Die Ricke und ihr kleines Rehkitz fühlen sich in dem hohen Gras sicher. © Günther Goldstein

Gefahr Mähen: Wie Rehkitze vorzeitig gerettet werden können

Wer ganz viel Glück hat, sieht sie fröhlich durchs hohe Gras hüpfen: Rehe und ihre Kitze. Sobald aber gemäht wird, wird aus dem Schutzraum der Wiesen eine große Gefahr für die scheuen Tiere.

Mit Beginn des guten Wetters startet eine gefährliche Zeit für Rehe und ihren kleinen Nachwuchs: Die Kitze werden im Mai und Juni geboren und von ihren Müttern ins hohe Gras der Wiesen gesetzt. Dort sind sie zwar vor natürlichen Feinden geschützt, sobald das Wetter aber trockener wird, bahnt sich eine ganz andere Gefahr an: das Mähen.

Nach Angaben der Rehkitzrettung Buchen sterben beim Mähen deutschlandweit rund 100.000 Kitze jährlich.

Schaden für viele Wild- und Nutztiere

Das landwirtschaftliche Lohnunternehmen Lindfeld hat in diesem Frühjahr schon viele kleine Flächen in Selm-Bork bereits vom hohen Gras befreit. Heinrich Lindfeld weiß um die Gefahr beim Mähen für die Wildtiere. Aber auch die Nutztiere, die später in ihrem Heu tierische Überreste haben, werden davon krank.

Damit das Mähen den Rehkitzen nicht zum Verhängnis wird, werden einige Vorkehrungen getroffen. © Peter Werth © Peter Werth

Zum Schutz der Tiere arbeiten viele Bauern deshalb mit dem Hegering Selm zusammen. Die Landwirte melden sich ein paar Tage vorm geplanten Mähen und der Verein kümmert sich um den Schutz der Rehkitze.

Plastiktüten als Lebensretter für Rehkitze

„Sehr oft werden noch nach dem alten Prinzip Plastiktüten an Stöcken in den Wiesen befestigt. Das Rascheln und Flattern stört die Ricken. Sie fiepen nach ihren Kitzen und diese verlassen die Wiese. Das ist eine sehr effektive Methode, die allerdings recht viel Zeit in Anspruch nimmt“, erklärt Lena Wiewer, Schriftführerin vom Hegering Selm.

Außerdem können sogenannten Wildretter helfen. Die kleinen Elektrogeräte schlagen die Tiere durch akustische Geräusche in die Flucht. Allerdings wirkt diese Methode nicht, wenn sie direkt beim Mähen angewandt wird, da die Rehkitze nicht schnell genug fliehen können.

Die Ricke ist immer wachsam, damit ihren Kitz auch ja nichts passiert. © Günther Goldstein © Günther Goldstein

Aber der Zeitabstand darf auch nicht zu groß sein, wie Lohnunternehmer Lindfeld weiß: „Sonst kommen die Tiere wieder zurück.“ Zudem sei es wichtig, vor dem Mähen immer die Umgebung zu beobachten: Steht eine Ricke am Rand der Wiese ist das ein starker Hinweis darauf, dass sie ihr Kitz dort versteckt hat.

Rehkitze auf keinen Fall direkt berühren

Wenn ein Kitz ausfindig gemacht wurde, ist es sehr wichtig, das Tier nicht mit bloßen Händen anzufassen. Nimmt ein Kitz nämlich den Geruch von Menschen an, stößt seine Mutter es ab. „Deshalb locken wir es mit Gras und transportieren es dann in einer Wanne oder einem Kübel an einen sicheren Ort, wo die Mutter es durch Fiepen wiederfindet“, erklärt Wiewel.

Die Drohne als moderne Alternative

Der Hegering Selm überlegt momentan, bei dem Schutz der Kitze in Zukunft auch auf Technik zu setzten – genauer auf Drohnen mit Wärmebildkamera. Diese sollen über die Felder fliegen und die kleinen Kitze auffinden. Eine solche Drohne kann zwischen fünf- und siebentausend Euro kosten.

Der Bund fördert aktuell den Einsatz der Drohnen zum Wildschutz und übernimmt 60 Prozent des Preises, wenn der Verein noch bis September diesen Jahres einen Antrag stellt.

Fröhlich hüpft das kleine Rehkitz durchs hohen Gras. © Günther Goldstein © Günther Goldstein

„Aktuell kommt der Rat wegen Corona nicht zusammen, deshalb werden wir die Drohnen diese Saison noch nicht einsetzten“, sagt Lena Wiewel, „Und wir müssen mit den Mitgliedern darüber sprechen, ob Leute bereit wären, einen Drohnenführerschein zu machen und sich entweder als Flieger oder als Helfer beim Retten zu beteiligen.“

Jagdhunde helfen bei der Suche

Der Hegering geht außerdem die Felder vorm Mähen mit ihren Jagdhunden ab, wenn die Bauern sie vorher informieren. Der Verein bietet auch Hundekurse zur Jagdhundausbildung an. Die Hunde wittern dann die Rehkitze und so können die Kleinen gerettet werden. Das klappt aber auch nicht immer, da die Kitze nur sehr wenig Witterung haben.

Landwirte, die die Hilfe gerne in Anspruch nehmen wollen, können sich bei Bernhard und Klemens Wiewel melden und Auskunft darüber kriegen, ob ihr Grundstück im Revier des Hegerings Selm liegt.

Anm. Wir hatten zunächst in diesem Artikel von der Gefahr durch den Mähdrescher gesprochen. Gemeint ist aber die Gefahr durch das Mähen des Grases das haben wir angepasst.

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