Ein Blickfang, der sich abhebt von der benachbarten Bebauung: das alte Gärtnerhaus in Bork. © Matthias Stachelhaus
Bauvorhaben

Gärtnerhaus in Bork: Eigentümer hat neue Pläne mit dem alten Gebäude

Lange stand das alte Gärtnerhaus in Bork zum Verkauf, ohne dass jemand zugegriffen hätte. Als es dann tatsächlich den Besitzer gewechselt hatte, fielen dessen Pläne durch. Jetzt gibt es neue.

Tiefes Walmdach, runder Haustürbogen, weißer Putz und Vorgarten: Das Häuschen an der Netteberger Straße ist ein Blickfang. Nicht nur wegen seiner Gestaltung, sondern auch wegen seiner Lage: ganz am Ende des ehemaligen Parks, den vor mehr als 100 Jahren Eugen Wiskott anlegen ließ, der Gründer und Direktor der Steinkohlebergwerks Hermann, das Selm von Grund auf veränderte – in unterschiedliche Richtungen.

Bergwerksdirektor hatte Haus und Park errichten lassen

Die Zeche hatte Selm fast über Nacht vom kleinen Acker-Dorf zur rasant wachsenden Industrie-Stadt katapultiert. Ihr plötzliches Aus warf die Menschen 1926 ins Elend. Ein dramatisches Auf und Ab, das noch Jahrzehnte nachwirken sollte. Das Gärtnerhaus ist ein Mosaikstein der Erinnerung an diese Zeit. Es kündet von dem einstigen Aufschwung. Inzwischen hat es aber selbst schon die besten Zeiten hinter sich.

Um es fit zu machen für die Ansprüche an eine moderne Nutzung, sind umfangreiche Renovierungsarbeiten nötig. Die scheuten Interessenten offenbar. Obwohl das Haus zum Verkauf stand, griff lange niemand zu. Und der, der es schließlich tat, sah eher Potenzial im Grundstück als im Haus, das darauf steht.

Vier Doppelhaushälften geplant

Er überplante die Fläche mit vier Doppelhaushälften: ein Vorhaben, das die Stadtverwaltung im Mai 2020 dem Stadtplanungsausschuss vorstellte – aber wenig Beifall fand. Zwar waren sich alle einig, dass zwei Häuser mit je zwei Wohneinheiten besser seien als ein Mehrfamilienhaus mit 20 Wohneinheiten, wie es zuvor ein Interessent vorgeschlagen hatte. Dennoch blieben Zweifel. Die führten jetzt beim aktuellen Eigentümer zu einem Umdenken.

„Wir möchten das Gebäude erhalten und mit der Historie behutsam umgehen. Dies wurde durch das rege Interesse der Bevölkerung an dem Gebäude deutlich“, sagt Dominic Reitmayer. Er ist Inhaber des Architekturbüros „Architekten A & B“ in Hattingen und unterhält unter anderem für seine Bauprojekte auch ein Unternehmen in Lünen, wo er selbst auch wohnt. Die Baukunst vor 100 Jahren habe ihren Charme, den er gerne erhalten wolle – mit einem architektonischen Brückenschlag in die Gegenwart.

Gläserne Verbindung zum Neubau

Geplant sei jetzt eine gläserne Verbreiterung, die hinüberleitet zu einem modernen Ergänzungsbau: ein Kompromiss, um beide Interessen unter einen Hut zu bekommen: den Wunsch nach Erhalt des historischen Gebäudes und zeitgenössischer Architektur sowie einer wirtschaftlichen Ausnutzung des Grundstücks.

Wie viele Wohneinheiten entstehen sollen und wie die Aufteilung erfolgen soll, lässt Reitmayer zu diesem Zeitpunkt noch offen. Es gebe verschiedene Ideen , die sein Büro der Baubehörde habe zukommen lassen, sagt er. Dabei ginge es um Varianten von Wohnen und Dienstleistungen im Bereich Gesundheit/Medizin.

Dass das Haus, in dem ursprünglich einmal der Gärtner des Bergbaudirektors mit seiner Familie wohnte, erhalten werden müsse, stimmt nicht, sagt Reitmayer. Die Denkmalbehörde habe das geprüft, aber verworfen. Zu erhalten, statt abzureißen, sei seine eigene Entscheidung.

Austausch mit der Forstbehörde

Nicht nur mit der Denkmal-, sondern auch mit der Forstbehörde steht der neue Eigentümer im engen Austausch. Dabei geht es um die Gestaltung des Übergangs zum städtischen Wäldchen hinter dem alten Festplatz. Die Fällarbeiten auf dem Grundstück waren notwendig und sind beendet. Weitere Eingriffe seien seinerseits nicht nötig, sagt Reitmayer. Aber da vertraue er dem Rat der Forstbehörde. Reitmayers Ziel: Nicht noch Mehr Zeit verlieren. „Mein Wunsch ist es, in diesem Jahr zu beginnen.“

Das alte Gärtnerhaus an der Netteberger Straße. Die Tannen auf dem Grundstück waren Ende Februar gefällt worden. © Matthias Stachelhaus © Matthias Stachelhaus

Schräg gegenüber geht es ebenfalls in diesem Jahr los – allerdings noch nicht mit Baggern und Bauarbeitern, sondern mit Verträgen: Die Vermarktung des Neubaugebietes Neuenkamp rund um Einkaufszentrum am Lidl beginnt. Wo jetzt noch Ackerland ist, wird ein sieben Hektar großes Baugebiet entstehen.

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Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe

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