Kraftwerk Lünen: Trianel vergibt Bauauftrag

LÜNEN/SELM Die Trianel Projektgesellschaft hat ein internationales Firmenkonsortium mit dem schlüsselfertigen Bau des umstrittenen Steinkohlekraftwerkes in Lünen beauftragt - obwohl der Bau noch nicht genehmigt ist. Kritiker nennen die Vorgehensweise "erschreckend". Auch in Selm ist der Neubau-Plan umstritten.

von Von Beate Rottgardt und Dieter Hirsch

, 20.09.2007, 20:46 Uhr / Lesedauer: 2 min
So soll das Trianel-Kraftwerk 2012 ans Netz gehen.

So soll das Trianel-Kraftwerk 2012 ans Netz gehen.

Die Vergabe des Auftrages meldete gestern die österreichische A-TEC Industries AG, die neben der Siemens Power Generation und dem japanischen Kraftwerkbauer IHI zum Konsortium gehört. Die Fertigstellung und Übergabe der Anlage sei für das Jahr 2012 geplant.

Der Liefer- und Leistungsumfang der Tochterfirma Austrian Energy & Environment (AE&E) umfasst Ingenieurleistungen, die Lieferung der Komponenten für die gesamte Rauchgasentschwefelungsanlage sowie wesentliche Dampferzeugerkomponenten, die Montage verschiedener Systeme sowie deren Inbetriebnahme. „Damit wollen wir uns den Preis und die Anlage sichern“, erklärte Manfred Ungethüm, Geschäftsführer der Trianel Projektgesellschaft. „Der Vertrag wurde mit dem Vorbehalt der Baugenehmigung geschlossen.“

Bezirksregierung will erst Ende des Jahres entscheiden

Wie unsere Zeitung berichtete, wird der Genehmigungsantrag für das Kraftwerk nach dem öffentlichen Erörterungsverfahren derzeit von der Bezirksregierung Arnsberg geprüft. Eine Entscheidung werde frühestens Ende des Jahres fallen, hatte Arnsberg angekündigt. Dass Vorverträge geschlossen würden, sei nachvollziehbar, so Einwender Prof. Dr. Johannes Hofnagel, der die Vorgehensweise dennoch „erschreckend“ findet. Da die Trianel-Vertreter bei den Erörterungsterminen bereits erklärt hätten, dass es schon Preissicherungen gebe, ist er nicht überrascht. „Trianel verfolgt ja den Bau an mehreren Standorten, beispielsweise in Krefeld. Es kann sein, dass sie sagen, eins wird schon kommen“, so Dr. Hofnagel.

Gegner kündigen weitere Schritte an

Die Meldung von der Auftragsvergabe passe in den Gesamt-Eindruck, der auch durch das Auftreten des Regierungspräsidenten erweckt wurde, nämlich, dass man die Dinge auf einigen Ebenen schon festgezurrt habe. Hofnagel wie auch Thomas Matthée, Vorsitzender der Bürgerinitiative „Kontra Kohlekraftwerk“, kündigten weitere Maßnahmen der Gegner an. „Wir erwarten auch, dass der Rat sich noch mal mit dem Thema befasst. Denn als die Entscheidung fiel, waren die Steag-Pläne noch nicht bekannt“, betont Hofnagel. Matthée erklärte, man wolle den Ratsvertretern die Knackpunkte des Verfahrens auflisten. Außerdem will man der Stadt bei der Suche nach dem Standort für eine neue Messstation unterstützen. Matthée: „Die Nachbargemeinden sollen nicht außen vor bleiben.“

Hier soll das Kraftwerk entstehen:

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