Svenja und Peter Reidelbach vor ihrem Bulli. Mit ihm starteten sie ins außergewöhnliche Reise-Abenteuer. © Reidelbach
Durch 22 Länder

Im Bulli von Alaska nach Rio: Cappenbergerin kündigte Job für Traumreise

Den Job und die Wohnung kündigen? Svenja Reidelbach aus Cappenberg hat es getan. Für ein besonderes Abenteuer. Im Bulli fuhr sie von Alaska nach Rio de Janeiro. Und erlebte eine Veränderung.

Es hätten auch die Flitterwochen sein können. Einen Monat, bevor die Cappenbergerin Svenja Reidelbach (32) zu ihrem ganz speziellen Abenteuer aufgebrochen ist, hat sie Peter (34) ihr Ja-Wort gegeben. Die Marketingmanagerin und der Projektleiter für Windenergie ließen alles hinter sich: Beruf, Wohnung, Familie und Freunde – das sichere und gewohnte Leben. Ihre persönliche Reise ins Glück führte über 47.500 Kilometer durch 22 Länder: Im Campervan von Alaska bis Rio de Janeiro. Viele ihrer Freunde haben sie für den Mut bewundert, andere die Abenteuerlust eher kritisch gesehen. „Die Reaktionen waren unterschiedlich“, sagt Svenja Reidelbach.

Reisen, das ist etwas anderes als Urlaub. Natürlich gehören romantische Sonnenuntergänge und atemberaubende Landschaften dazu, neue Kulturen und Freiheit. Auf der anderen Seite stehen ständiges Improvisieren, Bürokratie an den Grenzen und Stress, wenn der Bulli streikt. Svenja Reidelbach hat das alles erlebt und nicht bereut, im Juli 2018 zu ihrem persönlichen Roadmovie aufgebrochen zu sein. Worauf warten? Diese Frage hatte sich das Paar gestellt und bei einer Flasche Wein auf einer Weltkarte seine Wunschziele markiert. Daraus wurde eine Erlebnisroute mit Neidfaktor. Ausgangspunkt war Alaska.

Peter und Svenja Reidelbach während ihrer Campervan-Tour.
Peter und Svenja Reidelbach während ihrer Campervan-Tour. © Picasa © Picasa

Wer sich nur Eis und Kälte vorstellt, liegt falsch. Den Reidelbachs zeigte sich der Norden im Juli von seiner besten Wetterseite, mitunter mit 30 Grad. Hier kauften sie den Bulli, bauten die Sitze aus und schufen sich ein Zuhause auf vier Rädern. „Für uns super“, sagt Reidelbach. Jetzt war gut, dass beide nach ihrem Studium ihren Lebensstandard nicht hochgeschraubt hatten. Sie brauchten nicht viel und konnten einiges sparen. Ihre Jahresreise funktionierte mit wenig Geld, das hauptsächlich für Sprit und Verpflegung draufging, durch Reisevorträge kam noch etwas rein.

Viel Stoff für ein Buch

Über ihre Erfahrungen mit Land und Leuten hat Svenja Reidelbach ein Buch geschrieben mit dem Titel „Kein Ziel ist das Ziel“. Es wird ab Mitte April über ihre Website „Work Travel Balance“, bei Amazon und in ausgewählten Buchhandlungen erhältlich sein. Alaska, für die 32-Jährige zählt es zu den Höhepunkten der Reise. Die unendliche Weite, die Wildnis und dann das Baden in einem See. Nicaragua, Mexiko, Honduras: Die Reidelbachs verkauften den Bulli und waren mit Rad und Zelt auf Hawaii unterwegs. Wasser, saftgrüne Landschaft und Berge wie in Jurassic Park, dazu der Duft von Südseeblumen – das fand Svenja Reidelbach einfach traumhaft. Eine kurze Pause mit Vorträgen über Reisen stand an. Dann sollte es weitergehen. Blind kaufte das Paar einen Geländewagen per Anzeige von zwei Neuseeländern. Der rollte sie bis Rio.

Das Camper-Leben in Nordamerika.
Das Camper-Leben in Nordamerika. © Reidelbach © Reidelbach

Heimweh und schwierige Momente

Heimweh, auch das hat es gegeben, als beispielsweise in Guatemala die Ölwanne an einem Stein beschädigt wurde und ein Totalschaden des Autos zu befürchten war. Krankheit sorgte für schwierige Phasen, doch die „vielen tollen Erlebnisse überwiegen“, sagt die Cappenbergerin. Sie hat während der Reise ein anderes Zeitgefühl bekommen. Entschleunigung pur. „Weil wir so viel erlebt und keinen Alltag mit dem ewig Gleichen hatten, kam uns die Zeit viel länger vor“, berichtet sie. So wie bei Kindern, die ständig Neues entdecken und für die Tage zur Ewigkeit werden.

Kurz vor der Corona-Pandemie landeten die Reidelbachs wieder in der Heimat. Sie wohnen in Dortmund. In Argentinien hatten sie nach einem Jahr Reisen das Gefühl, dass es genug ist. „Wie an einem all-you-can-eat-Buffet, wenn man einfach nicht mehr aufnahmefähig ist“, sagt Svenja Reidelbach. Zuhause mussten sie das Erlebte erstmal verarbeiten. Doch inzwischen haben sie sich wieder einen Camper gekauft. Für kleine Reisen in die Umgebung. „Es war eine schöne Zeit.“ Doch dauerhaft aussteigen, das wollen beide nicht.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Lünen ist eine Stadt mit unterschiedlichen Facetten. Nah dran zu sein an den lokalen Themen, ist eine spannende Aufgabe. Obwohl ich schon lange in Lünen arbeite, gibt es immer noch viel zu entdecken.
Zur Autorenseite
Magdalene Quiring-Lategahn

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.