Das ist die Straßenansicht des geplanten Hospizes, vom Dieselweg aus gesehen. Der Blick fällt in Richtung der Terrassen. Eine ruhige und dezent strukturierte Kalksandstein-Fassade ist vorgesehen. © Ludolf von Schenck
Stadtentwicklung

Hospiz in Bork: Nach sieben Jahren gibt es einen Termin für den Baustart

Das waren sieben lange Jahre der Vorbereitung: Werben, Klinkenputzen und immer wieder Spenden sammeln. Jetzt kann es losgehen. Ende des Jahres Beginnen die Bauarbeiten für das Hospiz.

Gemeinhin gilt das siebte Jahr als verflixt. Für Sylvia Dotzauer und ihr Team ist das anders. Im siebten Jahr wird in Erfüllung gehen, wofür das Team des Hospizvereins Zum Regenbogen von Anfang an gekämpft hat. Der Bau des Selmer Hospizes kann beginnen: ein Ort, an dem schwerstkranke Menschen in ihrer letzten Lebensphase Aufnahme finden, „damit sie bis zu ihrem Tod mit vielen ihrer eigenen Gewohnheiten in Würde leben können“, wie es Dotzauer sagt.

Ein Anliegen, das die Krankenschwester schon lange umtreibt: „Mich hat es immer belastet“, hatte Dotzauer schon im Mai 2014 anlässlich der Gründung des Vereins gesagt, „dass im Krankenhaus oft so wenig Zeit ist, die Sterbenden zu betreuen. Im Hospiz ist das anders.“ Für sie und ihre Mitstreiter und Mitstreiterinnen war das der Auslöser, sich auf den Weg zu machen, um gemeinsam die Lücke zu schließen.

Eine Achterbahnfahrt der Gefühle, bis das Geld zusammen war

Sie wusste, dass das ein langer Weg werden könnte. „Man sagt, von der Idee bis zur Umsetzung dauert es in der Regel fünf bis sieben Jahre“, sagt die Olfenerin, als sie am Donnerstag (10. 6.) im Stadtentwicklungsausschuss der Stadt Selm zu Gast ist. In diesem Fall hat es also sieben Jahre gedauert, Es gibt aber auch Beispiele, wo es nie gelang. Denn die Hürde ist hoch.

„Um von der Sparkasse den Kredit zu bekommen, brauchten wir zunächst ausreichend Spenden“, sagt Dotzauer. Mehr als drei Millionen Euro wird der Bau der Einrichtung kosten. 640.000 Euro hatte der Verein Ende 2020 zusammen – 200.000 Euro zu wenig. Der Aufruf, dass es jetzt um alles gehe, stieß aber auf offene Ohren. „Wir können Ende des Jahres bauen“, sagt sie. Dabei hatte es Anfang des Jahres noch eine Achterbahnfahrt der Gefühle gegeben. „Da waren uns Fördergelder weggebrochen.“ Sie habe schon verzweifeln wollen, „doch dann meldete sich ein Großspender.“

Zurzeit existieren innerhalb des Kreises Unna in Lünen, Unna und Schwerte stationäre Hospize. Im Kreis Coesfeld gibt es nur ein Hospiz: in Dülmen. In den Krankenhäusern in Lünen und Unna gibt es zudem Palliativstationen mit angegliederten Palliativnetzen sowie ambulante Hospizdienste mit engagierten ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, unter anderem die Hospizgruppe Selm-Olfen-Nordkirchen. Doch das reicht nicht.

Wachsender Bedarf auch durch immer mehr Singles

„Die Zahl der Singles ist auch bei uns deutlich gestiegen“, sagt Sylvia Dotzauer, die inzwischen Geschäftsführerin der im November gegründeten gemeinnützigen GmbH Zum Regenbogen ist. Und selbst wer nicht alleine lebe: Oft seien die Menschen aus dem engsten Umfeld überfordert mit der Begleitung eines geliebten Menschen auf seinem letzten Weg. Oder sie seien selbst zu krank und schwach, um den Sterbenden zu Hause zu versorgen, was oft mit einer 24-Stunden-Betreuung einher gehen müsse. Alles gute Gründe, den Bau eines Hospizes zu unterstützen, wie die Spenderinnen und Spender in der Vergangenheit meinten. Und künftig hoffentlich auch noch. Denn mit dem Bau des Hauses ist es nicht getan. Es bedarf kontinuierlicher Zuwendungen, um das Haus zu betreiben, in dem rund 30 ausgebildete Vollzeitkräfte beschäftigt sein werden, um die zehn Gäste – so nennt Dotzauer die Schwerstkranken – zu betreuen.

„Ein stationäres Hospiz ist ein Ort, an dem immer jemand Zeit hat, wo jemand einfach still da sitzen kann, die Hand hält, wo jemand zuhört, wenn der Sterbende von seinem Leben erzählt, wo man Wut, Zorn, Ungerechtigkeit aushält.“ So definiert der Verein Regenbogen den Ort, der jetzt gebaut werden wird. Für die konkrete Ausgestaltung ist Ludolf von Schenk zuständig, Architekt aus Olfen, der etwa die Erweiterung des dortigen Pflegeheims St. Vitus geplant hatte.

Zehn Gästezimmer in Bork mit jeweils eigener Terrasse

Auf dem bereits seit Jahren für diesen Zweck reservierten Grundstück am Dieselweg 7 in Bork – ein Gewerbegebiet, in dem es allerdings auch zahlreiche privat genutzte Häuser gibt – wird das Hospiz entstehen: mit Zufahrt und Parkplätzen im Norden und den zehn ebenerdigen Gästezimmern von je 27,5 Quadratmetern Größe ganz im Südwesten. Das Besondere des Gebäudes mit begrüntem Flachdach: „Jedes Zimmer wird eine eigene Terrasse haben“. Dazwischen werden Funktionsräume und Verwaltung angesiedelt. „Und draußen haben wir ausreichend Fläche für einen kleinen Park.“

Im Herbst/Winter soll der Rohbau entstehen. „Der Ausbau erfolgt dann im nächsten Jahr“, sagt von Schenck. Dass es sich nicht um einen Hausbau wie jeder andere handelt, stellt er dankbar fest. „Wir haben Unterstützer, die Material spenden oder Dienstleistungen einbringen.“ Um die Verwurzelung vor Ort zu vertiefen, wünschen er und Dotzauer sich, dass möglichst viele örtliche Firmen mitwirken werden, um das Gebäude zu erstellen.

Dankeschön für langjähriges Engagement

Den Mitgliedern des Stadtentwicklungsausschuss hat der Entwurf gefallen. Die Vorstellung der Pläne nutzten die Politiker aber auch, um sich bei Sylvia Dotzauer zu bedanken: „Für ihren langen Atem, ohne den das Hospiz nicht hätte realisiert werden können“, sagte Ausschussvorsitzender Jochen Westermann. Zuletzt war Dotzauer vor drei Jahren im Ausschuss zu Gast gewesen. Da waren Bau und Eröffnung noch in weiter Ferne – anders als jetzt, im gar nicht verflixten siebten Jahr.

Über die Autorin
Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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