Frust über die Baustelle: Unbekannte gehen mit einem Gürtel auf Bauarbeiter los

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Mit einem Gürtel sind zwei Unbekannte am Montag auf Bauarbeiter der Kreisstraßen-Baustelle losgegangen. Der Grund war offenbar der Frust über die Absperrung.

Selm

, 26.02.2019, 17:58 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Frust über die Baustelle an der Kreisstraße hat am Montag einen neuen Höhepunkt erreicht: Zwei Männer sind, einer bewaffnet mit einem Gürtel, auf die Bauarbeiter losgegangen. Das bestätigt die Polizei auf Anfrage der Redaktion.

Am späten Nachmittag – gegen 17 Uhr – habe es an der Baustelle zunächst ein Wortgefecht gegeben. Der Grund: Zwei Männern wollten nicht die ausgeschilderte Umleitung für Fußgänger nutzen, sondern durch die Baustelle gehen. Als sie einfach den Bauzaun öffneten, wiesen die Bauarbeiter sie darauf hin, dass das nicht ginge. „Es kam dann zu einem Gerangel“, sagt Polizeisprecherin Vera Howanietz und bestätigt auch, dass einer der Männer dabei versuchte, mit einem Gürtel nach den Bauarbeitern zu schlagen.

Augenzeuge: „Ich habe sofort die Polizei gerufen“

Sandro Schmidt (25) war Zeuge dieses Vorfalls: „Meine Mutter wohnt direkt in der Baustelle, gegenüber von Rüschkamp“, sagt er im Gespräch mit der Redaktion.

Er war Montagnachmittag zu Besuch bei ihr und hörte vom Wohnzimmer aus das Geschrei auf der Baustelle. „Ich bin dann auf den Balkon gegangen und habe gesehen, dass zwei Männer die Bauarbeiter angepöbelt haben“, erklärt er. Auch dass sie schließlich die Absperrung auseinanderrissen, und - einer mit Gürtel - auf die Bauarbeiter losgingen, beobachtete er. „Ich habe sofort die Polizei angerufen“, sagt er. Eine Reaktion, die Vera Howanietz als genau richtig beschreibt.

Aber nicht nur das: Als die zwei unbekannten Männer die Flucht ergriffen, nahm Sandro Schmidt zusammen mit den Bauarbeitern die Verfolgung auf. „Aber sie müssen unterwegs irgendwie telefoniert haben“, sagt er einen Tag später. In Höhe der Hagenstraße stiegen sie dann nämlich in ein schwarzes Auto, das kurz vorher vorgefahren war.

Polizei: Ermittlungen laufen

Die Kennzeichen, die sich die Verfolger gemerkt haben, liegen jetzt bei der Polizei. „Es gibt allerdings mehrere Versionen“, so Vera Howanietz. Und auch eine Anzeige hat einer der Bauarbeiter aufgegeben. Es wurde zwar niemand ernsthaft verletzt, sagt die Polizeisprecherin, allerdings habe der Gürtel einen der Bauarbeiter leicht an der Schulter getroffen - was durchaus eine schwere Verletzung hätte verursachen können. Die Polizei nahm so eine Anzeige wegen versuchter schwerer Körperverletzung auf. Die Ermittlungen laufen, so die Polizeisprecherin.

Unverständnis über den Gewaltausbruch

„Das geht auch einfach nicht. Die Bauarbeiter dort machen doch auch nur ihre Arbeit“, sagt Sandro Schmidt - mit reichlich Unverständnis für den Gewaltausbruch der beiden Fußgänger.

Zu dem Vorfall hat sich in der Facebook-Gruppe „Was in Selm passiert“ eine Diskussion entspannt, in der viele die gleichen Worte finden wie Sandro Schmidt. „Das geht gar nicht“ oder „unmöglich“, kommentieren die Facebook-Nutzer.

Was allerdings auch eine Rolle spielt bei der Diskussion ist die Situation, vor die Anwohner und Anlieger an der Kreisstraße gerade gestellt werden. Ein „Zumutung“ sei das, sagt beispielsweise eine Userin. Die Durchfahrt der Baustelle ist derzeit auch für Fußgänger und Radfahrer gesperrt - eine Umleitung außen rum über die Buddenbergstraße und dann über den Schäpershof ist ausgeschildert. Der Weg dauert natürlich länger als der direkte. Auch das ist ein Grund, warum die Stadt Selm als Planerin der Baustelle in der Facebook-Gruppe kritisiert wird.

Stadt bittet darum, die Baustelle nicht zu betreten

Auf Anfrage der Redaktion sagt Malte Woesmann dazu: „Der jetzige Umstand, dass einige Häuser zurzeit nur zu Fuß erreicht werden können, ist uns bewusst. Wir versuchen, die Bauzeit so kurz wie möglich zu halten. Dies gelingt aber nur, wenn die ausführende Firma bei ihren Arbeiten nicht durch Fußgänger und Radfahrer, die durch die Baustelle laufen oder fahren, behindert wird.“ Dazu sei es wohl häufiger gekommen - am Montagnachmittag dann im Extremfall mit den Angriff auf die Bauarbeiter. „Wir bitten um Verständnis, dass die Baustelle nicht betreten werden darf. Eine Alternative, ohne die Baustelle deutlich zu verlängern und die Kosten zu steigern, ist nicht möglich“, so Malte Woesmann.

Die Stadt, so erklärt er weiter, habe natürlich Kenntnis von dem Vorfall. „Wir bedauern, dass es zu so einem Vorfall gekommen ist. Als Konsequenz sind Mitarbeiter des Ordnungsamtes am Dienstag vor Ort gewesen, um auf die Situation an der Baustelle und die Umleitung aufmerksam zu machen. Auch in den kommenden Tagen wird es vor Ort Kontrollen geben“, sagt er.

„Beeinträchtigung rechtfertigt in keinster Weise einen Angriff“

Konkrete Beschwerden von Anwohnern habe es bei der Stadt noch nicht gegeben. „Im Gespräch mit Mitarbeitern der Stadt zeigten sich die meisten Anwohner verständnisvoll“, sagt Malte Woesmann. Dennoch ist auch die Stadt sich bewusst, dass die Situation im Moment nicht optimal ist. „Wir beabsichtigen, so schnell wie möglich die Bauarbeiten zu beenden beziehungsweise den Weg für Fußgänger und Radfahrer zu öffnen. Da viele Arbeiten wetterabhängig sind, kann eine genaue Zeitangabe nicht gemacht werden“, so der Stadtsprecher.

Kein Verständnis zeigt er allerdings gegenüber den bislang unbekannten Tätern vom Vorfall am Montag. „Eine Beeinträchtigung durch eine Baustelle rechtfertigt in keinster Weise einen Angriff auf einen Bauarbeiter, der auch für die Selmer Bürgerinnen und Bürger vor Ort seine Arbeit leistet, damit die Baustelle so schnell wie möglich beendet werden kann.“

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