Foto aus vergangenen Tagen: Aufnahme zeigt Ternscher See vor 70 Jahren

mlzTernscher See

Im Ternscher See in Selm darf nun wieder geschwommen werden. Passend dazu hat uns Leserin Ellen Janowski ein Foto zugeschickt. Es zeigt ihre Tante im Ternscher See - vor genau 70 Jahren.

Selm

, 09.06.2020, 19:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sonntag nach Pfingsten im Jahr 1950. So steht es zumindest in schnörkeliger Handschrift auf dem Sepia-Foto. Darauf zu sehen: Die 23-jährige Helene „Leni“ Müller - damals noch mit ihrem Mädchennamen Twardoß -, die mit ihrer Freundin im Ternscher See badet. Das Foto, das uns die Nichte von Leni Müller, Ellen Janowksi (69), zugespielt hat, ist nun fast auf den Tag genau 70 Jahre alt.

Das Foto von Helene Müller im Ternscher See entstand laut der Beschriftung der Rückseite des Bildes am Sonntag nach Pfingsten 1950, also vermutlich am 4. Juni vor 70 Jahren.

Das Foto von Helene Müller im Ternscher See entstand laut der Beschriftung der Rückseite des Bildes am Sonntag nach Pfingsten 1950, also vermutlich am 4. Juni vor 70 Jahren. © Helene Müller

Die gebürtige Selmerin Leni Müller lebt nach diversen Umzügen inzwischen wieder in Selm. Sie ist mittlerweile 93 Jahre alt und wohnt im St.-Josef-Altenwohnhaus.

Ternscher See entstand durch ein Missgeschick

Als das Foto im Jahr 1950 aufgenommen wurde, war der Ternscher See quasi noch eine neue Attraktion in Selm. Im Jahr 1934 entstand der 15 Hektar große See mehr oder weniger durch ein Missgeschick, als Arbeiter beim Buddeln auf eine Bodenquelle stießen, die die bereits ausgehobene Grube schnell mit Wasser flutete.

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Für den Ausbau des Dortmund-Ems-Kanals wurden damals unzählige Tonnen Lehm benötigt. Den dafür benötigten Sand, gab es unter anderem dort, wo heute der Ternscher See ist. Dem Mythos nach füllte sich die Grube nach Anstich der Bodenquelle sogar so schnell, dass die dort arbeitenden Menschen schnell flüchteten und schwere Gerätschaften zurücklassen mussten. Noch heute sollen diese Geräte am Grund des Ternscher Sees liegen.

„Damals musste man noch keinen Eintritt bezahlen“

Seither lockt der Ternscher See viele Menschen an - nicht nur aus Selm. Der See erfreut sich auch großer Beliebtheit über die Stadtgrenzen hinaus.

„Damals musste man noch keinen Eintritt bezahlen“, erinnert sich Ellen Janowksi, die im Jahr 1951 geboren wurde, also ein Jahr nachdem das Foto ihrer Tante entstand. Auch sie zog es in ihrer Kindheit und Jugend regelmäßig an den Ternscher See, „obwohl meine Eltern das eigentlich verboten hatten.“ Denn: Ellen Janowksi kann gar nicht schwimmen, wie sie lachend verrät. „Wir sind nicht geschwommen. Wir waren immer nur zum Baden am Baggerloch. So nennt den Ternscher See heute, glaube ich, kein Mensch mehr“, sagt sie.

Badeverbot inzwischen aufgehoben

„Wir waren immer an einem Abschnitt im Baggerloch, den wir den ‚Toten Arm‘ genannt haben“, so Janowksi weiter. „Das war gleich hinter einer Kneipe, wo auch eine Hühnerfarm war. Da haben wir immer wild gebadet. Aber irgendwann war da dann Badeverbot.“

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Heutzutage ist davon auszugehen, dass halb Selm das Schwimmen im Ternscher See gelernt hat. Inzwischen ist das Baden dort auch wieder erlaubt. Auch in diesem Jahr, nachdem der See Corona-bedingt erst verspätet öffnen durfte: Am vergangenen Mittwoch (3.6.) ist der Badebetrieb des Ternscher Sees wieder angelaufen.

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