Für Firmen wie die Wüllhorst GmbH & Co. KG - hier Heinrich Wüllhorst bei der Vorführung des Abbiegeassistenten Marke Wüllhorst - ist das Home Office keine Option in der Coronakrise. © Arndt Brede (Archiv)
Home Office

Home Office in Coronazeiten: „Für viele ist es ein enormer Spagat“

Nach Beschluss des Bundes sollen Beschäftigte im Home Office arbeiten, wo immer es möglich ist. Eine Corona-Schutzmaßnahme, die nicht so einfach umsetzbar ist, findet ein Selmer Unternehmer.

Nach Beschluss des Bundes tritt am Mittwoch (27.1.) eine Corona-Arbeitsschutzverordnung in Kraft, die Unternehmen in Selm vor neue Herausforderungen stellt. Kern der Verordnung ist eine Home-Office-Pflicht, wo immer die Betriebe es ermöglichen können.

Hinzu kommen Verordnungen zu den Schutzmaßnahmen, die hinreichend bekannt sind, sowie eine festgesetzte Anzahl an Personen in einer Räumlichkeit – eine Person pro zehn Quadratmeter ist erlaubt. In Betrieben mit mehr als zehn Beschäftigten sollen Arbeitsgruppen etabliert werden. In logischer Konsequenz sind andere Bereiche, etwa der Verkauf im Lebensmitteleinzelhandel, von der Home-Office-Regelung nicht betroffen.

Home Office ist im Handwerksbetrieb keine Option

Auch in Handwerksbetrieben wie bei der Wüllhorst Fahrzeugbau GmbH in Selm ist Home Office keine Option. „Wir haben hier ein Tagesgeschäft. Das heißt, die Kunden kommen hierher, um mit uns über einen Auftrag zu sprechen“, sagt Heinrich Wüllhorst. Es sei für einen Handwerksbetrieb generell schwierig, die Arbeit nach Hause zu verlagern, denn es sei Präsenz gefragt, um mit den Kunden durchsprechen zu können, was getan werden soll.

Vor Ort sei es aber unproblematisch, Schutzmaßnahmen einzuhalten – „das einzige Problem, das ich sehe ist, dass Leute pendeln müssen, um zur Arbeit zu kommen. Unsere Mitarbeiter kommen aber alle mit dem PKW.“ Es sei wichtig, die Abstände zueinander zu halten und Masken zu tragen. Und Abstand können die Mitarbeiter des Betriebs Wüllhorst gut einhalten, denn erst vor zwei Jahren wurden die Hallen verdoppelt. „Jeder Mitarbeiter hat in den Hallen bis zu 50 Quadratmeter Platz für sich, Arbeit ist innen und außen möglich – es gibt genug Platz, um sich aus dem Weg zu gehen.“

Zudem sei der Kundenkontakt und das Miteinander enorm wichtig – und auch, einen Rückzugsort zu haben, an dem man sich auf die Arbeit konzentrieren kann. „Für viele Beschäftigte ist es ein enormer Spagat zwischen der Arbeit und den Aufgaben, die zuhause auf einen warten. Man kann nicht allgemein sagen, dass ein gewisser prozentualer Anteil an Personen ins Home Office muss.“

Stadtverwaltung: Home Office, wo immer möglich

Die andere Seite der Medaille stellt die Stadtverwaltung der Stadt Selm dar. „Dort, wo möglich, sind Mitarbeiter im Home Office und wechseln sich im Home-Office- und Präsenzbetrieb im Amtshaus ab“, sagt Pressesprecher Malte Woesmann. In jedem Büro darf nur noch eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter arbeiten. Falls es sich um ein Doppelbüro handelt, müsse jeweils eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter im Home Office arbeiten. Nach Lage der Infektion entscheide man, wie viele Personen im Home Office sind – „zurzeit ist die Regel, dass so viele Mitarbeiter wie möglich im Home Office arbeiten, ausreichend und angemessen.“

Auf diese Weise arbeiten zwei Drittel der 189 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von zuhause aus – davon arbeite regelmäßig mindestens ein Drittel auch wirklich im Home Office und nicht im Wechsel. Ein Drittel der Beschäftigten arbeite in Bereichen, die Präsenz erfordern, etwa der Hausmeister- und Reinigungsbetrieb sowie die Außendiensttätigkeit im Ordnungsamt und das Bürgerbüro, das zwingend Kundenkontakt vor Ort erfordere, so Woesmann.

Für die Stadt Selm ist der Home-Office-Betrieb keine neue Herausforderung, denn bereits im ersten Lockdown erfolgte eine Umstellung. „Auch nach Rückkehr in einen vermehrten Präsenzbetrieb im Sommer hatten viele Mitarbeiter weiter von zuhause gearbeitet. Eine entsprechende Dienstvereinbarung, die das Arbeiten im Home Office auch nach Corona regelt, ist vorbereitet.“ Auch aus Sicht der Digitalisierung ist die Verwaltung fortschrittlich. „Die Digitalisierung von Verwaltungsprozessen ist vor Jahren begonnen worden und wird konsequent weiter verfolgt.“

*Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels zitierten wir fälschlicher Weise Stephan Wüllhorst.

Über die Autorin
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Obwohl nicht in Dortmund geboren, bin ich doch eng mit dieser Perle des Ruhrpotts verbunden. Eine Stadt durch die Augen eines Journalisten kennenzulernen, das fasziniert mich. Seit Oktober 2017 arbeite ich für die Ruhrnachrichten und bin seit April 2020 Volontärin.
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Denise Felsch

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