Gelbsucht rettet Leben

Ehepaar Klemp berichtet über ihre Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg

17.05.2007, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

?Ich habe noch überlegt, ihm nach meiner Gelbsucht nichts von meiner zusätzlichen Nierenbeckenentzündung zu erzählen?, führt er fort. Ein Glück für ihn, denn von seiner 1 200 Mann starken Infanterie-Division erlebten nur 50 das Kriegsende. Im Rahmen des Geschichtsunterrichts an der Olfener Gesamtschule lud Geschichtslehrerin Cordula Bahn-Delker das Ehepaar Klemp aus Recklinghausen in die Schule ein. ?Bei der Wahl der Zeitzeugen haben wir bewusst darauf geachtet, keine prominenten Zeugen des Widerstands einzuladen. Wir wollten den Schülern einen Blick aus ganz normaler Perspektive bieten?, sagt sie. Das Interesse der Schüler war groß. Themen wie das Leben als Schüler im Nationalsozialismus, in der Hitlerjugend und das Erleben der Nachkriegszeit waren die Themen, die die Schüler fesselten. Die heute 81-Jährige Ursula Klemp erlebte den zweiten Weltkrieg in Mülheim. ?Ich war ein nordischer Typ, im Rassenkunde-Unterricht wurde ich vor der Klasse vom Lehrer erklärt?, erzählt sie heute kopfschüttelnd. Ein Umstand, den sich die heutigen Schüler gar nicht vorstellen können. Auch, dass Ursula Klemp aufgrund ihres nordischen Rassetyps gefragt wurde, ob sie sich für den Verein Lebensborn als Mutter aufstellen lassen möchte ist für die Schülerinnen undenkbar. Von der Judenverfolgung und den Verladungen in Konzentrationslager haben die Klemps zur Zeit des Krieges nicht viel mitbekommen. ?Wir wussten, dass es Konzentrationslager gibt, uns wurde aber erzählt, dass dort Schwerverbrecher und Staatsfeinde gefangen waren?, erinnert sich Ursula Klemp ?die Nazis haben es meisterhaft verstanden, die tatsächlichen Umstände zu vertuschen.? Das meiste über die Umstände, die der Nationalsozialismus mit sich brachte, haben die Zeitzeugen erst nach dem Krieg über Bücher und im Fernsehen erfahren. ?Die Anti-Jüdische Haltung kam der Bevölkerung erst in der Reichskristallnacht in Erscheinung. Zuvor haben wir davon nicht viel mitbekommen?, beantwortet Walter Klemp die Frage einer Schülerin. In den zwei Schulstunden, in denen die Klemps zu Besuch in der Gesamtschule waren, wurden vom Beginn bis zum Ende des zweiten Weltkrieges alle Fragen der Schüler beantwortet und diskutiert. Abschließend fährt der Leistungskurs im Juni zur Gedenkstätte des Konzentrationslagers nach Sachsenhausen. Sophie Bissingen

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