Gerichtsverhandlung: Selmer soll Polizistin fast über den Fuß gefahren sein

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Nach einer Verkehrskontrolle soll ein Selmer einer Polizistin im Wegfahren beinahe über den Fuß gefahren sein. Sagt sie. Er sieht das aber anders. In einem Punkt waren sich die beiden einig.

von Sylvia Mönnig

Selm

, 23.11.2019, 14:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Stoppschild, das er zu schnell hinter sich ließ, bescherte einem Selmer in Lünen eine Begegnung mit der Polizei. Am Ende sollte er so abrupt losgefahren sein, dass die Beamtin ihren Fuß gerade noch retten konnte. Das bestritt er nun aber.

Zwei Polizeibeamte waren am 16. Januar im Bereich der Kurt-Schumacher-Straße damit beschäftigt, Autofahrer mit Blick auf das besagte Stoppschild zu kontrollieren. Der 54-Jährige aus Selm fiel ihnen sofort auf. Entweder ignorierte er das Schild komplett oder er wartete nicht lange genug.

Die Polizistin stoppte den Mann und verhängte ein Bußgeld. Die Zahlungsaufforderung, so der Vorwurf der Beamtin in der von ihr erstatteten Anzeige, hielt er kaum in den Händen, als er Gas gab. So wäre er ihr, hätte sie nicht schnell genug reagiert, über den Fuß gefahren.

„Aus allen Wolken gefallen“

Doch das wollte der Selmer nicht auf sich sitzen lassen, als er sich am Freitag wegen Straßenverkehrsgefährdung vor dem Amtsgericht Lünen verantworten sollte. Sein Protest begann bereits bei dem Stoppschild. Sicherlich habe er angehalten – aber offenbar nicht lang genug.

Das habe die Polizistin anders gesehen, aber für zehn Euro habe er nicht mit ihr diskutieren wollen. Ja, als sie ihm seine Papiere und den Zahlschein übergeben habe, habe er die Scheibe vor ihrer Nase hochgemacht und das sei sicherlich nicht höflich gewesen. Aber sie habe auf dem Gehweg und nicht auf der Straße gestanden. Zumal er gar nicht hätte wegrasen können, weil sich durch die Kontrolle ein Stau gebildet und er noch zwei Wagen vorbeigelassen habe. Und dafür gebe es auch einen Zeugen, der zufällig in diesem Stau gestanden habe. „Ich bin aus allen Wolken gefallen, als die Anzeige kam“, erinnerte sich der 54-Jährige.

„Gerade noch zurückspringen“

Die Beamtin wurde gehört und sie betonte: „Ich konnte gerade noch zurückspringen und die Hand rausziehen.“ Sie sei davon überzeugt, dass etwas passiert wäre, wenn sie nicht zurückgewichen wäre. Allerdings fehlte ihr die detaillierte Erinnerung. So konnte sie nun nicht mehr sagen, ob sie mit beiden Füßen oder nur mit einem Fuß auf der Fahrbahn gestanden habe. Und bereits bei der Anzeige und einer Anhörung war einmal die Rede vom rechten und dann vom linken Fuß. Sie würde sich ja nicht irgendwas ausdenken, versicherte sie in dem Kontext. In einem Punkt waren sich die Zeugin und der Selmer allerdings einig: Höflich sei das Gespräch nicht gewesen.

Die Richterin äußerte schließlich mit Blick auf die Angaben der Zeugin: „Ist ein bisschen dünn, was da in Erinnerung geblieben ist.“ Das sah der Vertreter der Staatsanwaltschaft ähnlich. Unter diesen Umständen wurde das Verfahren gegen den Selmer eingestellt – und zwar ohne Auflagen.

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