Dass die Lippe-Brücke zwischen Vinnum und Waltrop neu gebaut werden muss, ist klar. Wann? Die Frage treibt die Vinnumer um. Wo läuft der Umleitungsverkehr her? Das bewegt die Borker.

Bork, Vinnum, Selm, Olfen

, 21.01.2020, 11:27 Uhr / Lesedauer: 4 min

Ein Thema, zwei verschiedene Sorgen in zwei verschiedenen Orten: Es geht um die Lippe-Brücke, die Verkehrsteilnehmern aus Richtung Vinnum die Passage zur Markfelder Straße Richtung Waltrop beziehungsweise Datteln ermöglicht - und umgekehrt. Diese Brücke ist marode. Eine Reparatur ist nicht möglich, sagen Experten. Also muss die Brücke abgerissen und dann neu gebaut werden.

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Klingt erstmal nicht ganz schwierig. Vollsperrung der Baustelle, Umleitung ausschildern, fertig. Möchte man meinen. Doch Zeitpunkt der Vollsperrung und Umleitungsstrecke bereiten den Menschen in Vinnum beziehungsweise in Bork Sorgen.

Die einen - die Vinnumer - fürchten, dass es einheilloses Chaos geben könnte, falls die Lippe-Brücke bei Vinnum gesperrt wird, während auch die Lippe-Brücke bei Ahsen auch noch nicht wieder frei gegeben ist. Für Pendler eine Situation, die einer Mausfalle gleicht.

Die anderen - die Borker - haben die Sorge, dass der Umleitungsverkehr, der durch die Sperrung der Lippe-Brücke bei Vinnum bedingt wäre, durch den Borker Ortskern führt. Der sei sowieso schon sehr belastet, heißt es.

Politiker fordern: Umleitung um den Borker Ortskern herum

Die gemeinsame Januar-Sitzung des Selmer Ausschusses für Stadtentwicklung, Verkehr und Wirtschaftsförderung sowie des Ausschusses für Umwelt und Zivilschutztes bot Wortbeiträge zu beiden Sorgenpunkten. Stichwort Umleitungsverkehr: Stefan Kühnhenrich (SPD) brachte das Thema in die Diskussion, forderte für seine Fraktion, dass die Stadt Selm dafür Sorge tragen müsse, dass der Verkehr aus Richtung Vinnum um den Ortskern herum geführt wird. Bevorzugte Strecke: Über die Bahnhofstraße und die Gutenbergstraße bis zur B 236.

Ampel B236/Gutenbergstraße ist eine Schwachstelle

Aber genau da - nämlich an der Kreuzung Gutenbergstraße /B 236 - sehen Borker Politiker Schwachstellen. So schlug Stefan Kühnhenrich vor, mit dem Kreis Unna über die Verbesserung in Sachen Ampelanlage dort zu sprechen.

Die Borker CDU hat schon in der Vergangenheit erklärt: „Vor allem Autofahrer müssen von der Nutzung der Bahnhof- und Gutenbergstraße bis zur Kreisstraße und umgekehrt überzeugt werden.“ Nach Ansicht der Ortsunion ist zu prüfen, ob die Bedarfsampel an der Einmündung Kreisstraße/Gutenbergstraße in eine ganz normale Ampelanlage umgewandelt werden kann.

Neubau der Lippe-Brücke in Vinnum weckt Sorgen über Staus und Verkehrschaos in Bork

Die Ampel Gutenbergstraße/B236 spielt womöglich eine große Rolle, wenn es um den Umleitungsverkehr von Vinnum an Bork vorbei geht. © Arndt Brede

Im September 2018 hatte die CDU-Ratsfraktion in Person ihres damaligen Vorsitzenden Dieter Kleinwächter einen Antrag in dieser Sache formuliert. Dort heißt es unter anderem: „Unabhängig von dem im Rahmen des Integrierten Handlungskonzeptes Bork zu erstellenden Verkehrskonzeptes hält es die CDU-Fraktion bereits heute für erforderlich, Lenkungsmaßnahmen zur Entlastung des Borker Ortskerns vom Durchgangsverkehr zu planen und auch umzusetzen.

Der Durchgangsverkehr hat in der letzten Zeit erheblich zugenommen. Eine weitere Zunahme ist durch den geplanten Abriss und Neubau der Lippe-Brücke am Dahler Holz zu erwarten. Ziel sollte es sein, dass der Durchgangsverkehr über die Gutenbergstraße geleitet wird und eine entsprechende Attraktivität dazu beiträgt, dass die Verkehrsteilnehmer diese Strecke nutzen. Eine entscheidende Rolle spielt hierbei die Anbindung der Gutenbergstraße an die B 236.“

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Wie Selms Bürgermeister Mario Löhr erklärt, seien erste Gespräche in Sachen Verbesserung der Ampelanlage Gutenbergstraße/B 236 mit dem Kreis Unna bereits geführt worden. Die Stadt sehe die Notwendigkeit, bereits im Vorfeld der Sperrung der Lippe-Brücke Vinnum diese Ampelanlage zu verbessern, teilt Stadtsprecher Malte Woesmann mit.

