Feuerwehrchef Thomas Isermann (links), Frank Neve und Einheitsführer Frank Neumann freuen sich über den Ratsentscheid, der dem Gerätehaus Hassel die Zukunft sichert. © Stephanie Tatenhorst
Feuerwehr in Hassel

Feuerwehrgerätehaus in Hassel: Große Freude über Selmer Ratsentscheid

Als vor 30 Jahren das Gerätehaus in Hassel errichtet wurde, waren Feuerwehrfrauen noch eine Seltenheit. Heute ist das anders. Der nun zugesicherte Umbau ist aber nicht wegen der Frauen nötig.

Auf den ersten Blick wäre so manche Feuerwehr froh, über ein Gerätehaus wie das in Hassel verfügen zu können. Gemütlich, mit kurzen Wegen und hell. Doch wie bei vielen Dingen steckt der Teufel auch hier im Detail. Und am Ende war es die Summe der vielen Kleinigkeiten und im Laufe der Jahre notwendig gewordenen Provisorien, die dem Gerätehaus bei einer Überprüfung nun die Note mangelhaft einbrachte. Doch das ist tatsächlich Glück im Unglück.

„Gott sei Dank“, sagen Einheitsführer Frank Neumann und sein Stellvertreter Frank Neve wie aus einem Mund, wenn es um den Ratsentscheid geht, der den Weg für den Umbau des Gerätehauses ermöglichte. Alles andere wäre wohl das Aus für die Einheit gewesen, die aktuell aus 23 aktiven Mitgliedern besteht. Hinzu kommen elf Kameraden in der Ehrenabteilung und mehr als 100 Freunde und Förderer, die die Einheit regelmäßig mit Spenden unterstützen. Spätestens, wenn Ende des Jahres am Dorfeingang der Weihnachtsbaum aufgestellt wird, wird klar, dass die Feuerwehr ein wichtiger Bestandteil der Bauernschaft ist – und das seit 125 Jahren.

Zahn der Zeit bringt Veränderungen mit sich

Die Kameraden sind eine eingeschworene Einheit, in der sich ganze Generationen von Familien die Klinke in die Hand gaben. Lange Jahre agierte man aus einem Schuppen heraus, doch Ende der 1980er-, Anfang der 1990er-Jahre erkannte man, dass dies nicht mehr zeitgemäß war. In kompletter Eigenleistung mit finanzieller Unterstützung der Stadt errichten die Kameraden im Spätsommer 1991 ihr neues Gerätehaus. „Nach dem damaligen Stand der Technik, und natürlich auf die Kosten bedacht“, sagt Einheitsführer Frank Neumann.

Antreten zur Übung am Feuerwehrhaus in Bork. Da erfuhren die Feuerwehrleute, was sie auf dem Gelände des LAFP erwarten würde. © Stephanie Tatenhorst © Stephanie Tatenhorst

30 Jahre später hat sich viel getan. Nicht nur bei der Größe von neuen Fahrzeugen, sondern auch hinsichtlich Gesundheits- und Arbeitsschutz. Auch Frauen gehören heute anders als vor 30 Jahren ganz selbstverständlich zur aktiven Feuerwehr – doch an Sanitäranlagen für Damen wurde damals natürlich noch nicht gedacht. „Meine Tochter konnte nur in unsere Einheit kommen, wenn wir einen geschützten Raum zum Umziehen für sie hatten. Sonst hätte sie bei einem Einsatz immer nach Bork gemusst“, erklärt Frank Neve. Mit zwei Autos loszudüsen, der eine hierhin, die andere dorthin, wäre natürlich unsinnig gewesen.

Spanischer Paravent hat ausgedient

Deshalb steht ein spanischer Paravent im hinteren Teil des Gerätehauses. Der bildet mit Außenwand und Spindrückseiten einen separaten Raum, in dem sich die Feuerwehrfrau umziehen kann. Doch genau wie ihre Kameraden hat auch sie keine Möglichkeit, die Einsatzkleidung dann von den privaten Sachen getrennt aufzubewahren – und das darf heute aufgrund der obligatorischen Verunreinigungen der Feuerwehrschutzkleidung auch nicht mehr sein.

