In guten wie in schlechten Zeiten: Ehepaar Erhardt feiert Goldene Hochzeit

mlzGoldene Hochzeit

Seit einem halben Jahrhundert schon gehen Ingrid und Heinz Erhardt ihren Lebensweg gemeinsam. Auch und erst recht seit bei Heinz vor 13 Jahren Demenz festgestellt wurde.

17.07.2020, 07:10 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wer sich mit Ingrid Erhardt unterhält, wird feststellen: Aus dieser Frau spricht eine große Zufriedenheit. „Unser Leben war immer schön, immer friedlich“, sagt sie. „In all den Jahren hatten wir viel weniger Tiefen als Höhen und wir haben immer zusammen gehalten.“

Nur wenn jemand meint, Ingrid Erhardt könne ihren Mann nicht gut versorgen, dann wird sie wütend. Immerhin ist sie am Freitag, 17. Juni, auf den Tag genau 50 Jahre mit ihm verheiratet. „Es kam mir nie in den Sinn, ihn in ein Heim zu geben“, sagt sie. „Dort kann er ja gar nicht so gut versorgt werden, wie zu Hause.“

Nur manchmal wird sie wehmütig, wenn sie daran denkt, dass sie im Ruhestand so richtig das Leben hätten genießen können. Früher arbeiteten beide hart - sie im Supermarkt, ihr Mann als Grubenarbeiter auf Minister Achenbach.

Doch seit 2007 bei Heinz Erhardt Demenz diagnostiziert worden war, kümmert sie sich nun um ihm.

Erst vergaß er Kleinigkeiten. Mit den Jahren verschlechterte sich sein Zustand. „Wenn unsere Tochter ihn anspricht, dann strahlt er“, erzählt Ingrid Erhardt, „und auch mein Parfüm riecht er gerne, aber ob er mich erkennt, weiß ich nicht genau. Er spricht ja nicht mehr.“ Sie sitzt in ihrem Wohnzimmer, im Regal stehen unzählige Göbel-Engel, deren Gesichter sie so schön findet, und die sie sammelt. An der Wand hängt ein großes Familienportrait, aus der Zeit, als ihre Mutter Elisabeth noch lebte und es Heinz noch deutlich besser ging.

"Er war ein ganz fescher", sagt Ingrid Erhardt, geborene Klingenberg. Vor 50 Jahren, am 17. Juli 1970, heirateten Ingrid und Heinz.

"Er war ein ganz fescher", sagt Ingrid Erhardt, geborene Klingenberg. Vor 50 Jahren, am 17. Juli 1970, heirateten Ingrid und Heinz. © Repro: Gerstenmaier

In Schüben abgebaut

Im Januar hatten sie noch gemeinsam Geburtstag gefeiert: Sie ihren 70., er seinen 79. Noch bis vor vier Wochen waren sie jeden Sonntag gemeinsam essen gegangen. Gereist waren sie immer viel, doch zuletzt 2010. All das geht jetzt nicht mehr.

Binnen drei Wochen habe er stark abgebaut. Die große Feier zur Goldhochzeit ist abgesagt, aber die beiden Kinder wollen kommen. Im Moment wartet Ingrid jeden Tag, dass das bestellte Pflegebett ankommt, damit sie ihren Mann nach Hause holen kann - wo er hingehöre. Vor zwei Wochen hatte Heinz‘ Schluckreflex versagt, er wäre beinahe erstickt. Seitdem liegt er im Krankenhaus. Inzwischen hat Ingrid einen Pflegedienst organisiert, der sie von nun an unterstützt. Auch die beiden Kinder Nicole und Heiko, helfen, wo sie können. Jeden Tag. „Da geht es doch um Menschlichkeit“, sagt Ingrid. „Ich könnte es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, ihn in ein Heim zu geben“, sagt sie. „Er hat uns immer gut versorgt. Jetzt möchte ich ihn auch versorgen. Ich bin auch ein ziemlich harter Typ, man wächst da rein.“

Kennenlernen bei Fußball-Siegesfeier

An den Tag im Jahr 1968, als Ingrid, geborene Klingenberg, ihren zukünftigen Mann kennen lernte, erinnert sie sich genau. Sie war 18 Jahre alt und begleitete ihren Vater, der Schiedsrichter war, zu einer Siegesfeier des BV Selm. Heinz war dort Spieler. „Wir haben uns gesehen und das war‘s dann“, erinnert sich Ingrid. „Es war Liebe auf den ersten Blick.“ Schon 1969 folgte die Verlobung, nüchtern, auf dem Sofa sitzend fragte er sie von der Seite: „Wie wär‘s wenn wir heiraten?“ Das taten sie dann ein Jahr später in der Josefskirche, gefeiert wurde „bei Bock“. 1971 und 1974 kamen die Kinder.

„Wir hatten es immer gut“, erzählt Ingrid. „Wir hatten immer den gleichen Geschmack, was mir gefiel gefiel ihm auch. Und er war immer sehr tolerant“, sagt Ingrid. „Ich konnte alles machen, ohne irgendwie um Erlaubnis zu fragen. “

30 Jahre lang war Kegeln ihr gemeinsames Hobby. Alle zwei Wochen trafen sie sich mit befreundeten Ehepaaren, um die Kugel zu schieben und fuhren auch gemeinsam mit ihnen in den Urlaub: Rhodos, die Türkei, Fuerteventura, Mallorca oder Gran Canaria. Und mit den Kindern immer nach Österreich oder Spanien.

„Er ist immer ein ganz lieber gewesen“, sagt Ingrid, „bis heute.“

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