Fotograf hält die „Schönheit des Verfalls“ in seinen Bildern fest

Ausstellung

Sie heißen „Urban Explorer“: Fotografen, die Motive des Verfalls in alten Häusern, Schlössern und Industriebauten finden und festhalten. Dabei kann auch schon mal der Alarm losgehen.

Selm

, 09.03.2019, 08:08 Uhr / Lesedauer: 2 min
Momentaufnahmen, wie dieses Klavier in einer verlassenen Villa, faszinieren den Fotografen Martin Führt.

Momentaufnahmen, wie dieses Klavier in einer verlassenen Villa, faszinieren den Fotografen Martin Führt. © Repro Martina Niehaus

Ein Kinderwagen in einem leeren Hausflur in Frankreich. Röntgenbilder, die in einer alten Doktorenvilla in Belgien noch am Fenster stecken. Wenn Martin Fürth auf der Suche nach Fotomotiven ist, muss er sehr oft über Zäune klettern oder durch Fenster einsteigen.

Momentaufnahmen, die faszinieren

„Schönheit des Verfalls“, so heißt die Fotoausstelllung, die zurzeit auf den Fluren des Borker Amtshauses zu sehen ist. Der 39-jährige Fotograf erklärt zum Beginn der Ausstellung selbst, was ihn vor allem an verlassenen Orten fasziniert. „Es sind diese Momentaufnahmen. Und man fragt sich oft, was aus den Bewohnern dieser Orte geworden ist.“

Zum Beispiel in der alten Doktorenvilla in Belgien. Im Schlafzimmer steht auf einer Seite des Bettes das Bild eines Mannes. Der Eigentümer? Auf dem anderen Nachttischchen steht eine Frauenhandtasche. Als könnten die Bewohner jeden Moment wieder zurückkommen.

Gleichgesinnte erkunden alte Gebäude und Industriebauten

In einem verlassenen Gebäude in der Nähe von Selm (wo, verrät Fürth grundsätzlich nicht) hat der Fotograf einen verstaubten Schuh fotografiert. In einer Villa in Wuppertal steht ein Klavier in einer Ecke. Ein Château in der Nähe von Straßburg ist vor allem architektonisch interessant.

„Was ich mag, ist diese Symmetrie“, erklärt der ehemalige Selmer, der jetzt in Dortmund lebt. „Ich fotografiere gerne Architektur.“

Martin Fürth (39) fotografiert gern verlassene Orte. Dort entstehen faszinierende Aufnahmen.

Martin Fürth (39) fotografiert gern verlassene Orte. Dort entstehen faszinierende Aufnahmen. © Martina Niehaus

Bei der sogenannten „Lost Places“-Fotografie sind Gleichgesinnte allein oder in kleinen Gruppen unterwegs. Sie erkunden verlassene Häuser, Industriebauten oder Schlösser. Manchmal gibt es untereinander regelrechte Wettbewerbe.

Martin Fürth ist dabei oft mit Marius Weczerra unterwegs, der in der Stadtverwaltung als Hausmeister tätig ist. „Wir nehmen dann mehrmals im Jahr gemeinsam ein paar Tage Urlaub, dann geht s wieder auf die nächste Tour“, erklärt Weczerra.

„Wir nehmen nichts mit und wir zerstören nichts“

Von „verschlossenen Türen, die Martin Fürth für seine Fotos wieder öffnet“ spricht auch Jutta Röttger, die für den Bereich Kultur zuständige Dezernentin. Der Fotograf betont dabei, dass er zwar in leer stehende Gebäude einsteigt, aber niemals einbricht. „Wir nehmen nichts mit, wir verändern nichts, und wir zerstören nichts.“

Ausstellung mit Werken von Verena Lauber
  • Die nächste Ausstellung in der Galerie im Amtshaus wird Werke von Verena Lauber zeigen. Die Selmer Hobbykünstlerin arbeitet mit verschiedenen Materialien und Techniken. Angefangen hat sie mit kleinen Tierportraits in Bleistift, später kamen auch Pastelle und auch größere Werke hinzu.
  • Zur Ausstellungseröffnung am 5. Juni um 14 Uhr sind alle Interessierten eingeladen.

Andere nehmen da nicht so viel Rücksicht. „Oft, wenn ich einen Ort noch einmal besuche, gibt es große Vandalismusschäden. Es gibt auch Fotografen, die das Objekt nach dem Ablichten zerstören, um das Bild allein für sich zu haben. So etwas mache ich nicht.“

Einmal, erinnert er sich, sei eine Alarmanlage angegangen, als er im Keller eines verlassenen Studentenwohnheimes gewesen war. „Da waren wir ganz schnell wieder draußen“, sagt der Fotograf und lacht.

Dokumentation des fortschreitenden Verfalls

Martin Fürth besucht „seine“ Objekte gerne öfter. Dann dokumentiert er, wie weit der Verfall fortgeschritten ist. Wer sich für seine Bilder interessiert, kann sie noch bis zum 23. Mai in der Galerie im Amtshaus Bork, 1. Etage im Altbau, Adenauerplatz 2, betrachten.

Die Öffnungszeiten der Stadtverwaltung
  • Montags und dienstags ist das Amtshaus von 8:30 bis 12:30 Uhr und von 14 bis 15:30 Uhr geöffnet.
  • Mittwochs und freitags kann man es von 8:30 bis 12:30 Uhr besuchen.
  • Donnerstags ist die Verwaltung von 8:30 bis 12:30 Uhr und nachmittags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.
  • Samstags und sonntags ist geschlossen.
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