Junger Mann aus Selm (23) soll im Supermarkt Waren mitgenommen haben

mlzGerichtsprozess

Sie hatten Hunger und das Geld reichte nicht aus. Also entschieden sich drei junge Männer, ihr Essen einfach zu klauen. Ein 23-jähriger Selmer stand nun vor dem Lüner Amtsgericht.

von Sylvia Mönnig

Selm

, 23.01.2020, 13:33 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mitte Januar vergangenen Jahres verschlug es das Trio nach Hamm und dort in einen Supermarkt. Die beiden Begleiter des Selmers hatten jeweils fünf Euro dabei. Doch das, was sie an Lebensmitteln haben wollten, überstieg ihr Budget offenbar deutlich.

Außerdem waren die gesondert verfolgten Freunde des 23-Jährigen augenscheinlich doch gar nicht gewillt, ihr letztes Geld zu investieren. So entstand der Plan, die gewünschte Ware in eine Tüte, einen Einkaufskorb und einen Rucksack zu packen und damit den Kassenbereich ohne Bezahlung zu passieren.

Bei den Ermittlungen tauchte Name des Selmers auf

Dem Kassierer erklärten sie dabei, dass alles bereits bezahlt sei. Danach gaben sie Fersengeld und der Mitarbeiter konnte nur einen der von ihnen festhalten. In seiner Tasche befanden sich Lebensmittel für 14,53 Euro. Im Verlauf der Ermittlungen tauchte dann auch der Name des Selmers auf.

Im Oktober befasste sich das Amtsgericht Lünen zum ersten Mal mit seinem Fall. Er bestritt jede Beteiligung und versicherte, das Geschäft vor seinen Begleitern verlassen zu haben, mit dem Diebstahl also nichts zu tun zu haben.

Anschrift eines Mittäters war nicht zu ermitteln

Das Verfahren wurde daraufhin ausgesetzt und nun neu aufgerollt. Geplant war die Befragung von drei Zeugen – den beiden gesondert Verfolgten und dem Kassierer. Letzterer stand allerdings allein auf weiter Flur.

Die Anschrift eines Mittäters konnte nicht ermittelt werden und deshalb konnte er auch nicht geladen werden. Der Zweite im Bunde fehlte unentschuldigt und soll daher auch 150 Euro Ordnungsgeld zahlen.

Supermarkt-Mitabeiter widerspricht dem Angeklagten

Der Angeklagte selbst blieb bei seiner ursprünglichen Version. Die Aussage des Supermarkt-Mitarbeiters und die Angaben der gesondert Verfolgten bei der Polizei widerlegten seine Einlassung jedoch.

So erklärten die Mittäter damals bei der polizeilichen Vernehmung, dass sie alle drei klauen wollten.

Und der Kassierer versicherte wiederum, dass in dem Moment drei Männer an ihm vorbeigegangen seien und jeder von ihnen etwas in der Hand gehalten habe – den Einkaufskorb, die Tüte oder den Rucksack.

Letzte Warnung des Richters an den Angeklagten

Weder der Vertreter der Anklage noch der Richter hatten letztlich Zweifel an der Beteiligung des Selmers an dem gemeinschaftlichen Diebstahl, werteten seine Angaben vielmehr als reine Schutzbehauptung.

Der 23-Jährige, der strafrechtlich bereits in Erscheinung getreten war, wurde zu 700 Euro Geldstrafe verurteilt. Eine weitere Straftat, so die Warnung des Richters, könne durchaus mit einer Freiheitsstrafe enden. sam

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