Giftiges Glyphosat ist schon länger ein Tabu in Selm: Ungepflegtere Grünflächen als Folge?

mlzÖffentliche Grünflächen

Aktuell beschweren sich immer häufiger Anwohner über ungepflegte Grünflächen und unkontrolliert wachsendes Unkraut. Hängt das mit dem Glyphosat-Verzicht der Stadt Selm zusammen?

Selm

, 02.08.2019, 17:29 Uhr / Lesedauer: 2 min

In der letzten Zeit häuften sich in unserer Redaktion Beschwerden von Lesern über ungepflegte Grünflächen in ihrer Nachbarschaft. Gibt es da einen Zusammenhang mit dem Verzicht der Stadt auf das Unkrautbekämpfungsmittel Glyphosat?

Schon seit dem 1. November 2015 verzichtet die Stadt bei ihrer Grünflächenpflege auf Glyphosat, welches in vielen Unkrautbekämpfungsmitteln enthalten ist. Grund für den Verzicht war ein Antrag der Grünen, in dem sie auf die möglichen gesundheitlichen Folgen des Wirkstoffs hinwiesen.

Neues Pflegekonzept ohne Glyphosat

Denn Glyphosat steht seit Längerem im Verdacht, krebserregend zu sein. Daher verwendet die Stadt das Mittel nun nicht mehr. Auch heute ist der Stoff noch „ein absolutes Tabu“, erklärt Holger Leidorf von den Stadtwerken. Doch das macht die Grünflächenpflege nicht unbedingt einfacher.

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Laut Malte Woesmann, Pressesprecher der Stadt Selm, sind die Stadtwerke „zu einem Verfahren übergegangen, das häufigere und damit personalintensivere Pflegegänge, eine kontinuierliche Flächenumgestaltung sowie reduzierten Einsatz weniger umweltschädigender Herbizide als Grundlage hat“.

Wer ist für welche Flächen zuständig?

Doch nicht um alle Grünflächen müssen sich die Stadtwerke kümmern. Für Gehwege, erklärt er, sind die Anwohner selbst verantwortlich. „Für öffentliche Grünflächen zwischen Fahrbahn und Gehweg sind die Stadtwerke zuständig“. So auch bei einem Fall am Anne-Frank-Ring, wo sich ein Anwohner, der nicht genannt werden möchte, über eine Grünfläche vor seinem Grundstück beschwerte.

Giftiges Glyphosat ist schon länger ein Tabu in Selm: Ungepflegtere Grünflächen als Folge?

Um Gehwege müssen sich Anwohner selber kümmern. Für öffentliche Grünflächen zwischen diesen Wegen und der Straße sind allerdings die Stadtwerke zuständig. © Pascal Albert

„Es gab Zeiten, in denen es zweimal im Jahr gemacht wurde.“ Irgendwann seien die Arbeiten dann „kommentarlos auf einmal pro Jahr reduziert“ worden. Und später sei dann, nach seinem Empfinden, gar nichts mehr oder eben nur noch sporadisch gemacht worden.

23 Mitarbeiter kümmern sich um Selmer Grünflächen

Ein Grund dafür könnte der Verzicht auf Glyphosat sein. Denn dadurch sei nicht überall „mit dem gleichen Pflegeergebnis wie bei der Verwendung von Glyphosat zu rechnen“, erklärt Malte Woesmann. Und das obwohl sowohl die Kosten als auch das Personal der Stadtwerke erhöht wurden.

Aktuell arbeiten bei den Selmer Stadtwerken inklusive Aushilfen 91 Beschäftigte. Alleine 23 von ihnen sind nur für den Bereich der Grünflächenpflege zuständig. Sechs weitere kümmern sich um die Pflege der Friedhöfe.

Im Fall des Anne-Frank-Rings versprach die Stadt eine schnelle Besserung. Tatsächlich wurde das Unkraut nun bereits entfernt. Und auch die Büsche kommen jetzt deutlich schlanker und kürzer daher.

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