Herausragend: Vier Wohnhäuser treten die Nachfolge der Lutherschule an

mlzLutherquartier

Zustimmung von allen politischen Seiten: mal mit heller Begeisterung, mal mit zweifelnder Zurückhaltung. Das Bauvorhaben Lutherquartier hat im Ausschuss die erste Hürde genommen.

Selm

, 02.02.2019, 15:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Herausragend. Das ist kein Jubelruf, sondern eine nüchterne Beschreibung für die vier Mehrfamilienhäuser, die die Unnaer Kreis- Bau- und Siedlungsgesellschaft (UKBS) auf dem leer geräumten Gelände der abgerissenen Lutherschule errichten will. Mit einem Meter ragt das Kellergeschoss der Häuser aus dem Boden. Architekt Axel Knappstein will die vier Gebäude bewusst auf einen Sockel stellen. „Wir könnten darauf verzichten“, sagt er am Donnerstagabend im Bürgerhaus, „aber so sehe ich darin eine Erinnerung an den alten Schulstandort“.

Die 1912 errichtete Lutherschule hatte die Zechenhäuser, die sich entlang des Lutherwegs, der Schul- und der Körnerstraße reihen, stets überragt. In Erinnerung daran, soll auch das neue Wohnensemble, das Mehrgenerationenwohnen ermöglichen will, die höchste Bebauung am Platz sein – allerdings nicht so hoch wie in einem ersten Entwurf.

Zweiter Anlauf für die Planer

Nach dem Schock, dass die UKBS die Lutherschule – anders als vier Jahre zuvor vertraglich zugesichert – doch abreißen will und darf, folgte im vergangenen Jahr gleich der nächste: der Entwurf für den Neubau, der bei Verwaltung und Politik gleichermaßen durchfiel. Zu groß, zu massig – ein Fremdkörper in Beifang. Der neue Entwurf ist um ein Geschoss niedriger: „Das ist so deutlich besser“ sagt am Donnerstagabend während der Sondersitzung des Planungsausschusses Bürgermeister Mario Löhr – und trifft damit, was auch die Vertreter der Fraktionen empfinden, mehr oder weniger.

Das sagen die Politiker

„Das ist richtig gut“ sagt Hans-Jürgen Walter ((SPD). „Hat unsere volle Zustimmung“, bekräftigt Wolfgang Völxen (CDU). Marion Küpper von den Grünen weist zwar auf die Kritik von Martin Diller hin. Der Anwohner des Lutherwegs, der bislang auf den Schulhof blickte und künftig gegen eine hohe Wand, hatte angekündigt, notfalls gegen eine Baugenehmigung zu klagen. Ihr selbst, sagt Küpper, gefalle aber der Entwurf, insbesondere auch der Sockel. Der inzwischen parteilose Werner Sell lobt die „klare Verbesserung gegenüber dem ersten Entwurf“, mahnt aber an, „den Mietpreis von 7,50 Euro nicht aus den Augen zu verlieren“. Hubert Seier (UWG) weist dagegen drauf hin, dass sich seine Fraktion uneins sei in der Beurteilung des Bauvorhabens, „mehrheitlich können wir das aber mittragen. Der Fraktionsvorsitzende Dieter Kleinwächter fasst das so zusammen: „Ich habe keinen Widerspruch gehört.“ Und an die Adresse des UKBS: „Auf der Basis dieses Konzepts können sie sich auf den Weg machen zum Bebauungsplan. Bevor sie den einreichen, stellen sie ihn aber noch dem Ausschuss vor.“

„Reaktion auf die Belange der Anwohner“

Was auf dem Gelände der ehemaligen Schule passieren wird, heißt in der Fachsprache „städtebauliche Nachverdichtung“ „Das ist immer ein Kompromiss“, sagt der Bürgermeister. Die Stadt und die Grundstückseigentümerin UKBS hätten versucht, „so gut wie möglich auf alle Belange der Anwohner zu reagieren“. So hatte sich Löhr statt eines langen Gebäudekörpers an der Körnerstraße für zwei Häuser dort ausgesprochen. Eines davon rückt dadurch zwar näher an das Nachbarhaus, aber die Einfahrt in die Tiefgarage unter dem gesamten Gebäudekomplex kann so zwischen den beiden Gebäuden platziert werden. Ein Anwohner hatte Sorge, ansonsten durch das Öffnen und Schließen der Garagentore gestört zu werden.

Warum die Schule ins Quartier passt

Passt das Lutherquartier zu Selm? Auf diese Frage kommt Architekt Axel Knappstein regelrecht ins Schwärmen und spricht von einer „großen Schlüssigkeit“, einer „Komplettierung der Stadt“, der „Vervollständigung der Selmer Typologie“. Mit einfacheren Worten: Die vier geplanten Häuser greifen auf, was es schon im Selmer Stadtbild prägend gibt: traufständige Häuser, mit klaren, schnörkellosen Fassaden, stehenden Fenstern und aufgeschobenen Dachaufbauten, die nicht vorspringen, „sogenannte Zwerchhäuser“.

„Bäume müssen leider weg“

Von der Kreisstraße durch die Gasse kommend werde der Gast einen ansprechenden Gebäudekomplex sehen mit einem halböffentlichen Innenhof, in den fünf Stufen führen. Knappstein kündigt viel Grün und verwinkelte Gassen im Hof an: „Das, was wir schön und einladend empfinden“. Die alten Linden auf dem Schulgelände seien aber nicht Teil des Plans: „Die müssen leider weg, sonst klappt das mit der Tiefgarage nicht.“

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