Fake-News um Alkoholkonsum gegen Coronavirus - Kaufen die Menschen jetzt mehr Alkohol?

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Saufen gegen Corona? Ein Gerücht, dass erhöhter Alkoholkonsum das Virus bekämpfen würde, macht derzeit die Runde auch in Selm. Hat sich das Alkohol-Kaufverhalten der Menschen geändert?

Selm, Nordkirchen

, 24.03.2020, 11:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

In den vergangenen Tagen machte das Gerücht die Runde, ein gesteigerter Alkoholkonsum würde im Kampf gegen das Coronavirus helfen. Dazu kursierte in diversen sozialen Netzwerken und bei Whatsapp ein Foto mit einem Text - angeblich verfasst vom Robert-Koch-Institut (RKI).

„In der Fastenzeit auf Alkohol zu verzichten, ist in diesem Jahr laut RKI der falsche Weg. Aufgrund des Coronavirus wird sogar empfohlen, mehr als die gewöhnliche Menge zu sich zu nehmen und dies unbedingt täglich“, heißt es in dem Text auf dem Foto.

Dieses Foto kursiert derzeit in den sozialen Netzwerken.

Dieses Foto kursiert derzeit in den sozialen Netzwerken. Bei der Meldung - angeblich verfasst vom Robert-Koch-Institut - handelt es sich jedoch um eine Falschmeldung. © Screenshot

Das ist natürlich absoluter Quatsch. Bei der am 19. März verfassten Meldung handelt es sich um eine Falschmeldung. Doch wie wirken sich solche Falschmeldungen auf das tatsächliche Kaufverhalten der Menschen aus?

Michael Ansinn vom gleichnamigen Getränkevertrieb in Nordkirchen hat nicht festgestellt, dass die Menschen in der aktuellen Krise vermehrt Alkoholika kaufen. „Nein“, sagt er, „die Menschen saufen sich abends nicht voll.“ Er merke keinen gesteigerten Alkoholabsatz. Im Gegenteil: „Ich denke, dass aktuell sogar weniger getrunken wird. Im Familienkreis ist das Trinkverhalten doch ein anderes, als wenn man in der Gastronomie unterwegs wäre“, so Ansinn.

Corona Extra verkauft sich in Nordkirchen besser als früher

Lediglich die mexikanische Biermarke Corona Extra verkaufe sich laut Ansinn aktuell besser als zuvor. „Die Brauerei sagt zwar, sie würden weniger verkaufen. Aber ich stelle derzeit in meinem Laden fest, dass viele danach fragen. Wahrscheinlich kaufen sie das Bier aus Jux“, sagt er.

Die Gastronomen bestellen derzeit nichts, da die Kneipen und Restaurants nicht geöffnet haben. Ansinn: „Die Gastro ist tot, da läuft derzeit gar nichts mehr. Wir haben aber das Glück, dass wir auch Tankstellen mit Getränken beliefern.“

Mehr Mineralwasser, mehr Auslieferungen

Was Michael Ansinn jedoch feststellt: Die Menschen kaufen in der aktuellen Situation mehr Mineralwasser. „Auch Kunden, die ich vorher noch nie bei uns im Markt gesehen habe, kommen plötzlich zu uns.“ Auch müsse er nun deutlich mehr Getränke ausliefern als noch vor der Corona-Krise. „Gerade ältere Menschen lassen sich nun vermehrt Getränke nach Hause liefern“, so Ansinn.

Olaf Bentrup, Bezirksleiter der B&G- und Fresh+Cool-Getränkemärkte unter anderem in Selm, Werne und Kamen, sagt ebenfalls, dass die Menschen aktuell nicht vermehrt Alkohol kaufen würden. „Das habe ich bisher nicht festgestellt. Ich habe in anderen Märkten mal gesehen, dass Kunden bis zu zehn Kisten Wasser kaufen, aber in unseren Märkten ist das noch alles ziemlich human.“ Hamsterkäufe, was Getränke angeht - davon merkt Olaf Bentrup in seinen Läden nichts.

Nachbarschaftshilfe macht sich bemerkbar

Was aber auch in Bentrups Läden zugenommen hat: die Auslieferungen. „Tatsächlich lassen sich die Kunden derzeit häufiger und vermehrt von uns mit Getränken beliefern. Den Lieferservice hatten wir schon vor der Corona-Krise. Aber durch Corona haben wir noch mehr Kunden dazubekommen“, so Olaf Bentrup.

Eine erfreuliche Nachricht ist, dass sich die solidarische Nachbarschaftshilfe auch im Getränkehandel bemerkbar macht. Laut dem Selmer Fresh&Cool-Mitarbeiter Dietmar Zeine würden derzeit vermehrt jüngere Menschen für ihre älteren Nachbarn einkaufen gehen. „Die fragen dann: ‚Wo steht die Marke Mineralwasser?‘, weil sie die vorher noch nicht gekauft haben und die eben für ihre Nachbarn mitbringen“, so Zeine.

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