Kleingärten in Bork: Junge Familien entfliehen dem Corona-Alltag

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Wegen der Corona-Einschränkungen ist die Nachfrage nach Kleingärten so groß wie selten zuvor. Mittlerweile bewirtschaften auch junge Familien immer häufiger eine Gartenparzelle. Aber warum?

Bork

, 01.07.2020, 14:19 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bis heute denken viele bei Kleingärten an Spießigkeit, Gartenzwerge und strenge Regeln. Die Nachfrage nach einem Kleingarten war während der Corona-Pandemie allerdings so hoch wie lange nicht. Gerade bei jungen Familien wird die Gartenparzelle in der Stadt immer beliebter.

Durch Zufall zum Gartenbesitzer

Eine davon ist Familie Pohl. „Wir haben schon länger überlegt, ob wir uns ein Haus oder einen Garten holen“, verrät Nadine Pohl. Gerade für die Kinder Abby (8) und Till (3) sollte es einen Aufenthaltsort außerhalb der Wohnung geben.

„Dass wir den Garten gefunden haben, war reiner Zufall“, so die 39-jährige Mutter. Bei einem Spaziergang durch die Gartenanlage des Kleingärtnervereins (KGV) Bork – nur wenige Minuten Fußweg von der Wohnung entfernt – stießen sie im Sommer 2018 auf einen Zettel. Darauf wurde eine Gartenparzelle in der Anlage angeboten.

„Den haben wir dann mitgenommen und uns beim Besitzer gemeldet“, so die 39-Jährige. Nach einem kurzen Besichtigungstermin folgte zwei Wochen später ein Gespräch mit dem Vereinsvorstand. Einen Tag später gehörte Familie Pohl dann offiziell zu den Kleingärtnern.

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„In erster Linie geht es darum, dass die Kinder hier Platz haben“, so Vater Daniel Pohl. Das haben sie auf den über 400 Quadratmetern des Gartens genug, Planschbecken auf dem Rasen inklusive. Demnächst soll dort ein Trampolin stehen.

Kinder lernen: Gemüse kommt nicht aus dem Supermarkt

Dem 40-Jährigen ist aber auch das gemeinsame bewirtschaften des Gartens wichtig, „damit die Kinder sehen, dass das Gemüse nicht aus dem Supermarkt kommt“. Kartoffeln, Gurken, Tomaten, Mais und einiges mehr wächst in den Beeten der Familie.

Gerade während der Corona-Zeit war ihr Garten ein guter Zufluchtsort: „Hätten wir die ganze Zeit in der Bude gesessen, wären wir verrückt geworden“, so Nadine Pohl. Die Familie habe in den vergangenen Monaten genug Zeit gehabt, den Garten nach ihren Wünschen zu gestalten.

Das nächste Projekt ist der Bau einer Grillterrasse im hinteren Bereich des Gartens. „Zwei Jahre brauchen wir noch, bis der Garten so ist, wie wir ihn haben wollen“, schätzt Daniel Pohl.

„Es gibt Regeln, die dringend überholt werden müssen“

Bei der Gestaltung des eigenen Kleingartens gibt es allerdings einige Regeln, die das „Bundeskleingartengesetz“ für alle Kleingärten in Deutschland festlegt. „Bei manchen Vorschriften fragt man sich, wo der Sinn dahinter ist“, findet Nadine Pohl.

So könne sie nicht verstehen, warum Spielgeräte für Kinder nur maximal drei mal drei Meter Platz einnehmen dürfen. Insgesamt hat sie aber Verständnis für die Vorschriften: „Regeln gibt es ja überall.“

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Aber selbst beim Kleingärtner Bezirksverband Lünen-Lüdinghausen-Selm gibt es Kritik an den Vorschriften: „Es gibt Regeln, die dringend überholt werden müssen“, gibt Vorsitzende Gabriele Kubitzek zu. Dafür brauche es allerdings den Generationswechsel in den Vereinen und Verbänden, um diese Regeln den heutigen Bedürfnissen anzupassen.

Vereine haben Wartelisten

Ein größeres Interesse an Kleingärten konnte Kubitzek – bedingt durch die Corona-Krise – bereits feststellen: „Die Nachfrage hat sich in den letzten Wochen sehr stark erhöht. Mittlerweile haben viele Vereine eine Warteliste. Das gab es seit langem nicht mehr.“

Kubitzek stelle in persönlichen Gesprächen allerdings fest, dass sich viele Interessenten nicht ausreichend mit dem Kleingärtnertum auseinandersetzen. So gibt es eine Pflicht zur kleingärtnerischen Nutzung, also auch dem Anbau von Obst und Gemüse, was vielen nicht bewusst sei.

Markus und Pia Suttrup sind diese Regeln bewusst, denn auch sie haben seit 2017 einen Garten in der Anlage des KGV Bork.

„Für die Kinder ist das fantastisch, die können sich hier austoben. Man merkt, die genießen das richtig“, stellt Markus Suttrup fest.

Pia und Markus Suttrup haben ihren Kindern Mia (3) und Niklas (1) einen Sandkasten samt Rutsche in den Garten gebaut.

Pia und Markus Suttrup haben ihren Kindern Mia (3) und Niklas (1) einen Sandkasten samt Rutsche in den Garten gebaut. © Dennis Görlich

Tochter Mia (3) und Sohn Niklas (1) gehören bereits zur vierten Generation der Familie, die Gartenmitglieder im KGV Bork sind. Der Vater von Markus Suttrup bewirtschaftet ebenfalls eine Parzelle in der Anlage.

Gartenarbeit statt Nordsee-Urlaub

„Wir wären eigentlich drei Wochen an die Nordsee gefahren“, verrät Pia Suttrup. Der Urlaub fiel dann wegen Corona aus. „Stattdessen haben wir den Garten fit gemacht.“ Zum ersten Geburtstag hat Vater Markus seinem Sohn Niklas einen Sandkasten gebaut – mitsamt Schaukel und Rutsche.

Aber auch im Garten der Suttrups gehe es um das gemeinsame Anbauen von Obst und Gemüse: „Bei uns dauert zwar alles die dreifache Zeit, aber die Kinder sind überall dabei. Sie lernen wahnsinnig schnell“, merkt Markus Suttrup an.

Tochter Mia wisse bereits, wie mit den Pflanzen umzugehen sei. „Sie isst alles direkt vom Strauch. Die Kartoffeln hat sie sogar selbst gepflanzt“, berichtet der Vater stolz.

Der Weg zum jetzigen Garten sei allerdings schwieriger verlaufen, als erwartet. „Wir haben den Aufwand wahnsinnig unterschätzt“, gibt Markus Suttrup zu. Auf der anfangs weitestgehend verwilderten Fläche hat die Familie eine Holzhütte errichtet. Für das Fundament wurde ein Lkw voll mit Schotter bestellt. Der musste anschließend in den Garten transportiert werden. „Ich habe drei Monate lang jeden Tag Schotter mit der Schubkarre geschleppt.“

Das Ergebnis der monatelangen Gartenarbeit stellt Pia Suttrup zufrieden: „Jetzt kann man hier auch sitzen und das Ganze genießen.“ Markus Suttrup kann dem zustimmen: „Wir wollen zwar, dass unsere Kinder in einer gesunden Umgebung groß werden. Aber wir wollen uns auch erholen.“

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