Der Klimawandel und die Landwirtschaft: So reagiert der Bio-Hof Schulze Altcappenberg

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Heiße Sommer, wenig Regen - extremes Wetter macht Landwirten in Deutschland schon seit einigen Jahren zu schaffen. Moritz Spahn vom Bio-Hof Schulze Altcappenberg erzählt, wie er damit umgeht.

Cappenberg

, 19.11.2019, 11:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Moritz Spahn 2016 als Betriebsleiter der Biolandwirtschaft auf dem Hof Schulze Altcappenberg angefangen. Einen heißen Sommer gab es in diesem Jahr - so wie auch in den folgenden Jahren. Wie hat sich das veränderte Klima auf die Landwirtschaft ausgewirkt? Darüber haben wir mit dem Bio-Landwirt gesprochen.

Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft

Unter der Leitung von Moritz Spahn wurden die bewirtschafteten Flächen um die Lünener und die Borker Straße in Bork-Hassel auf den Anbau von Hackfrüchten und Wintergemüse umgestellt. Seitdem reiften Kulturen von Kartoffeln, Möhren, Rote Bete, Zuckermais, und in diesem Jahr auch Pastinaken, Petersilienwurz, Schnittlauch und Zwiebeln.

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„Die veränderten Wetterbedingungen haben wir in unserem Bereich natürlich auch zu spüren bekommen“, sagt der Agrarfachmann, „aber im Unterschied zum Forstbetrieb rechnen wir von Jahr zu Jahr.“ Die heißen und trockenen Sommermonate haben sich teilweise negativ in der Bilanz ausgewirkt. Nicht alle Erträge waren zufriedenstellend.

„Ich orientiere mich an den Wetterdaten von Kachelmann“

„Das Problem ist, mit einer unsicheren Prognose für die Wachstumszeit abzuschätzen welche Kulturen gelingen.“ Dabei geht es für den landwirtschaftlichen Wirtschaftsbetrieb um den Effizienzpunkt, sprich um eine maximale Entlohnung unter Berücksichtigung der eingesetzten Mittel. Und die sind im Biolandbau noch einmal anders als bei den konventionellen Kollegen.

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Die klimatischen Veränderungen erfordern Anpassungen. „Ich orientiere mich unter anderem bei den Wetterdaten von Kachelmann. Da findet man in der langjährigen Statistik mehr nasse als heiße Sommer. Wir müssen uns also auf unterschiedliche Dinge vorbereiten.“ Bei der Bodenbearbeitung hat man da zum Beispiel alte Techniken wiederentdeckt um das Wasser im Boden zu konservieren. Eine flache Bearbeitung verhindert die Verdunstung und die Zerstörung der kapillaren Strukturen.

In großem Stil wässern

Dazu achtet der Fachmann auf eine breit gefächerte Fruchtfolge mit angepasster Ausbringung des Saatgutes. „Wir müssen versuchen, um die trockenen und heißen Wochen irgendwie herumzukommen. Oder eben im großen Stil wässern - was auf unserem Land nicht einfach ist und auch nicht billig.“ Der Versuch, Zwiebeln anzubauen, ist im vergangenen Jahr aus diesen Gründen fehlgeschlagen. Dafür haben sich die Rote Bete prächtig entwickelt genauso wie der Zuckermais, der im Vorjahr noch Probleme machte. Der Regen der letzten Wochen war sicherlich hochwillkommen, machte aber die Möhrenernte an einem tieferliegenden Punkt schwieriger.

Der Klimawandel und die Landwirtschaft: So reagiert der Bio-Hof Schulze Altcappenberg

Der Hof Schulze Altcappenberg ist ein Bio-Betrieb. © Günther Goldstein

Ein großes Problem im biologischen Anbau sind die Unkräuter als natürliche Konkurrenz zu den Kulturpflanzen. Hier ist viel Wissen gefragt, um zum Ziel zu kommen.

„Wir müssen uns auf Veränderungen einstellen“

„Wir haben auf mehreren Flächen jetzt Kleegras gesät, das dort rund ein Jahr verbleibt“, berichtet Moritz Spahn. Das kommt den Regenwürmern zugute und den Insekten. Durch seinen regelmäßigen Schnitt sorgt es aber auch dafür, dass die Unkräuter verschwinden.

„Das geschieht durch den unterschiedlichen Wuchs der Arten. Die Gräser schieben von unten Blätter nach, die Unkräuter wachsen oben weiter und sterben durch den Schnitt ab.“ Am Ende ergeben diese Maßnahmen eine verbesserte Bodenstruktur, mehr Biomasse und den notwendigen Eintrag von Strickstoff.

„Wir müssen uns auf Veränderungen einstellen und durch gezielte Maßnahmen das Risiko von Ernteausfällen splitten. Wir erleben gerade, dass sich der uns bisher bekannte Herbst zeitlich verschoben hat“.

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