Auch Hausärzte in Selm steigen nach Ostern beim Impfen gegen Corona mit ein. Zunächst gibt es aber nur wenig Impfstoff. © Arndt Brede
Coronavirus

Hausärzte in Selm starten in dieser Woche mit Impfungen in Praxen

Impfungen gegen das Coronavirus wird es ab dieser Woche auch in Hausarztpraxen in Selm geben. Impfstoff gibt es zum Start nur wenig. Ärzte bitten um Geduld und kritisieren die Politik.

In der Woche nach Ostern sollen die ersten Impfungen gegen Corona auch in Selmer Hausarztpraxen starten. Zunächst steht allerdings nur wenig Impfstoff zur Verfügung. So sollen etwa in der Praxis von Dr. Michael Stockmann am Mittwoch, 7. April, wie vorab angekündigt, 20 Impfdosen des Herstellers Biontech geliefert werden. „Wir verwalten hier einen Mangel“, sagt der Hausarzt im Gespräch mit der Redaktion am Dienstag (6.4.).

Ähnlich sieht es auch in der Praxis von Dr. Matthias Schröder in Selm-Bork aus. Hier sind diese Woche 30 Impfdosen von Biontech angekündigt. Die Telefone bei den beiden Hausärzten standen am Dienstag nicht still. „Ich habe eine große Liste und die wird immer länger“, sagt Schröder dazu. Denn auch für Hausärzte gilt: Die Impfungen müssen nach Priorität vergeben werden, die von der Bundesregierung festgelegt wurde. Ganz oben auf der Liste (Höchste Priorität) stehen Menschen über 80. „In der nächsten Woche werde ich erst einmal übers Land fahren und alle Bettlägerigen versorgen“, erklärt Stockmann. Die Gruppe „Ü80“ sei zwar nicht mehr die größte in Selm, aber die Menge an Impfstoff eben sehr begrenzt.

Danach sind Personen der Impfgruppe 2 an der Reihe, darunter Menschen über 70 und jüngere mit Vorerkrankungen – etwa Krebs oder Lungenerkrankungen. Das könne auch bedeuten, dass ein 45-jähriger mit Krebs vor einem gesunden 60-Jährigen geimpft wird.

In Praxis melden und auf Rückruf warten

Grundsätzlich gelte: Impfwillige sollten sich in den Praxen melden. Sie werden dann auf eine Liste gesetzt. Sobald Impfstoff zur Verfügung steht, melden sich die Hausärzte bei den Patienten. Wie viel Impfstoff in der kommenden Woche zur Verfügung steht, sollen die Ärzte in Selm immer Mitte der Woche davor erfahren. Stockmann empfiehlt Patienten zusätzlich, auch einen Termin im Impfzentrum zu machen.

Für das kommende Wochenende (10./11.4.) ist darüber hinaus eine einmalige zusätzliche Lieferung von 38 Impfdosen von Astrazeneca pro Praxis in Selm angekündigt. „Diesen Impfstoff hat die Stadt Selm zur Verimpfung vom Kreis Unna zur Verfügung gestellt bekommen“, teilt die Stadt am Dienstag (6.4.) mit. Auch hier gilt: Die Arztpraxen nehmen Kontakt mit ihren Patienten für einen Termin auf. Verimpft werden soll der Impfstoff an Menschen über 60. Im Laufe der kommenden Woche, wie Schröder gegenüber unserer Redaktion erklärt.

„Ich bin froh und erleichtert, dass wir nun wohnortnah gleich mehrere Impfangebote machen können“, erklärt Bürgermeister Thomas Orlowski. „Die Hausärzte wissen am besten Bescheid, welche ihrer Patienten die Impfungen am nötigsten haben.“ Er danke den Ärzten für das in den vergangenen Monaten gezeigte Engagement. „Auch die Impfungen am Osterwochenende im Bürgerhaus sind dank der Selmer Ärzteschaft und deren Teams reibungslos verlaufen. Dort konnten weitere 180 Menschen mit Vorerkrankungen geimpft werden.“

Ärzte kritisieren Kommunikation der Politik

Kritik übt Stockmann an der Kommunikation der Landespolitik rund um das Impfen. „Es heißt da immer: ‚Wenden sie sich an ihren Hausarzt.‘ Es muss aber auch heißen: „Wir haben einen Notstand und auch die Hausärzte müssen sich an die Priorität halten.‘“

Schröder ärgert sich außerdem darüber, dass Patienten mit Attesten von seiner Praxis, die eine Impfpriortiät hätten, im Impfzentrum abgewiesen wurden. Es habe dort geheißen: „Das macht jetzt der Hausarzt.“ Für Schröder heißt das: „Meine Liste wird immer länger und größer.“ Ein besseres Miteinander sei da wünschenswert.

Auch hätte er sich gewünscht, dass Hausärzte schon seit Januar mit impfen. Es kam bekanntermaßen anders. Genauso hätte Deutschland von Beginn an mehr Impfstoff ordern müssen. Jetzt heißt es weiter: Geduld haben.

Über den Autor
Beruflicher Quereinsteiger und Liebhaber von tief schwarzem Humor. Manchmal mit sehr eigenem Blick auf das Geschehen. Großer Hang zu Zahlen, Statistiken und Datenbanken, wenn sie denn aussagekräftig sind. Ein Überbleibsel aus meinem Leben als Laborant und Techniker. Immer für ein gutes und/oder kritisches Gespräch zu haben.
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Matthias Stachelhaus

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