Kamera am Ortsausgangsschild? Selmer macht kuriose Entdeckung an Haus-Berge-Straße

mlzVerkehrsüberwachung

Mehrere Tage macht ein Selmer eine interessante Entdeckung. Er sieht eine Kamera direkt am Ortsschild an der Haus-Berge-Straße. Eine neue Vorgehensweise zur Geschwindigkeitsmessung?

Selm

, 02.03.2020, 14:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Geschichte ist etwas kurios. Da passt es geradezu perfekt, dass die E-Mail mit dem Hinweis zum Thema den Betreff: „Psst, Kamera auf der Haus-Berge-Straße“ trägt.

Der Verfasser ist der Redaktion bekannt, möchte aber mit seinem Namen nicht genannt werden. Auf der Haus-Berge-Straße, Ecke Kreisstraße sei eine Kamera zur Verkehrsüberwachung am Ortsschild angebracht, schreibt er am Freitag. „Hab ich noch nicht gesehen in der Form“, schreibt er weiter. Und: „Wäre doch mal einen Blick von Ihnen wert.“

Ein Schild mit der Aufschrift Verkehrsüberwachung

Der Blick erfolgt direkt nach dem Lesen der E-Mail. Allerdings: keine Spur von der angeblichen Kamera. Auch in der unmittelbaren Nähe nicht. Anruf beim Leser: Er habe die Kamera schon mehrere Tage vorher gesehen. Zweimal als er die Stelle mit dem Auto passiert hat, einmal zu Fuß, beim Spaziergang mit dem Hund. Dort hat er sie sich genau angesehen.

„Das war eine schwarze Kamera, direkt am Ortsschild angebracht“, sagt er. Sie sei mit einer Schraubzwinge befestigt worden. Darunter sei ein Schild angebracht gewesen mit der Aufschrift Videoverkehrsüberwachung, wetterfest einlaminiert.

Kontrolliert die Stadt dort?

Hat die Stadt vielleicht etwas mit dieser Kamera zu tun? Der Hinweisgeber vermutet, dass es vielleicht etwas mit der dort gelegenen Stoppstraße liegt, „vielleicht will man die Stoppfahrer kontrollieren“, vermutet er.

Ist das so? Anruf bei der Stadt. „Nein“, antwortet Stadtsprecher Malte Woesmann auf die Frage, ob die Stadt etwas von einer Kamerakontrolle an der Stelle wisse und verweist auf die Polizei.

Polizei wundert sich über Kamera

Auch die Polizei im Kreis Unna habe dort nichts gemessen, sagt Stefanie Hake von der Polizeipressestelle. „Das ist auch eher untypisch direkt an einem Ortseingangsschild“, wundert sie sich. Aber: „Es könnte vielleicht eine Form der Verkehrszählung sein“, sagt sie. Dafür wäre dann der Kreis Unna zuständig.

Michael Arnold vom Straßenverkehrsamt im Kreis Unna kann ebenfalls nicht wirklich Licht ins Dunkel bringen: „Bei einer Verkehrszählung sind das eigentlich schuhkartongroße, schwarze Kästen, die sehen gar nicht aus wie eine Kamera“, erklärt Arnold am Montag. „Wir haben auch im Moment in Selm gar keine Kästen hängen.“

Die Stelle an der Haus-Berge-Straße sei außerdem keine von den offiziellen Messstellen des Kreises und auch Michael Arnold stellt in Frage, ob eine öffentliche Stelle am Ortseingangsschild eine Kamera aufstellen würde. „Das würden wir nicht machen“, sagt er.

Es sei dann überhaupt nicht klar, ab wann ein Messwert gelten würde. Erst kurz nach dem Schild? Unmittelbar wenn der Reifen des Wagens das Schild passiert hat? Die Geschwindigkeit direkt an einem Verkehrsschild zu messen, das Geschwindigkeiten angibt, das sei rechtlich nicht einwandfrei, so Arnold.

Wurde die Kamera privat aufgehangen?

Die einzige Erklärung, die Michael Arnold vom Straßenverkehrsamt hat ist diese: „Manchmal kommen auch private Personen auf solche Ideen“, sagt er. Nicht zum ersten Mal hätten Bürger irgendwo eine Kamera aufgehängt, um eine Verkehrskontrolle zu imitieren und Autofahrer so zum langsameren Fahren zu animieren. Vielleicht war es in diesem Fall auch so.

Und welche Konsequenzen hätte eine privat aufgehängte Kamera? „An Ortsschilder hat man nichts aufzuhängen“, sagt Vera Howanietz von der Polizei im Kreis Unna. Auf Privatgrundstücken sehe das anders aus, an Laternen oder anderen öffentlichen Orten sei das aber nicht erlaubt. Welche Konsequenzen das nach sich ziehe, käme aber auf den Einzelfall an.

Zum Beispiel, wenn plötzlich gebremst würde wegen der Kamera und es dadurch zu einem Unfall kommen würde. Eine andere Frage: Ist es nur eine Attrappe oder nimmt die Kamera tatsächlich etwas auf. In diesem Fall würden auch Datenschutzrechte verletzt.

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