt gesteckt, wie Karin Lehmann von der DSD erklärt. Am Dienstag war sie zu Gast im Schloss, um eine Bronze-Plakette zu übergeben, die auf die Unterstützung der Stiftung hinweist. Und um sich ein Bild zu machen von den Bauarbeiten vor Ort.

Karin Lehmann von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz hat Schlossherr Sebastian Graf von Kanitz eine Plakette überreicht, die an den Schlossmauern angebracht wird.

Karin Lehmann von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz hat Schlossherr Sebastian Graf von Kanitz eine Plakette überreicht, die an den Schlossmauern angebracht wird. © Marie Rademacher

Sie selbst komme aus Dortmund, erzählt sie. Aber Cappenberg sei von jeher ein Ausflugsziel für sie gewesen - wie auch für viele andere aus näheren und ferneren Region.

Seit 1985 sind Ausstellungen vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und vom Kreis Unna im südlichen Teils des Schlosses zu sehen. 2015 sind die Verträge mit diesen beiden Mietern des Schlosses neu verhandelt und um 20 Jahre verlängert worden: Die Sanierung des Schlosses war Teil der Vereinbarung.

Brandschutz und Barrierefreiheit

„Was in diesem Gebäude eine große Rolle spielt, ist die Barrierefreiheit. Das war eine Voraussetzung für die Fortführung des Mietvertrages“, erklärt Graf von Kanitz. Auch der Brandschutz und das ganze Genehmigungsverfahren war „Baustelle“ der gräflichen Verwaltung.

Erneuert werden auch die Heizungsanlage und die Elektrik - auch das ist nicht einfach in einem so alten Gebäude. Wann genau die Ausstellungen im Schloss wieder laufen, werde bald bekannt gegeben, sagt Graf von Kanitz. Der LWL und die gräfliche Verwaltung werden dann zusammen über die Perspektiven informieren.

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Wenn alles fertig ist, seien selbstverständlich einige bauliche Veränderungen wie die neue Treppe oder der Aufzug sichtbar. „Aber wir versuchen natürlich, dezent zu renovieren, sodass die Authentizität des Gebäudes erhalten bleibt. Das Schloss ist ein Barockgebäude von 1708 und das soll es vom Charakter her auch bleiben“, so Sebastian Graf von Kanitz.

Davor, dass das Schloss als Ausstellungsort durch die lange Umbauphase an Anziehungskraft verloren haben könnte, fürchtet er sich nicht. „Dass es in der Bauphase hier nicht so belebt ist, ist klar. Ich glaube aber auch, dass die Menschen dafür Verständnis haben, dass Renovierungsarbeiten an Gebäuden wie diesen einfach dauern und eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen“, sagt er. Und: „Wir tun dem Gebäude ja etwas Gutes.“

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