„Hier wird ein Berufsstand zerstört“: Selmer Fotograf erzürnt über Vorschlag zu Passfotos

mlzBiometrische Passbilder

Sollen Passfotos bald nur noch von Behörden gemacht werden? Ein Vorschlag des Bundesinnenministeriums sieht genau das vor. Für den Selmer Fotografen Klaus Mischke wäre das existenzbedrohend.

Selm

, 26.01.2020, 07:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Klaus Mischke (62) nimmt kein Blatt vor den Mund: „Hier wird systematisch ein Berufsstand zerstört“, sagt der Selmer Fotograf mit Meistertitel. Es geht um den Vorstoß des Bundesinnenministeriums, dass ab 2022 alle biometrischen Porträtfotos für Ausweisdokumente nicht mehr von Fotografen, sondern direkt in einer der 5500 Pass- und Ausweisbehörden erstellt werden müssen.

Heißt konkret: Ginge es nach dem Innenministerium, dann dürfen bald in Fotostudios wie dem von Klaus Mischke keine Passfotos mehr für Ausweise oder Pässe gemacht werden. Auch, wenn hinter der Kamera ein professioneller Fotograf mit jahrzehntelanger Erfahrung wie der 62-jährige Selmer steht.

2004: Abschaffung der Meisterpflicht für Fotografen

Mischke sieht in dem Vorstoß des Innenministeriums nur einen weiteren Stein, der seinem Berufsstand in den Weg geworfen wird. Eine erste sei die Entscheidung gewesen, die Meisterpflicht für Fotografen zu kippen. Aus seiner Sicht ein herber Schlag gegen gelernte Fotografen. 2004 entschied die rot-grüne Regierungskoalition, die Meisterpflicht für verschiedene Handwerksberufe zu reduzieren, um der hohen Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken.

Für das Fotografie-Handwerk habe das in der Folge bedeutet, dass sich „viele Amateure selbstständig gemacht haben“, wie Mischke beschreibt. Zu dieser Zeit war die Fotografiebranche bereits aufgerüttelt durch dien Siegeszug der Digitalfotografie.

Konkurrenz und riesiger Preisdruck

Auf einmal sei eine große Konkurrenz entstanden, die - so sieht es der Selmer Fotograf - qualitativ zwar nicht mit gelernten Fotografen mithalten konnten, aber über den Preis einen unwahrscheinlichen Druck auf Meisterbetriebe wie seinen ausüben konnten.

Mittlerweile sei die Konkurrenz noch weiter zerfasert. „Hochzeitsfotografie, Werbefotografie“ seien nur zwei Beispiele: Jeder habe mittlerweile eine Digitalkamera oder ein Smartphone zur Hand und „knipse“ bei Anlässen, die früher ein professioneller Fotograf begleitet hätte.

Fotobox im Borker Amtshaus bedeutete heftigen Einbruch für Mischke

Einen ersten, drastischen Einbruch bei den Passfotos hat Mischke persönlich bereits 2012 erlebt. Nach einer längeren Auszeit aus Krankheitsgründen sei er darauf aufmerksam geworden, dass in der Zwischenzeit im Borker Amtshaus ein Passfotoautomat aufgestellt wurde. Auf Nachfrage habe man ihm versichert, dass die Einbußen für Mischke „nicht so groß sein werden“. Seine persönliche Auswertung habe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen Einbruch von 50 Prozent bei den Passfotos ergeben.

Neben Studio-, Hochzeits- und Werbefotografie sind Passfotos ein wichtiges Standbein für den 62-Jährigen. Etwa 30 bis 40 Prozent wurden solche Aufträge ausmachen.

Ministerium ist bereits zurückgerudert

Mischke kann sich auch nicht vorstellen, wie das Gesetz in der Praxis aussehen würde. Wie sollen biometrische Fotos von Kleinkindern oder pflegebedürftigen Senioren in einer Fotobox entstehen?, fragt der Fotograf, der den Beruf seit 1974 ausübt.

Das Innenministerium wollte mit dem Vorschlag Bildmanipulationen bei Passbildern vorbeugen. Mittlerweile hat Bundesinnenminister Horst Seehofer eingelenkt. Im Gespräch mit der Deutschen Presseagentur (dpa) erklärte Seehofer, Bürger sollten in Zukunft die Wahl bekommen, ob sie Passfotos bei der Behörde oder in einem Fotostudio machen lassen.

Kritik kam zuvor bundesweit, unter anderem von Berufsverbänden. Der Zentralverband Deutscher Berufsfotografen rechnet dem Bundesinnenminister in einem Schreiben vor, dass der Umsatzverlust für die Branche rund 100 Millionen Euro betrage.

Berthold Schröder, Präsident der Handwerkskammer Dortmund macht in einer Pressemitteilung deutlich: „Die Pläne der Bundesregierung sind für viele kleine und mittlere Unternehmen existenzbedrohend.“ Eine Einschätzung, der Klaus Mischke voll zustimmt.

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