Flexibilität oder Anerkennung?

Blick durch meine Brille

Ein Blick auf das Studiensystem in Deutschland - und in Syrien.

Selm

von Lojain Abd Alhaq

, 19.07.2018, 17:47 Uhr / Lesedauer: 1 min
Flexibilität oder Anerkennung?

Im nächsten Jahr werde ich mein Studium in Deutschland beginnen. Aber die Sprache ist nicht die einzige Herausforderung, sondern auch die Suche nach einem passenden Studienfach. Die vielen Studienfächer hier haben mich verwirrt, und das, obwohl ich in Syrien schon mit meinem Journalistik-Studium angefangen habe und weiß, dass mein Traumjob Journalistin ist. In Syrien ist das einfacher, denn es gibt nur eine einzige Universität, die über eine Journalistik-Fakultät verfügt. In Deutschland hingegen kann man sich viel stärker spezialisieren. Das heißt aber nicht, dass die Bildung in Syrien schlechter ist.

Hoher Bildungsstandard

Nach sieben Jahren Krieg kann man immer noch mit dem syrischen Abitur (bei einer Punktzahl von über 70 Prozent) eine deutsche Universitäten besuchen. Und zwar direkt, ohne ein Studienkolleg mit Vorbereitungskursen besuchen zu müssen. Dementsprechend ist das Bildungsniveau auch genauso gut wie in Deutschland – trotz des Mangels an Lehrmaterialien und der schwierigen politischen und wirtschaftlichen Lage. Ein großer Unterschied ist aber auch die Flexibilität.

Ein Student, der in Syrien mit seinem Abschluss spät dran ist, gilt als unverantwortlich oder nicht fleißig genug. In Deutschland sind Studenten bereit, ihr Studienfach zu ändern, wenn es nicht zu ihnen passt. Sie können auch nach dem Abitur ein Jahr ins Ausland fahren oder sich einfach entspannen. Diese Flexibilität gefällt mir sehr. Da ich mein Studium in Syrien nicht beenden konnte, rechne ich immer wieder meine verlorenen Semester zusammen und beobachte manchmal die Facebook-Gruppe meiner Studienkollegen. Manchmal fühle ich mich dann unter Druck gesetzt – und hätte gern etwas mehr deutsche Flexibilität.

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