Kurioser Diebstahl: Selmer (33) zog vier Hosen übereinander

mlzGerichtsprozess

Drogensucht ließ einen 33-jährigen Selmer in alte Muster fallen. Er stahl Kleidung und wurde bei zwei Schwarzfahrten mit der Bahn erwischt. Das kostet den Wiederholungstäter die Freiheit.

von Sylvia Mönnig

Selm

, 11.01.2020, 16:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Ehe des 33-jährigen Selmers scheiterte, er verlor den Boden unter den Füßen, suchte Trost im Heroin und geriet ab 2018 immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt. Eine laufende Bewährung konnte ihn nicht beeindrucken. Vielmehr stellte er sich, was seinen Bewährungshelfer betraf, regelrecht tot, reagierte auf keinen Kontaktversuch. Die Drogen führten Regie in seinem Leben.

Bei Ladendiebstahl erwischt

Und in dieser Situation, in der er auch immer mehr Geld für Stoff benötigte, kam es am 20. April zur ersten aktuellen Straftat. In der Selmer Filiale einer Modekette trug er drei Jogginghosen für jeweils 79,99 Euro in eine Umkleidekabine, biss an einer das Sicherungsetikett ab, zog sie unter seiner eigenen Hose an und wollte so das Geschäft verlassen. Zwei Verkäuferinnen deuteten die Schatten hinter dem Vorhang und die verdächtigen Geräusche richtig. Sie stellten ihn.

Das hielt den 33-Jährigen aber nicht davon ab, Ende April und Anfang September ohne Ticket mit Zügen im Bereich Dortmund unterwegs zu sein. Er geriet in beiden Fällen in Kontrollen.

Alle drei Vorwürfe räumte der Selmer nun vor dem Amtsgericht Lünen ein. Die Jogginghose habe er verkaufen wollen, um mit dem Erlös Heroin zu finanzieren. Bei der einen Schwarzfahrt sei er auf dem Weg gewesen, sich neue Drogen zu beschaffen und beim anderen Mal habe er einen Bekannten besucht. Und für die Fahrkarten habe er einfach kein Geld gehabt.

Zurzeit im Methadon-Programm

Er brachte es schließlich selbst auf den Punkt: „Ja, ich habe Scheiße gebaut. Scheiß Drogen.“ Nun, nach einer Entgiftung, befinde er sich im Methadon-Programm.

Doch neben diesem Aspekt war das offene Geständnis im Prinzip der einzige Punkt, der für ihn sprach. Das Negative überwog schlicht und ergreifend. So blieb seinem Bewährungshelfer nichts anderes übrig, als mit sichtlichem Bedauern zu äußern: „Ich kenne ihn ja noch nicht einmal.“

Hinzu kamen die zahlreichen Vorbelastungen des Angeklagten, der derzeit ersatzweise eine unbezahlte Geldstrafe absitzen muss. Von der laufenden Bewährung zur Tatzeit und dem rasanten Rückfalltempo ganz zu schweigen.

Keine positive Sozialprognose

Eine positive Sozialprognose konnte das Gericht unter den Umständen nicht sehen. Und genau das sorgte für ein bitteres Ende. Der Selmer wurde zu vier Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. Weitere Folge: Damit droht dem 33-Jährigen nun auch der Widerruf der alten Bewährungsstrafe.

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