Die Auswirkungen des Klimawandels sind schon jetzt spürbar. Dr. Heinrich Schulze Altcappenberg und Marco Adamek erklären, wie sich die Natur-Extreme auf den Forst rund um Bork auswirken.

Bork

, 17.11.2019, 12:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die deutlichen Veränderungen der Wettererscheinungen in den vergangenen Jahren hinterlassen zunehmend Spuren in der Natur. Welche konkreten Auswirkungen Trockenperioden, Extremtemperaturen und Stürme auf den heimischen Wald zum Beispiel haben zeigen Marco Adamek, Leiter Forstbetriebsbezirk Werne und zuständiger Praktiker für die Forstbetriebsgemeinschaft Lippe sowie Dr. Heinrich Schulze Altcappenberg, Besitzer der Waldflächen um seinen Hof in Bork-Hassel, auf.

„Ich bin jetzt seit 30 Jahren in diesem Gebiet tätig“ eröffnet Forstfachmann Adamek das Gespräch, „aber eine so schwierige Situation wie wir sie jetzt haben kannte ich bis dato nicht.“ Damit spricht er die tief greifenden Veränderungen in der natürlichen Waldgemeinschaft an, die ihm täglich an seiner Arbeitsstelle begegnen.

Waldfläche hat sich fast halbiert

Doch zunächst macht er einen Blick in die Vergangenheit. „Sehr viel früher werden wir hier rund 98 Prozent Wald an dieser Stelle gehabt haben, bevor der Mensch sie zu seiner Kulturlandschaft umgebaut hat“, stellt Adamek fest. Das kann Dr. Heinrich Schulze-Altcappenberg bei einem Blick in die Hofbücher ansatzweise bestätigen. „Der Hof hatte 1931 eine Fläche von 142 Hektar, davon waren 40 Hektar Acker, 30 Hektar Weiden und Wiesen und 70 Hektar Wald. Heute reden wir über 70 Hektar landwirtschaftliche Flächen und nur noch 40 Hektar Wald. Ein deutlicher Rückgang“.

Hof Schulze Altcappenberg: Der Klimawandel hinterlässt deutliche Spuren in den Wäldern

Die alten Buchen bilden normal ein recht dichtes Dach mit ihren starkbelaubten Kronen. Durch die extreme Hitze im Sommer und die fehlenden Niederschläge hätten sie aber viel Laub abgeworfen. © Günther Goldstein

Während der Wald vor Jahrzehnten mit dem „sauren Regen“ zu kämpfen hatte, verursacht durch die Emissionen der Schwerindustrie im Ruhrgebiet, so setzen jetzt die Wetterveränderungen den Bäumen zu. „Die Fichte können wir ganz vergessen“, sagt Adamek, „aber die hat hier höchstens zwei Prozent ausgemacht und gehört auch eigentlich nicht hier her.

Was mir aber richtig Sorgen bereitet sind die Buchen“, berichtet er sichtbar mitgenommen. Der Cappenberger Boden sei eigentlich ein idealer Standort für diese Baumart, schon immer. Deshalb seien Buchenmischwälder hier auch zu Hause.

Dank hartnäckigem Einsatz wieder natürliche Verjüngung bei den Buchen

„Aber es tut mir in der Seele weh, wenn ich jetzt stattliche alte Buchen vertrocknen sehe“. Dabei war der Forstspezialist gerade sehr froh, dass es ihm mit hartnäckigem Einsatz gelungen war, in seinem Beritt wieder eine natürliche Verjüngung bei den Buchen hinzubekommen.

Jetzt lesen

„Ich habe hier im Bestand Buchenflächen wo die Bäume in zwei bis drei Höhenetagen anzutreffen sind“. Das war vor einigen Jahrzehnten trotz aller Versuche nicht gelungen. Man mache sich nun die Abläufe der Natur zunutze, was das Gegenteil von unserer Ordnung bedeutet.

Extreme Hitze und wenig Niederschlag sind problematisch

Die alten Buchen bilden normal ein recht dichtes Dach mit ihren starkbelaubten Kronen. Durch die extreme Hitze im Sommer und die fehlenden Niederschläge hätten sie aber viel Laub abgeworfen. Dadurch wäre die empfindliche dünne Rinde der Bäume den starken Sonnenstrahlen ausgesetzt gewesen was viele Buchen nicht verkraftet hätten.

Hof Schulze Altcappenberg: Der Klimawandel hinterlässt deutliche Spuren in den Wäldern

Eigentlich endet die Vegetationszeit bei den Buchen Ende September. Aber durch den Regen in den letzten Wochen hätten die Bäume zum Teil sogar noch Blätter nachgeschoben um Reserven zu bilden. © Günther Goldstein

„Diese schlimme Entwicklung können wir auf einem breiten Streifen vom Rheinland bis nach Thüringen feststellen“, erzählt Adamek. Gerade jetzt können wir noch eine Besonderheit feststellen. Eigentlich endet die Vegetationszeit bei den Buchen Ende September. Aber durch den Regen in den letzten Wochen hätten die Bäume zum Teil sogar noch Blätter nachgeschoben um Reserven zu bilden. „Das hat uns einen goldenen November beschert wie man sehen kann“.

„Wichtige Antwort auf den Anstieg des CO2“

„Unsere Wälder sind eine wichtige Antwort auf den Anstieg des CO2 in der Atmosphäre und bedürfen deswegen der besonderen Pflege und des Bestandschutzes. Aber sie sind natürlich auch für ihre Besitzer ein wirtschaftliches Gut“. Deshalb sei es für ihn wichtig, Stabilität in der Waldgemeinschaft zu erzeugen. „Wir müssen die Buchenbestände beobachten wie sie mit den Veränderungen zurechtkommen“, sagt Adamek mit Blick auf die nächsten Jahre.

Jetzt lesen

Und das unter der Prämisse, dass die Forstwirtschaft eine Sache von Generationen ist. „Sollten die Probleme zunehmen müsse man auf andere Baumarten ausweichen, etwa Eichen, die unter diesen Voraussetzungen bessere Überlebenschancen haben“.

Preise auf dem Holzmarkt fallen

Das ruft nun Waldbesitzer Schulze-Altcappenberg auf den Plan. „Wenn wir bei den Buchen von gut 100 Jahren sprechen bis sie zur Wertschöpfung werden, verlängert die Eiche diesen Zeitraum erheblich“. Marco Adamek pflichtet ihm bei „ die Waldbauern sind unmittelbar von den klimatischen Veränderungen betroffen und bräuchten Unterstützung“. Es gibt auch deutliche Auswirkungen auf den Holzmarkt, wo etwa die Preise durch das Absterben der Fichten fallen.

„Die ‚Modewälder‘ mit schnell wachsenden und nachgefragten Arten haben wir hier seit den 1990er Jahren schon zu 80 Prozent in natürliche Bestände umgewandelt. Aber jetzt scheint eine noch größere Aufgabe auf uns zuzukommen“, stellt der Forstpraktiker abschließend fest. „Wir müssen dringend handeln bevor die Sache ganz aus dem Ruder läuft“.

Lesen Sie jetzt