Die WELL-Connected-Mitglieder (v.l.) Guido Pyka, Wolfgang Surrey und Bernhard Well. © Felsch
Künstler und Corona

Jazz gegen den Corona-Blues: Selmer und sein Quartett bringen CD raus

Es sind harte Zeiten für Künstler. Die Kreativität ist da, aber die Lebensgrundlage fehlt - Auftritte in Bars und auf Konzerten. Doch ein Selmer Musiker gibt den Kampf für die Kunst nicht auf.

Kunst und die Krise: Eine Unverträglichkeit mit weitreichenden Konsequenzen. Denn Kunst will gesehen, gehört, erfahren werden – und genau das bleibt ihr während der Corona-Krise verwehrt. Lockdowns und Einschränkungen erschweren Künstlern ihre Auftritte oder lassen diese ganz ausfallen und nehmen ihnen so ihre Lebensgrundlage.

Für einige Künstler ist dies ein Grund, sich ihrem Gewerbe auf anderem Wege zu nähern. Kommen die Menschen nicht zur Kunst, dann kommt die Kunst zum Menschen. Dies ist der Weg, den der Selmer Bernhard Well geht. Der Jazz-Saxophonist hat zusammen mit guten Freunden und Künstlerkollegen die CD „About a Line – Well connected“ aufgenommen. WELL-Connected nennt sich auch das Musikergespann, bestehend aus Bernhard Well, Wolfgang Surrey, Guido Pyka, Eric Richards und Philipp Well. Das letzte Mitglied ist ein Gegenstand – nämlich ein roter Mantel, der bei den Aufnahmen dabei war und der Gruppe als Inspiration für das CD-Design diente.

Zwei Saxophone, eine Gitarre und ein Kontrabass

Zwei Saxophone, eine Gitarre und ein Kontrabass formen auf fünf Eigenkompositionen und einigen weiteren Stücken ein Mittel gegen den Corona-Blues. Aufgenommen wurde die CD im Luna Tonstudio in Lüdinghausen. „Im Tonstudio haben wir mit einem professionellen Tonmeister zusammengearbeitet“, sagt Bernhard Well. Er und seine Mitstreiter sind begeistert vom Ergebnis und der guten Qualität der Aufnahmen. „Der Sound ist rund und warm, das ist hohe Studioqualität“, sagt Wolfgang Surrey.

Die gemeinsame CD soll jedoch nicht nur etwas für die Hörer sein, sondern auch einen didaktischen Zweck haben. Erweitert dient sie auch didaktischen Zwecken und als Vorlage für improvisierende Musiker. „Beigefügt sind Notenmaterial und kurze Analysen der kompositorisch-stilistischen und melodisch-harmonischen Strukturen“, sagt Well. Außerdem gibt es Anregungen zur Improvisation, Anleitungen und Übungen. Aktuell sei die Gruppe bereits in Verhandlungen mit Verlagen, so Well.

Der Grundstein ist mit der CD also bereits gelegt. Die Zeit ohne Auftritte wollen die Musiker aber auch weiterhin nutzen. „Wir wollen uns positionieren, uns mit unseren Werken bewerben. Und natürlich hoffen wir alle auf den Sommer“, sagt Surrey. Im polnischen Partnerkreis sei die CD bereits angekommen und werde genutzt.

Harte Zeiten für Kunst und Musik

Dennoch weiß die Gruppe um ihr Privileg, in der Krise eine CD veröffentlichen zu können. Guido Pyka, der wie Surrey auch Musik unterrichtet, blickt mit gemischten Gefühlen auf das Corona-Jahr zurück. „Man lebt als Musiker viel von den Events und Partys und somit von den Kneipen, die das veranstalten. Sind die geschlossen, hat das für uns Konsequenzen.“ Er sei froh, seinen Lebensunterhalt nebenbei auch mit dem Musikunterricht bestreiten zu können – der digital stattfinden kann.

Doch nicht jeder Künstler habe solche Möglichkeiten. „Von den 7000 Euro Hilfe, die man vom Staat bekommt, kann man sich als Künstler nur 2000 nehmen. Das ist natürlich keine Perspektive“, sagt Pyka. Viele haben zwar die Zeit ohne Auftritte ebenfalls genutzt, um kreativ zu werden, doch für etliche Künstler bleibt nur Hartz IV. „Einige machen die skurillsten Sachen, um zu überleben.“

Für die Zukunft hoffen die Musiker von WELL-Connected auf Lichtblicke wie im Sommer 2020 – und auf kreative Umsetzungen der Veranstalter, um Auftritte zu ermöglichen. „Die Leute freuen sich über jeden Ton, wenn man dann spielen darf“, sagt Pyka. Und auch Surrey fügt hinzu: „Für nächstes Jahr wollen viele Veranstalter sich etwas einfallen lassen, um Veranstaltungen Open Air stattfinden zu lassen. Damit es weitergehen kann trotz Corona.“

Videos und Hörproben des Albums sind zu finden auf www.eventpeppers.com/de/well_connected.

Über die Autorin
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Obwohl nicht in Dortmund geboren, bin ich doch eng mit dieser Perle des Ruhrpotts verbunden. Eine Stadt durch die Augen eines Journalisten kennenzulernen, das fasziniert mich. Seit Oktober 2017 arbeite ich für die Ruhrnachrichten und bin seit April 2020 Volontärin.
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Denise Felsch

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