Kleine Borker Kirche an der Waltroper Straße erhält unerwartete Auszeichnung

mlzTrinitiatis-Kirche

Die evangelische Kirche plant Neues in Bork: Das Gotteshaus soll einen Anbau erhalten und das Gerhard-Haus abgerissen werden. Statt der Baugenehmigung erhielt die Gemeinde etwas anderes.

Bork

, 01.03.2019, 06:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ob sie sich gefreut habe? Pfarrerin Antje Wischmeyer lacht am Telefon, als sie diese Frage hört. Die Mitteilung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe sei erst einmal eine große Überraschung gewesen für sie. Und die habe eher geteilte Reaktionen ausgelöst.

Die 1954 eröffnete Trinitatis-Kirche, so schlägt es die Denkmalbehörde in Münster vor, solle unter Denkmalschutz gestellt werden. „Gerade jetzt, wo wir doch den Anbau planen“, sagt Wischmeyer.

Ein Blick in die Zukunft: Die evangelische Kirche mit dem geplanten Anbau.

Ein Blick in die Zukunft: Die evangelische Kirche mit dem geplanten Anbau. © Sylvia vom Hofe

„Das Gebäude besitzt einen erheblichen Aussagewert für das Leben der in Bork ansässigen Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg“, befinden die Denkmalschützer des Landschaftsverbandes. „Es bildet die zeit-, religions- und sozialgeschichtlichen Verhältnisse ab, die nach der Vertreibung eines großen Teils der Bewohnerschaft der ehemaligen deutschen Ostprovinzen mit deren Neuansiedlung in konfessionell unterschiedlicher neuer Umgebung im westlichen Teil des Landes verbunden war“, heißt es weiter in dem Brief des LWL.

Die Trinitatiskirche sei vor diesem Hintergrund „besonders geeignet, geschichtliche Entwicklungen aufzuzeigen und zu erforschen“. Die betonte Schlichtheit im Inneren, die Traditionsverbundenheit in den Details wie auch die Wirksamkeit des Gebäudes in der Außenwirkung: All das erlaube Rückschlüsse auf das Selbstverständnis der vertriebenen ostdeutschen Menschen.

Stadtplanungsausschuss diskutiert am 7. März

Die Empfehlung des LWL ist deshalb eindeutig: „Denkmalwert ist das gesamte Kirchengebäude mitsamt der inneren Aufteilung und mit der bauzeitlichen Ausstattung.“ Ob der Stadt Selm dieser Empfehlung folgen wird, entscheidet der Stadtplanungsausschuss am 7. März, ab 17 Uhr in der Ausschusssitzung in den Räumen der Feuerwehr, Auf der Geist 2.

Pfarrerin Wischmeyer rechnet nicht mit Widerspruch. Und das sei auch nicht schlimm. Denn etwas für sie und die übrigen Mitglieder und Verantwortlichen der Kirchengemeinde ist geklärt.

„Unsere Bauvorhaben werden nicht durch den Denkmalschutz beeinträchtigt.“ Das habe der LWL zugesichert. Die Gemeinde will schließlich möglichst bald mit der Erweiterung des schützenswerten Kirchengebäudes beginnen. Im Westen – also auf der Seite zur Straße hin – soll sich ein niedrigeres Gebäude anschließen: ein lichtdurchfluteter, etwa 50 Quadratmeter großer Versammlungsraum.

Der bisherige Versammlungsraum, das nach Pfarrer Walter Gerhard benannte Gemeindehaus, soll Platz machen für einen Neubau mit 21 Wohnungen mit einer Grundfläche von 65 bis 95 Quadratmetern. An ihn soll sich in einem zweiten Bauabschnitt ein zweites zweigeschossiges Gebäude mit fünf Wohnungen anschließen. Das Wohnbauprojekt setzt ein privater Investor um. Durch den Verkauf der Flächen an ihn will die Gemeinde die Baumaßnahmen an der Kirche finanzieren.

Selmer Kirche bleibt ohne Denkmalchutz

Dass der LWL gerade jetzt auf das kirchliche Kleinod in Bork aufmerksam wurde, hat nicht mit den Baumaßnahmen zu tun. In Nordrhein-Westfalen sei der Bestand der Pfarrkirchen aus der Zeit nach 1945 im Rahmen des Projekts „Erkennen und Bewahren. Kirchenbau der Nachkriegszeit in Nordrhein-Westfalen“ systematisch erfasst worden. In diesem Zusammenhang hatten die Denkmalschützer auch die evangelische Kirche an der Kreisstraße unter die Lupe genommen – ohne Ergebnis. Sie sei nicht denkmalwürdig. Schlimm findet das Wischmeyer nicht. „Dadurch bleiben wir bei möglichen Veränderungen beweglicher.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt