Die Impfstoffbegrenzung ist gefallen. Die Selmer Ärzte hoffen, dass jetzt mehr geliefert wird. © dpa
Corona-Pandemie in Selm

Impfstoffbegrenzung fällt – Selmer Ärzte zwischen Freude und Sorge

Die Bestellmenge von Corona-Impfstoffen für Arztpraxen ist nicht mehr begrenzt: Für die Hausärzte in Selm ist das ein Grund zur Freude. Es gibt aber auch Zweifel - und Sorgen.

„Arztpraxen erhalten über 3,3 Millionen Impfstoffdosen für die Woche vom 5. bis 11. Juli“, meldet die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe. Über 3,3 Millionen Impfstoffdosen von Biontech/Pfizer und von Astrazeneca sollen geliefert werden, wie das Bundesministerium für Gesundheit am 24. Juni mitgeteilt hat.

Für die Impfstoffe werden keine Höchstbestellmengen vorgegeben. Also können Ärzte sowohl für Biontech als auch für Astrazeneca auf dem Rezept angeben, wie viele Dosen sie für Erstimpfungen benötigen. Für Zweitimpfungen gibt es weiterhin keine Höchstgrenzen.

„Bestellen, so viel wir wollen“

„Wir können so viel bestellen, wie wir wollen“, bestätigt Dr. Antje Münzenmaier (Kreisstraße 51). „Zum Wochenende hin erfahren wir dann, wie viel wirklich geliefert wird. Wir hoffen, dass wir die bestellten Mengen auch bekommen.“ Da immer wöchentlich bestellt werde, sei es schwer zu planen. „Ich würde gerne Termine für in zwei, drei Wochen vergeben.“ Die Impfzentren könnten besser planen. „Wir hoffen, dass ab Juli mehr Impfstoff kommt.“

Bei den chronisch Kranken seien mehr als die Hälfte geimpft, schätzt Dr. Münzenmaier. Geimpft werden jetzt vor allem die Jüngeren. „Es ist schwer abzuschätzen, wie viele schon geimpft sind, da man sie selten sieht. Sie kommen oft nur alle paar Jahre.“ Das werde sich wohl in den kommenden Wochen zeigen.

Bisher habe die Menge an gelieferten Impfdosen sehr geschwankt. Es gab schon 100 Dosen für die drei Ärzte der Gemeinschaftspraxis. „In einer Woche waren es aber auch schon mal sechs Dosen für drei Ärzte“, so Dr. Münzmaier.

Impfstoff muss schnell unters Volk

Die Selmer Ärztin glaubt auch, dass es dauern könnte, bis Termine gebucht werden. „Wenn sich vor Beginn der Ferien keiner impfen lässt, wäre das dramatisch. Wir müssen den Impfstoff schnell unters Volk bringen. Das ist unsere einzige Chance, eine flache vierte Welle zu bekommen.“ Die Ärztin befürchtet vor allem Folgen durch die EM und Olympia. „Delta ist in Selm bereits angekommen.“

Auch Dr. med. Michael Stockmann (Kreisstraße 89) ist vorsichtig optimistisch. „Es scheint sich zu entspannen“, sagt er. „Wir können mehr bestellen. Es kommt natürlich darauf an, ob wir das dann auch bekommen.“ Er kann ebenfalls nur wochenweise planen. Auch in den Wochen vorher kam nicht immer das, was er bestellt hatte. „Ich glaube es daher erst, wenn ich es im Kühlschrank habe.“

Liefermengen schwanken

Garantiert ist die zweite Impfung, wie Dr. Stockmann sagt. Bei der Erstimpfung müsse er immer abwarten. Auch sei nicht immer alles zu bekommen. „In der vergangenen Woche hatten wir Johnson&Johnson bestellt, es aber nicht bekommen.“ Anfangs kamen etwa 20 bis 30 Lieferungen die Woche. Jetzt seien es meist 50 bis 60.

Als Problem kann sich auch erweisen, dass pro Fläschchen sechs Impfungen verabreicht werden. „Man muss genug Leute zusammenbekommen“, erklärt Dr. Stockmann. „Man kann ja nicht einen impfen und die anderen fünf Dosen wegwerfen.“ Das sei aber nicht so einfach: „Manche können dann nicht oder sind im Urlaub.“ Das könne am Telefon schon mal etwas schwierig werden.

Neue Welle wird befürchtet

Bei den jüngeren Erwachsenen ist auch Dr. Stockmann nicht sicher, wie viele schon geimpft sind. „Sie sind oft sehr flexibel und lassen sich dann beispielsweise auch in den Impfzentren in Hagen oder Coesfeld impfen.“

Auch Dr. Stockmann befürchtet nach den Sommerferien eine neue Welle. „Vermutlich haben wir dann fast nur noch Delta.“ Massenveranstaltungen hält er für schwer verständlich. „Durch Wembley & Co. werden es vermutlich noch mehr Fälle werden“, prognostiziert er. So schlimm wie 2020 werde es aber wohl nicht werden.

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Seit über zehn Jahren als freier Journalist tätig und seit einigen Jahren auch für die Ruhr Nachrichten. Ich schreibe gerne über Menschen und ihre Geschichten.
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Tobias Weskamp

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