Die Hasseler Feuerwehrleute wissen natürlich um die Mängel, die ihr Haus hat. Dass sich die Spinde im selben Raum befinden wie das Feuerwehrfahrzeug, ist heute nicht mehr zulässig, wenn es keine Dieselabsauganlage gibt – und der Bestandsschutz läuft aus. Auch inzwischen gültige Bestimmungen nach der Unfallverhütungsvorschrift und für den Arbeitsschutz machen bauliche Veränderungen und ein Abschaffen der Provisorien dringend notwendig.

Fördermittel können akquiriert werden

„Aber zum Glück gibt es ein Förderprogramm des Landes, um den Fortbestand kleiner Einheiten zu gewährleisten“, erklärt Thomas Isermann, Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Selm. Das stellt Gelder für den Umbau von Gerätehäusern in Aussicht, die in Ortschaften mit maximal 10.000 Einwohnern stehen, und bei der Begutachtung das Urteil „mangelhaft“ erhielten. All das trifft auf Hassel zu. „Für uns können diese Gelder nun beantragt werden“, freut sich Frank Neumann – denn wäre das Gerätehaus aufgegeben worden und die Einheit Hassel nach Bork umgezogen, hätten die Kriterien der Förderung nicht mehr gegriffen, obwohl auch dort Umbauten nötig geworden wären.

Mit dem Neubau wird auch das Parkplatzproblem gelöst. Aktuell müssen die Feuerwehrleute bei einem Einsatz beim Nachbarn parken - der das freundlich duldet. Künftig wird es neun Parkplätze am Gerätehaus Hassel geben - denn es gibt auch neun Sitze auf dem Feuerwehrfahrzeug.
Mit dem Neubau wird auch das Parkplatzproblem gelöst. Aktuell müssen die Feuerwehrleute bei einem Einsatz beim Nachbarn parken – der das freundlich duldet. Künftig wird es neun Parkplätze am Gerätehaus Hassel geben – denn es gibt auch neun Sitze auf dem Feuerwehrfahrzeug. © Günther Goldstein (A) © Günther Goldstein (A)

So können Fördermittel für den Anbau am Gerätehaus in Hassel genutzt werden – allerdings erst, nachdem diese auch bewilligt worden sind. Wie lange das dauern wird, bleibt abzuwarten. Wann der Anbau also kommt, steht noch in den Sternen. Für die Preisgestaltung als Beratungsgrundlage wurde aber schon mal ein Vorentwurf der Maßnahmen erstellt. Und der sieht vor, dass die Fahrzeughalle bestehen bleibt, aber dahinter, wo sich aktuell noch die Toiletten der Schule befinden, der neue Anbau entstehen wird.

Von Sozialräumen bis Parkplätze

In die Erweiterungsräume sollen dann die Sozial- und Sanitärräume kommen, aber auch ein Büro für die Einheitsführung. Denn auch der bürokratische Aufwand hat sich in 30 Jahren verändert. Gelöst wird zeitlich auch das Parkplatzproblem: Künftig wird es neun Parkplätze am Gerätehaus geben – denn es gibt auch neun Sitze auf dem Fahrzeug.

Dieses Mal wird der Bau allerdings nicht in Eigenleistung erfolgen können. „Das geht schon aufgrund der Gewährleistung nicht“, erklärt Thomas Isermann. Aber dennoch wollen alle Mitglieder der Einheit mithelfen – unter anderem auch mit Geldmitteln. Denn trotz Fördermitteln müssen weitere 250.000 Euro in das neue Gerätehaus gesteckt werden – „und da werden wir uns beteiligen“, sagt Frank Neve. Eine Umfrage unter den Kameraden habe schon eine Größenordnung gezeigt. „Das wird eine fünfstellige Summe“, ist er sich sicher.

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