Krankenhausdirektor in Lüdinghausen befürchtet dramatischen Verlauf in Deutschland

Vorsorge

Es war so etwas wie ein Krisengipfel vor der Krise: Die Verantwortlichen des St.-Marien-Hospitals haben die Vorbereitungen auf eine sich ausbreitende Infektion mit dem Coronavirus erläutert.

Selm, Olfen, Nordkirchen

von Peter Werth

, 21.03.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Sie hatten zum Pressegespräch in Sachen Corona-Pandemie gebeten (v.r.): Bürgermeister Richard Borgmann, Dr. Jörg Siebert (Ärztlicher Direktor des St.-Marien-Hospitals), der niedergelassene Allgemeinmediziner Dr. Rainer Drerup, Monika Kleingräber-Niermann (Referentin der Geschäftsführung des Krankenhauses), Tim Richwien (Geschäftsführer des St.-Marien-Hospitals) und Pflegedirektor Johannes Beermann

Sie hatten zum Pressegespräch in Sachen Corona-Pandemie gebeten (v.r.): Bürgermeister Richard Borgmann, Dr. Jörg Siebert (Ärztlicher Direktor des St.-Marien-Hospitals), der niedergelassene Allgemeinmediziner Dr. Rainer Drerup, Monika Kleingräber-Niermann (Referentin der Geschäftsführung des Krankenhauses), Tim Richwien (Geschäftsführer des St.-Marien-Hospitals) und Pflegedirektor Johannes Beermann. © Peter Werth

Der Ärztliche Direktor Dr. Jörg Siebert Siebert rechnet mit einem Anstieg der Krankheitsfälle noch an diesem Wochenende. Seit zwei Wochen bereite sich das Krankenhaus auf diese Situation vor. So sei etwa die Zahl der Intensivbetten von acht auf 14 nahezu verdoppelt worden.

Zudem sei die Zahl der Beatmungsplätze von drei auf acht gesteigert worden. Personal sei gezielt nachgeschult worden, um für den Ernstfall gewappnet zu sein. All das werde allerdings nicht ausreichen, wenn für dringende Notfälle benötigte Betten blockiert seien.

Er plädiere daher an die Menschen, die etwa leichte Erkältungssymptome verspürten, „eher noch einen Tag zu Hause zu bleiben“. Zwei Gründe sah er, die das System Krankenhaus in der Corona-Krise gefährden könnten: zunehmend krankes Pflegepersonal sowie Patienten, die nicht akut behandelt werden müssten.

Marien-Hospital hat nicht dringende Operationen abgesagt

So habe das St.-Marien-Hospital nicht dringende Operationen abgesagt.

Derzeit werde in Lüdinghausen ein Corona-Patient im Krankenhaus behandelt. Es gebe aber mehrere Verdachtsfälle. Siebert prognostizierte allerdings, dass es auch in Deutschland einen ebenso „dramatischen Verlauf geben werde wie im Rest der Welt“.

Bürgermeister Richard Borgmann erklärte die Corona-Krise als eine Situation, wie man sie bisher nicht gekannt habe. Das Krankenhaus, das Patienten im gesamten Süden des Kreises Coesfeld versorge, erfülle eine wichtige Funktion. Deutliche Kritik äußerte er in Richtung der Kassenärztlichen Vereinigung, die gleichsam ohne jede Vorwarnung die ans Krankenhaus angedockte Notfallpraxis geschlossen habe. „Dafür habe ich kein Verständnis.“.

Das führe im Zweifel dazu, dass noch mehr Patienten die Ambulanz des Krankenhauses aufsuchten. Der niedergelassene Arzt Dr. Rainer Drerup berichtete über eigene und die Erfahrungen von Berufskollegen in den vergangenen Tagen in ihren Praxen. Da, so der Mediziner, überwiege derzeit noch eine gewisse Hysterie in Sachen Corona. Er empfahl: „Wer sich krank fühlt, sollte erst einmal in den vier Wänden bleiben.“

Appell an Bürger: Strikt an die Vorgaben halten

Rat gebe es per Telefon, der Arzt rufe auch zurück. Und: „Das Krankenhaus muss der sichere Hort bleiben für die, die es brauchen.“

Dass dies so bleibt, dafür stünde das Pflegepersonal bereit, berichtete Pflegedirektor Johannes Beermann. Es sei gleichsam wie die Ruhe vor dem Sturm: „Wir sind konzentriert, aber auch besorgt. Die Menschen, die uns wirklich brauchen, können auf uns setzen.“

Einig war sich die Runde, dass die Menschen sich strikt an die Vorgaben halten sollten, ihre sozialen Kontakte in dieser Zeit einzufrieren und sich mit niemandem zu treffen.

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