Im und rund um den Auenpark kommt es Anwohnern zufolge gehäuft zu unerlaubter Böllerei. In den vergangenen Tagen sei es besonders schlimm - und laut - gewesen, berichtet eine Anwohnerin gegenüber dieser Redaktion. © Günther Goldstein (A)
Ruhestörung

„Ich dachte, das Haus sei weg“ – Polizei reagiert auf Böllerei in Selm

„Hast Du den Schuss nicht gehört?“ Diese Frage ist zurzeit In Selm regelmäßig zu hören - und gar nicht abwertend gemeint. Unbekannte knallen und böllern nachts. Die Polizei hat eine Bitte.

Meldungen in Facebook-Gruppen gab es immer wieder. Seit Monaten. „Wer knallt da rum? „Habt ihr das auch gehört?“ Zuletzt haben sie sich gehäuft. Vor allem In der Nacht zu Mittwoch (28. 7.). Da ist auch die Polizei auf den Plan getreten.

Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht bekannt, dass erst einen Tag vorher Unbekannte die Beleuchtung der Kuppel Im Auenpark zerstört hatten – auch in Folge einer Art Explosion, wie die Stadt am Donnerstag mitteilt.

Meldungen in der Nacht zu Mittwoch: „Wie Explosionen“

Stettiner Straße, Breite Straße, Werner Straße/Zufahrt Klockenberg, Elbinger Straße, Anne-Frank-Straße: Meldungen über nächtlichen Lärm kurz nach Mitternacht häufen sich am frühen Mittwochmorgen in den sozialen Medien. Besonders schlimm soll es im Bereich Münsterlandstraße/Seiland sein. Da rappeln geradezu die Fenster, wie Anwohner berichten. Nein, Gewitterdonner sei das nicht, ein lautes Auto auch nicht. Es habe sich wie zwei Explosionen angehört. „Ich dachte, ein Haus sei weg.“

Eine Anruferin in der Redaktion spricht davon, dass das keine Einzelfälle seien. Immer wieder werde sie aus dem Schlaf gerissen durch laute Geräusche wie Böller und Schüsse. „Das geht schon seit Jahren so“, sagt sie. Gerade sei es aber wieder besonders schlimm. „Wer macht das nur?“

Das fragt sich auch die Polizei. Jemand hatte sie in der Nacht zu Mittwoch gerufen „wegen verdächtiger Knallgeräusche aus dem Auenpark, die mit einer Druckwelle verbunden waren, die noch an der Münsterlandstraße zu registrieren waren“, sagt Polizeisprecher Christian Stein. Kollegen seien rausgefahren, hätten den Auenpark kontrolliert, den Campus-Bereich und auch noch verschiedene Schulhöfe – vergebens. „Nirgendwo konnten wir irgendwelche Feststellungen machen zu der Sache.“

Polizei sucht in der Nacht zu Mittwoch Verursacher

Dass die Polizei nichts tue, wie es auf Facebook ebenfalls zu lesen ist, weist Polizeisprecher Christian Stein weit von sich. Er hat die Einsatzberichte der vergangenen Monate durchgesehen. In der Nacht zu Mittwoch sei die Polizei zum ersten Mal gerufen worden, vorher nicht. „Es ist ja gut, wenn man sich in den sozialen Medien mit Nachbarn und Freunden austauscht über solche Vorkommnisse“, sagt er, „aber bitte nicht nur da“. Er appelliert an alle Selmerinnen und Selmer, zusätzlich auch die Polizei zu rufen. „Nur dann haben wir die Chance, auch Verursacher anzutreffen und zur Verantwortung zu ziehen“ – Ruhestörer, Vandalen und Menschen, die mit gefährlichen Stoffen oder gar Waffen hantieren, die im schlimmsten Fall Gesundheit und Leben bedrohen.

Die Rechtslage ist eindeutig. Der bloße Besitz von Gas- und Schreckschusswaffen, die eine Quelle des Lärms sein könnten, ist mit einem kleinen Waffenschein erlaubt, den die Polizei Menschen ab 18 Jahre auf Antrag ausstellt – vorausgesetzt, sie haben einen festen Wohnsitz und besitzen die persönliche Eignung dazu. Aber selbst wer diesen Schein besitzt, darf nicht mit der Waffe, die lediglich der Notwehr dient, herumschießen.

Ordnungsamt der Stadt Selm liegt nichts vor

Die mysteriöse Böllerei ist ein Phänomen der Abend- und Nachtstunden in Selm – tagsüber gibt es keine Meldungen. „Meldungen über Böllerei oder Schüsse liegen der Stadtverwaltung nicht vor“, sagte Stadtsprecher Malte Woesmann am Mittwoch (28. 7.). Zu diesem Zeitpunkt war die Beleuchtung der Auenpark-Kuppel zwar schon zerstört, aber noch nicht bekannt im Amtshaus.

Auch Woesmann appelliert, solche Ruhestörungen zu melden – tagsüber dem Ordnungsamt und darüber hinaus der Polizei. Fast wortgleich waren die Aufrufe von Stadt und Polizei erst im April zu hören gewesen. Damals hatte es im Stadtrat Beschwerden gegeben über vermeintliche Schüsse und Autorennen – nicht nur im Ortsteil Selm, sondern auch in Bork.

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Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe

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