Im Zusammenhang mit den Plänen, ein 100-Betten-Hotel am Campus Süd zu realisieren, ist Bürgermeister Mario Löhr trotz rückläufiger Übernachtungszahlen optimistisch. Was sagt der Investor?

Selm

, 27.05.2020, 10:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Übernachtungszahlen für NRW und den Kreis Unna mit einem Einbruch im März von mehr als 50 Prozent gegenüber dem März 2019 sind schon krass. Das müsste doch eigentlich jemanden abschrecken, wenn es um Investitionen in einen Hotelneubau in Selm geht, oder? Wir haben bei eben jenem Investor, Projektentwickler Georg Eskes, nachgefragt. Die Antwort ist für Laien erstaunlich.

Offenbar fußt das Konzept für einen Hotelneubau mit 100 Betten am Campus Süd auf der Fläche des jetzigen 4Elements auf Entwicklungen, die zwar mit Tourismus zu tun hat, aber vor allem der heimischen Wirtschaft in die Karten spielen sollen. Schon vor 15 Jahren habe er mit dem Hotel-Unternehmen Best Western über ein Hotel gesprochen, erzählt Eskes der Redaktion. „Der damalige Geschäftsführer von Best Western hat mir schon damals gesagt, bei einem Standort für ein Hotel müsse es sich um eine Stadt handeln, bei der Industrie vorhanden sein muss.“

„Selm hat sich super entwickelt“

15 Jahre sind seitdem ja schon ins Land gegangen. Warum ist Selm jetzt Favorit bei der Suche nach einem geeigneten Standort? „Selm hat sich in den vergangenen zehn Jahren super entwickelt“, lobt Eskes den Standort. „Sei es die Aktive Mitte oder auch die Gewerbe, die hinzugekommen sind.“ Und so sei die Idee geboren worden, sich mit dem Thema Hotel für Selm zu beschäftigen.

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Er habe sich dann mit Privatleuten, aber auch mit den Chefs von Unternehmen aus Selm und Umgebung unterhalten, wo denn die Gäste übernachten. Ob es genügend Hotels dafür gebe. „Die Antwort war: Das ist schwierig.“ Alle hätten das gleiche Problem, Gäste beziehungsweise Geschäftskunden unterzubringen. „Wir haben dann überlegt, wie man ein Gesamtkonzept schaffen kann, das sowohl für die Wirtschaft, die unsere Hauptinteressenten für die Nutzung des Hotels sein wird, als auch für den Wochenendtourismus greift.“

Standort hat gute Voraussetzungen

Selm und das Münsterland seien Fahrradfahrer-Hochburgen. Und Nordkirchen, zum Beispiel mit dem Golfplatz, liege nicht weit von Selm entfernt. Und mit dem Zug komme man durch den Bahnhof Beifang quasi nahe ans Hotel. „Wenn in Dortmund eine Messe ist und dort sind die Hotels ausgebucht, ist man in 25 Minuten in Selm.“ Zudem gebe es eine gute Autobahnanbindung. Das seien Faktoren, durch die man einen solchen Hotelneubau anders planen könne, sagt Eskes. Zumal Eskes nach eigenem Bekunden mit der Brendal Group einen Betreiber mit im Boot hat, der im Hotelgeschäft renommiert sei.

Klingt gut, relativ unabhängig von Tourismuszahlen agieren zu können. Aber wann kann es denn konkret was werden mit dem Hotelneubau in Selm? „Ich kann leider noch keine zeitliche Dimension aufzeigen“, sagt Georg Eskes am Dienstag, 26. Mai, dem Zeitpunkt des Gesprächs mit der Redaktion. Warum er das nicht kann? Das hänge mit der städtischen Fläche zusammen, die er überplanen wolle. Eigentlich wolle die Stadt ja das neue Bäderkonzept umsetzen. „Dazu fehlen derzeit aber die Mittel wegen der wegbrechenden Gewerbesteuereinnahmen wegen der Corona-Krise“, sagt Eskes. Ein Szenario mit dem Abriss des alten Hallenbads am Standort des möglichen neuen Hotels und der Ungewissheit, ob ein neues Hallenbad gebaut werden kann, wie es im Bäderkonzept vorgesehen ist, wollen laut Eskes weder er noch die Stadt.

Abwarten und hoffen auf Konjunkturpakete

Jetzt wollen die Beteiligten, also auch die Stadt, abwarten, ob es Konjunkturpakete des Bundes und des Landes für die Kommunen geben wird. „Wenn dann das Hallenbad in einen Fördertopf einfließen könnte, könnten wir relativ zeitnah anfangen zu bauen“, so Eskes. Klar sei, dass das neue Bäderkonzept, das im März besprochen worden sei, jetzt nicht realisierbar ist. Das habe ein Gespräch mit der Stadtspitze am Montag, 25. Mai, ergeben.

Sollten die finanziellen Mittel es aber zulassen, könnte laut Georg Eskes ein weiteres Denkmodell ins Spiel kommen: „Wenn es über eine private Investorenschiene laufen würde, könnte das alte Hallenbad abgerissen und etwas versetzt am jetzigen Standort neu gebaut werden.“ Also neben dem Hotelneubau. „Der Standort ist für diese Kombination ideal“, meint Eskes.

Bei all den Unwägbarkeiten hat Georg Eskes aber eine klare Botschaft: „Es besteht kein Zeitdruck. Ich stehe zu den Hotelplänen und zum Standort Selm.“

Die Stadtspitze hat der Redaktion gegenüber übrigens keine Stellungnahme abgegeben. Mit dem Hinweis, dass „zunächst die politischen Gremien, hier zuerst der Ältestenrat, informiert werden sollen“. Der Ältestenrat tagt am Montag, 8. Juni. (In einer früheren Version hatten wir irrtümlich den 2. Juni als Ältestenratssitzung angekündigt)

Ende vergangener Woche hatte Bürgermeister Mario Löhr der Redaktion gegenüber gesagt, wenn alles gut laufe, könnten die Hotel-Pläne ab 2022 realisiert werden.

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