Aus Bedarfsampel wird Drei-Seiten-Ampel

Wie die jetzige Bedarfsampel künftig aussehen solle, erklärt der Stadtsprecher auf Anfrage so: „Es wird eine Drei-Seiten-Ampel installiert. Sämtliche Straßenäste werden erfasst. Dies wird kombiniert mit Anforderungskontakten, sodass der Verkehr aus der Gutenbergstraße insbesondere zu Stoßzeiten geregelt und gefahrlos abfließen kann.“

Mit dem Kreis Unna habe die Stadt bereits gesprochen. „Überwiegend besteht jedoch der Kontakt zu Straßen.NRW als Straßenbaulastträger der B236“, so Woesmann. Auf die Frage, ob der Kreis Unna die Aufrüstung der Ampel bezahlen müsste, antwortet Malte Woesmann: „Über eine Kostenverteilung ist noch nicht verhandelt worden. Regelmäßig ist es so, dass die Straßenbaulastträger, hier Bund und Kreis, beteiligt werden.“

Hat die Stadt einen Eigenanteil zu entrichten? Wenn ja, wie hoch ist der?

„Dies werden die konkreten Verhandlungen mit den Straßenbaulastträgern zeigen“, berichtet Woesmann.

Neue Ampel kommt 2020

Gibt es womöglich schon einen Zeitplan für die Verbesserung dieser Ampel? Wenn ja: Wie sieht er aus? Darauf teilt Malte Woesmann mit: „Die Ampelanlage soll noch 2020 umgebaut werden. Wann Baustart ist, ist offen.“

Im Gespräch ist ja auch, dass die Ampeln an der Waltroper Straße zum LAFP Bork und an der Selmer Straße/Markfelder Straße auf Waltroper Gebiet verbessert werden müssten, um den Umleitungsverkehr wegen der Lippe-Brücke-Sperrung in Vinnum besser aufnehmen zu können. Ist die Stadt Selm da auch im Boot? Die Antwort des Selmer Stadtsprechers: „Beabsichtigt ist, diese Aspekte im nächsten Städtebaugespräch mit Straßen.NRW zu thematisieren. Ein Termin dafür steht noch nicht fest.“

Dezernent: Neubau der Lippe-Brücke Ende 2021/Anfang 2022 fertig

Während die Borker sich also Sorgen um zu viel Autoverkehr im Ortskern machen, haben die Vinnumer ganz andere Sorgen. Dass die Lippe-Brücken Ahsen und Vinnum gleichzeitig gesperrt werden könnten.

Doch in dieser Angelegenheit weiß Selms Dezernent für Bauen und Ordnungsangelegenheiten, Stefan Schwager, Neues. In der gemeinsamen Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Verkehr und Wirtschaftsförderung sowie des Ausschusses für Umwelt und Zivilschutz erklärte er, dass das Planfeststellungsverfahren für den Neubau der Lippe-Brücke Vinnum derzeit laufe.

Mit einem Bau der neuen Brücke sei 2022 zu rechnen. Bis dahin, so schätzt Schwager, ist der Neubau der Lippe-Brücke Ahsen abgeschlossen. Das sei für Ende 2021/Anfang 2022 vorgesehen.

So sehen die Planungen für die Lippe-Brücke Vinnum aus:

  • Aus der einspurigen Brücke mit Ampelanlage wird eine zweispurige.
  • Die Einschränkung von zwölf Tonnen für den LKW-Verkehr wird aufgehoben.
  • Die Brücke wird breiter und länger, sie soll den Fluss bei Hochwasser nicht einengen.
  • Zudem erhält sie einen Radweg von 2,50 Meter Breite.
  • 800 Meter neue Straße liegen auf dem Kreisgebiet Unna, 400 Meter auf Recklinghäuser Gebiet. Die Kosten für die Baumaßnahme sind auf 7,55 Millionen Euro veranschlagt, 4,7 Millionen davon für die neue Stahlbogen-Brücke.

    Was vor allem die Vinnumer Bürger umtreibt, ist zudem, dass mit der möglichen Verwirklichung des Gewerbeparks NewPark der Verkehr durch den kleinen Ort immens zunehmen und die Aufnahmekapazitäten der Straßen an ihre Grenzen bringen könnte. Neben einer Verbesserung der Kreisstraße K2 nach Vinnum ist deshalb ein Kreisverkehr an der Kreuzung Hauptstraße/Borker Straße geplant. Er soll helfen, den Verkehr besser zu leiten.
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