„Es geht um unsere Existenzen“: Geschäftsleute in Selm in Sorge über die Corona-Maßnahmen

mlzCoronavirus

Dürfen Einzelhändler ihre Geschäfte eigentlich noch öffnen? Kunden haben nach den neusten Meldungen zu Corona-Maßnahmen am Dienstag viele Fragen. Und auch die Händler sind verunsichert.

Selm

, 17.03.2020, 11:54 Uhr / Lesedauer: 2 min

Welche Geschäfte dürfen eigentlich noch öffnen? Die Verunsicherung nach dem neusten Erlass des Landes NRW ist gerade groß bei den Kunden in Selm. „Und nicht nur bei den Kunden“, sagt Nicole Reuter. Sie ist Sprecherin der Geschäftsleute der Selmer Altstadt, wo - wie auch in auf der Kreisstraße beispielsweise - am Dienstagvormittag (17. März) noch alle Einzelhändler wie gewohnt geöffnet haben.

Und das, obwohl die Bundesregierung und die Länder am Montag verkündet haben, dass als Maßnahme gegen das sich immer weiter ausbreitende Coronavirus nur noch Lebens- und Futtermittelhändler, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Tankstellen, Banken, Poststellen, Großhändler oder Baumärkte geöffnet haben dürfen. Alle Einzelhändler, die nicht darunter fallen, sollen schließen.

Geschäftsleute verunsichert

Ab wann diese Regelung gilt? „Da steht bei uns allen gerade noch ein großes Fragezeichen“, sagt Nicole Reuter, die das Second-Hand-Geschäft Mondeule betreibt und zum Familienbetrieb des Haushaltswarengeschäfts Knümann gehört, am Dienstagvormittag.

Sicher ist sie sich hingegen, dass die Geschäftsschließungen für alle Einzelhändler in den zumeist eher kleinen, eigentümergeführten Läden der Altstadt ein Riesenproblem werden. „Wir sind alle sehr besorgt, es geht um unsere Existenzen“, sagt Nicole Reuter.

Lieferservice wäre eine Möglichkeit

Am Montag, so erzählt sie, haben die Händler sich noch beraten, Ideen entwickelt, wie sie gut durch die Coronazeit kommen können. Das Spielzeuggeschäft Spielen und Träumen von Elisabeth Sandmann beispielsweise bietet schon seit Beginn der Woche einen Lieferservice an. Man kann sich dort telefonisch beraten lassen, die Waren werden dann nach Hause geliefert. „Wir haben auch überlegt, ob wir Online-Foren einrichten, über die Kunden bei uns bestellen können. Oder eben ob wir Beratung telefonisch anbieten oder die Kunden uns anschreiben und wir dann nach Hause liefern. Aber da ist immer noch die Frage offen: Dürfen wird das? Wir wissen es gerade nicht“, so Nicole Reuter.

Am Dienstagnachmittag erklärte sie, dass sie gerade „von Stunde zu Stunde“ schauen, wie es weitergeht. Am Abend sollte der schriftliche Beschluss veröffentlicht werden, der den Einzelhändlern hoffentlich etwas mehr Klarheit bringt. „Wir müssen da echt auf den Wortlaut warten“, so Nicole Reuter. Sie ging aber am Dienstag schon davon aus, dass sie ihren Second-Hand-Laden ab Mittwoch schließen wird. Ähnlich ginge es Bekleidungsgeschäften, Deko- und Spielzeugläden: Also solchen Einzelhandelsgeschäften, die sich sicher sein können, dass sie vom Schließungsbeschluss betroffen sind.

„Wir sind alle sehr besorgt, es geht um unsere Existenzen.“
Nicole Reuter, Sprecherin der Altstadt

Für Knümann stehe aus ihrer Sicht aber beispielsweise nicht wirklich fest, unter welche Kategorie das Geschäft fällt. „Wir stehen irgendwie dazwischen. Wir sind ja schon so eine Art Baumarkt“, sagt sie und erhofft sich vom Wortlaut des schriftlichen Beschlusses mehr Klarheit.

Die Situation sei wirklich ernst, erklärt sie weiter. Gerade zum Frühjahr laufe das Geschäft an. Der Verlust, der durch eine Schließung entsteht, sei groß. „Das kriegen wir über das Jahr nicht wieder rein. Die Großen können das vielleicht noch irgendwie auffangen. Für uns wird es schwer“, sagt sie.

Lesen Sie jetzt