Der Fotoausschnitt zeigt die aufgehängten Toten Vögel auf einem Spargelfeld im Norden des Kreises Unna. Fotos, die jetzt der Kreisverwaltung Vorliegen, zeigen gleichzeitig auch den nahen Hof. © privat
Tierschutz

Krähen-Skandal im Kreis Unna: Kreisverwaltung hat jetzt die Beweisfotos

Die Fotos von an den Füßen aufgehängten Krähen haben schockiert. Jetzt sollen sie ein Nachspiel haben. Der Fotograf hat sich entschlossen, den Vorfall im Nordkreis zur Anzeige zu bringen.

„Ja, uns liegen inzwischen Fotos vor“, sagt am Freitag (10.9.) Max Rolke, der stellvertretende Leiter der Pressestelle des Kreises Unna. Gut eine Woche nach Veröffentlichung der verstörenden Bilder von toten, zur Schau gestellten Krähen auf einem Acker im nördlichen Kreis Unna, hatte sich der Fotograf einen Ruck gegeben und hat die Sache doch zur Anzeige gebracht – entgegen seiner ursprünglichen Absicht.

Der Mann, der seinen Namen nicht veröffentlicht sehen möchte, hatte die Fotos während der Spargelernte auf dem Gelände eines Spargelhofes im nördlichen Kreis Unna gemacht – und erst einmal zurückgehalten. Eine Anzeige zum Zeitpunkt der Aufnahme hätte, so meint er, das wichtige Saison-Geschäft des Bauern nachhaltig getrübt. Einen solchen wirtschaftlichen Schaden wolle er aber nicht verantworten. Ihm gehe es vielmehr darum, ein Umdenken auszulösen: Ein Ende der barbarischen Praxis, die der bundesweit bekannte Zoologe Prof. Josef Reichholf als „schockierendes Relikt aus dem dunkelsten Mittelalter“ rügte. Inzwischen hat der Fotograf seine Meinung bezüglich der Anzeige geändert.

Beweisfotos zeigen den angrenzenden Bauernhof

Am Dienstag (7.9.) hatte er sich bei der Kreisverwaltung gemeldet und Namen und Adresse des Spargelbauern angegeben, auf dessen Acker die toten Vögel baumelten. Bei seiner Aussage alleine ist es nicht geblieben. Der Mann habe inzwischen auch die Originaldateien der Fotos zur Verfügung gestellt. Sie zeigen nicht nur den Ausschnitt mit den Vögeln, sondern auch den Bauernhof in unmittelbarer Nähe: eindeutig zu identifizieren, wie der Fotograf sagt.

Genau das gelte es jetzt zu überprüfen, sagt Max Rolke. Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Abteilungen kümmerten sich darum. Schließlich stünden auch mehrere Delikte im Raum.

Verdacht des Experten: „Damit wird sehr großzügig umgegangen“

Grundsätzlich ist „die ungerechtfertigte Tiertötung“ strafbar: ein klares Vergehen gegen das Tierschutzgesetz. Eine Tötung von Krähen außerhalb der Jagdsaison ist ein Verstoß gegen das Jagdrecht. Die Kadaver aufzuhängen, widerspricht zudem dem Tierkörperbeseitigungs- sowie dem Tierseuchengesetz. Wenn sich alles als wahr herausstellen würde, drohten dem Landwirt empfindlich hohe Geldstrafen. Prof. Josef Reichholf, einer der Begründer des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) ist da allerdings skeptisch.

„Ich fürchte, dass in NRW genauso wie anderswo sehr großzügig mit solchen Verstößen umgegangen wird“, sagt er. Da die intelligenten Krähenvögel aufgrund jahrhundertealter Vorurteile nicht besonders beliebt seien, werde in der Regel nicht hart durchgegriffen. Ob das im Kreis Unna anders sein wird, ist noch offen. Max Rolke hat für Ende nächster Woche Ergebnisse in Aussicht gestellt.

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Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe

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