Von der Lünener Straße biegt auf Höhe der Gärtnerei Ahland die Püttstraße ab zum kleinen Feuerwehrgerätehaus Hassel: Platz für derzeit 23 Aktive. Das Gebäude erfüllt nicht mehr die Bedürfnisse des Arbeitsschutzes. © Günther Goldstein
Freiwillige Feuerwehr

Feuerwehr kämpft erfolgreich um Zukunft eines mangelhaften Gerätehauses

Mangelhaft. So haben Gutachter das Feuerwehrgerätehaus in Hassel beurteilt. Für viel Geld umbauen oder den Standort aufgeben? Der Rat hat am Donnerstag entschieden und Applaus dafür bekommen.

Dass viele Zuschauer in die Ratssitzung kommen, ist eher selten – ganz unabhängig von der Corona-Pandemie. Am Donnerstagabend (30. 9.) ist es aber so voll im Bürgerhaus Selm wie sonst nur selten. Alle Plätze auf der Galerie über dem Sitzungssaal sind besetzt. Menschen aus Bork, vor allem Männer, waren gekommen um deine Entscheidung zu verfolgen, die sie seit Monaten beschäftigt: nicht der umstrittene Bau des Altenheims, sondern die Zukunft des Feuerwehrgerätehauses in der Borker Bauerschaft Hassel: Hopp oder Top?

Feuerwehrleute haben vor 30 Jahren das Gerätehaus selbst gebaut

Frank Neve ist einer der rund 20 Zuschauer: Feuerwehrmann wie schon der Vater und der Großvater. Eine Leidenschaft, die er auch bereits an die vierte Generation weitergegeben hat. Doch bei aller Verbundenheit mit dem Ehrenamt. Ob der stellvertretende Einheitsführer es weiter ausüben würde, wenn es das Gerätehaus in Hassel nicht mehr gäbe, glaubt er nicht. Dafür steckt zu viel Herzblut in dem Gebäude zwischen Gärtnerei und Kita. Keine Einzelmeinung.

Zahlreiche Mitglieder der Feuerwehr Hassel – sowohl Aktive als auch aus der Alters- und Ehrenabteilung – haben die Ratssitzung im Bürgerhaus Selm verfolgt. Zufrieden sind sie nach Hause gefahren. © Sylvia vom Hofe © Sylvia vom Hofe

„Vor 30 Jahren hatte uns die Stadt Selm 150.000 Mark gegeben“, sagt Frank Neumann, der Einheitsführer der Feuerwehr in Hassel. Die Feuerwehrmänner und ihre Familien haben das Geld genommen und dann die Ärmel hochgekrempelt. Neben dem regelmäßigen Löschen, Retten und Bergen kam auch noch Mauern, Verlegen und Installieren dazu. „Wir haben das Gerätehaus komplett in Eigenhilfe gebaut“, sagt Neumann. Gepflegt und gehegt haben sie es seitdem auch. Aber das reicht nicht, damit das Gebäude den modernen Ansprüchen und aktuellen Arbeitsschutzvorschriften entspricht.

Die Mängelliste, die der Gutachter angefertigt hat, ist lang und deutlich: „Fehlende Schwarz-Weiß-Trennung für die Einsatzkleidung/private Bekleidung, fehlende Geschlechtertrennung bezüglich der Sanitäranlagen, fehlende Umkleideräume, keine Geschlechtertrennung im Umkleidebereich, Einsatzkleidung in der Fahrzeughalle ist Dieselimmissionen ausgesetzt, fehlende Abgasabsaugung, keine Druckluftversorgung der Fahrzeugbremsen, keine ausreichenden Sicherheitsabstände in der Fahrzeughalle, kein rutschhemmender Boden, keine Sicherheitsbeleuchtung, wenig Parkplätze, nicht ausreichende Lagerflächen.“

500.000 Euro kostet es, die Mängel abzustellen

Um diese Mängel abzustellen und weiter Feuerwehrleute in Hassel ihren ehrenamtlichen Dienst machen zu lassen, braucht es „umfänglicher Um- und Erweiterungsbaumaßnahmen in einer Größenordnung von circa 500.000 Euro“, hat die Stadtverwaltung vorgerechnet. Ob das gut investiertes Geld ist am Standort Hassel, oder ob der kleine Standort besser aufgegeben wird zu Gunsten einer Stärkung des großen Standorts in Bork: Darin gehen in der Politik die Meinungen auseinander. Frank Neve, Frank Neumann und die anderen Kameraden aus Hassel wissen das. Sie hatten in den vergangenen Wochen immer wieder mit den einzelnen Fraktionen diskutiert. Im Rat steht die Entscheidung an.

Die Stadtverwaltung hat – vorbehaltlich einer Zustimmung des Rates – bereits beim Land NRW Fördermittel beantragt aus den Fördertöpfen „Dorferneuerung 2022“ und „Feuerwehrhäuser in Dörfern 2022“: Geld, das helfen soll, „in den Dörfern mit bis zu 10.000 Einwohnerinnen und Einwohnern die ehrenamtliche Struktur der Freiwilligen Feuerwehr als unverzichtbares Element der Gefahrenabwehr und das bürgerschaftliche Engagement als hohes Gut und für das gesellschaftliche Miteinander von unverzichtbarer Bedeutung zu sichern“. Für die Stadt Selm reduzieren sich durch eine solche 50-prozentige Förderung die Kosten auf 250.000 Euro. Immer noch viel für eine Erweiterung an diesem Standort, wie drei CDU-Vertreter meinen.

Die CDU kann sich nicht auf eine Position einigen

Die CDU hat nicht einheitlich abgestimmt. „Uns eint es, dass wir alle die Feuerwehr in Bork, Selm und Cappenberg unterstützen wollen“, macht Claudia Mors klar, „aber wir sehen das Geld an diesem Standort nicht optimal investiert“. Zusammen mit Christoph Kappenberg und Hugo Bentrup spricht sie sich im Gegensatz zur restlichen Fraktion – und zu allen anderen im Stadtrat – gegen die Investition in Hassel aus. Frank Neumann kann damit leben. „Die haben sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Wir haben noch einen Tag vorher darüber gesprochen. So funktioniert Politik gut: erst gut informieren und dann die Argumente abwägen.“

Deutlich schwerer wiegt die Waagschale mit den guten Gründen für die Erweiterung. Am schwersten wiegt der Hinweis von Dezernent Stephan Schwager – selbst in der Feuerwehr aktiv – auf die Kosten für eine Berufsfeuerwehr. Wenn es nicht mehr gelinge, ausreichend viele Menschen für den ehrenamtlichen Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr zu begeistern, würden zwei Millionen Euro mindestens fällig – „jedes Jahr“. Aber selbst wenn Neve, Neumann und all die anderen weiter so aktiv blieben wie zurzeit: Die Feuerwehrleute aus Hassel könnten bei einer Schließung des Standortes Hassel nicht einfach in Bork unterkommen. „Dann müssten wir auch dort umbauen. Kosten: mindestens 50.000 Euro.“

Dank an die Leute, „die unser aller Leben schützen“

Vor der Abstimmung im Rat nutzen die Vertreter aller Fraktionen die Gelegenheit, sich bei der Feuerwehr zu bedanken: „Bei den Leuten, die unser aller Leben schützen“, wie es etwa Erdal Macit (SPD) ausdrückt. Nach der Abstimmung brandet Applaus im Zuschauerraum auf. Wann die Bauarbeiten in Hassel beginnen, ist noch offen.

Über die Autorin
Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe

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