Theo Bleckmann aus Bork hat längst eine internationale Karriere gemacht als Jazz-Sänger. Jetzt hat der Wahl-New-Yorker seine zweite Grammy-Nominierung bekommen. © Lynne Harty
Jazz-Musiker

Grammy für Theo Bleckmann? Borker Musiker in New York ist nominiert

Der Grammy gilt als höchste internationale Auszeichnung für Musiker. Für 2021 sind nicht nur Beyoncé und Taylor Swift nominiert, sondern auch Theo Bleckmann aus Bork.

Das Corona-Jahr 2020 hat es für Theo Bleckmann (54) in sich gehabt: abgesagte Konzerte und stornierte Reisen am laufenden Band, Lockdown, Sperrstunde, Trump. „Eine einzige Durststrecke“, sagt der gebürtige Borker, der seit 31 Jahren in New York lebt und dort als Jazz-Sänger, Komponist und Hochschullehrer arbeitet. Der 31. Januar 2021 könnte die Stimmung aufhellen. Dann ist Theo Bleckmann für den Grammy nominiert.

Warum er gar nicht böse ist, dass dieses Mal wegen Corona die große Show ausfallen muss, was seine neuen Projekte sind und wie sehr er den Tag herbei sehnt, an dem Trump aus dem Weißen Haus auszieht, erzählt Bleckmann, der einstige Solosänger im Borker Kinderchor.

Song der Bee Gees im neuen Gewand

„Songs you like a lot“ ist der Titel des nominierten Albums: eine Live-Produktion von John Hollenbeck in Zusammenarbeit mit den Sängern Theo Bleckmann und Kate McGarry, dem Pianisten Gary Versace und der hr-Bigband. Zuschauer hatten im Internet ihre Lieblingslieder genannt: darunter so bekannte Pop-Songs wie „How deep is your love?“ von den Bee Gees, und „Don’t give up“ von Peter Gabriel. 20 Stücke haben die Jazz-Musiker neu arrangiert und aufgenommen.

Dass dieses Wiederhören und Neuhören bekannter Hits eine Grammy-Nominierung einbrachte – nach 2010 bereits Bleckmanns zweite -, sei „nach diesem absoluten Crash von 2020 ein wunderbares Geschenk: Vielleicht ein Zeichen dass es bald weitergehen wird.“ Von der Nominierung hat er im Live-Stream erfahren. Die Verleihung wird ebenfalls nur online stattfinden können. Das habe auch Vorteile, meint Bleckmann. „Ich war bei meiner ersten Grammy-Nominierung in 2010 in Los Angeles“, erinnert er sich. Die sechsstündige Show empfand er als „eine Tortur“. Kürzer wird es jetzt wohl auch nicht werden. „Aber wenn man zuhause zuschaut, kann man wenigstens zwischendurch auch mal was essen.“

„Trump hat das Land fast zugrunde gerichtet“

Wenn es um das politisch-soziale Klima in seiner Wahlheimat geht, vergeht Bleckmann das Scherzen. „Was diese vier Jahre alles kaputt gemacht haben, ist haarsträubend“, sagt er mit Blick auf Trumps Präsidentschaft. Der habe das Land fast zu Grunde gerichtet, „eine Katastrophe“. Auch wenn der Weg aus der sozialen Spaltung noch lang sei, „Ich bekomme langsam wieder Hoffnung. Sehr langsam.“

Bleckmanns neues Album „This Land“ mit den Bläserinnen und Bläsern von „The Westerlies“ , das am 29. Januar erscheinen wird, lässt die zuletzt bedrückende Atmosphäre spüren: „Es sind Songs der Flüchtlinge und des Widerstandes, und dennoch zart und mit einer Poesie, die man sonst nicht damit verbindet“, sagt Bleckmann. Zwei Lieder sind bereits vorab als Singles erschienen.

Die Tour, um das Album bekannt zu machen, musste ausfallen. Jede andere ebenfalls, zuletzt auch ein großes Weihnachtskonzert in Helsinki mit Big Band. „Meine letzte Tour in 2020 war in Mexico und endete am 27. Februar“, sagt Bleckmann. Anfang März sollte er an der Jazzhochschule in Berkley unterrichten, wo er bereits seit mehreren Jahren Gastdozent ist. „Das haben wir dann am Tag vorher noch abgesagt.“

Noch nie New York so leise erlebt

Lockdown und Ausgangssperre ließen ihn seine geliebte „liberale und kosmopolitische Insel“ in den USA ganz neu erleben: „Die Stadt war so leer, wie man es sich kaum vorstellen kann. Diese Stille plötzlich – schön und gleichzeitig unheimlich.“ Sie ließ ihn noch intensiver spüren, was ihn und seine Mitmenschen bedrückte: die Proteste für Black Lives Matter, bei denen er oft mitmarschiert ist und zugleich die Isolierung voneinander aufgrund von Covid. „Da hinterfragt man erstmal den Sinn und die Motivation, überhaupt Musik zu machen.“

Aus der Sinnkrise haben ihn Studentinnen und Studenten gerettet. Sie kamen im Juni auf ihn zu und drängten ihn, per Zoom zu unterrichten. „Der Vorteil ist ,dass ich nun Sänger aus aller Welt regelmäßig unterrichten kann“. Als dann im September das Herbstsemester an der Manhattan School of Music anfing, wo er seit 2007 Dozent für Jazz-Gesang ist, „war plötzlich mein Stundenplan voll. Meine Mutter Mathilde hat sich immer gewünscht dass ich auch Lehrer werde, und das bin ich jetzt erstmal, bis es dann wieder weiter geht.“

Staatliche Unterstützung für leidende Musiker-Kollegen fehlt

Anderen Künstlern geht es deutlich schlechter. „Bei der jetzigen politischen Lage in den USA herrscht einfach ein Chaos und Durcheinander ohne Ende“, schimpft er. Der Staat kümmere sich nicht um die Musikerinnen und Musiker in der Krise und sichere sie nicht ab.

Dass möglichst bald Corona besiegt wird, ist Bleckmanns Wunsch für 2021. Und dass sich die Konzertsäle wieder öffnen. Ohne Publikum zu spielen, sei kein Ersatz. „Der Musiker braucht den Hörer, der Hörer die Musik. Es geht um die gemeinsame Zeit in einem Konzertsaal, die wir teilen „ – Gerne wieder ab Mai. Dann hat er Konzerte in der Schweiz geplant. „Vielleicht ist ja ein Abstecher nach Bork dann endlich möglich.“

Zuletzt war er dort Ende April 2019. Das Haus seiner verstorbenen Mutter am Kirchplatz bleibt ihm künftig verschlossen: sein Refugium. Ganz sind die Kontakte aber nicht abgebrochen: „Zum Glück bin ich noch mit Frau Eva Tröder in regelmäßigem Telefonkontakt. Sie ist eine engen Freundin meiner Mutter und mir und hält mich immer auf dem Laufenden. Über Bork und Langhammers leckere Brötchen.“

Über die Autorin
Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe

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