Krankschreibungen über Video trotz Corona kein Thema bei Ärzten in Selm

mlzGesundheit

Theoretisch dürfen auch Ärzte in Selm ihre Patienten über Video krankschreiben. Praktisch werden Videosprechstunden aber nicht angeboten. Die Ursachen dafür sind schwierig zu beheben.

Selm

, 19.11.2020, 18:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Man hat einen kleinen Schnupfen und möchte in Corona-Zeiten nicht in die Hausarztpraxis gehen, um sich krankschreiben zu lassen. Theoretisch könnten Selmer sich in einer Videosprechstunde mit ihrem Arzt verbinden und eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausgestellt bekommen.

Die Möglichkeit, sich über Video krankschreiben zu lassen, haben aber nicht alle Patienten. Nur wer in einer Praxis bereits „aufgrund früherer Behandlung unmittelbar persönlich bekannt ist“ darf die Videosprechstunde nutzen. So formuliert es der Gemeinsame Bundesausschuss. Auch wurde die Krankschreibung auf einen „Zeitraum von bis zu sieben Kalendertagen“ begrenzt. Danach muss eine ärztliche Untersuchung folgen, wenn die Arbeitsunfähigkeit verlängert werden soll.

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So innovativ wie dieses Konzept wirkt, ist es allerdings nicht. Es gibt bereits für Ärzte die Möglichkeit, Patienten, die der Praxis bekannt sind, über das Telefon krankzuschreiben. Die Krankschreibung über das Telefon war bereits im Frühjahr für einige Wochen gestattet gewesen, um die Arztpraxen zu entlasten. Nachdem die Zahlen wieder gestiegen sind, wurde die telefonische Krankschreibung im Oktober wieder zuglassen. Auch hier ist die Zahl der krankgeschriebenen Tage begrenzt. Nach der Telefonsprechstunde wurde jetzt auch die Videosprechstunde erlaubt.

Falsche Symptome und Missbrauch

Dr. Michael Stockmann führt diese Videosprechstunden bewusst nicht durch: „Ich mache das nicht.“ Er telefoniere zwar viel und würde einfach Fragen auch gerne über das Telefon beantworten, aber eine Diagnose per Video lehnt er ab. Dr. Stockmann: „Ich bemühe mich immer, den Patienten vor Ort zu haben.“

Patienten könnten ihr Symptome nicht immer richtig einschätzen und neigten dazu diese herunterzuspielen, erklärt der Arzt. Die Wahrscheinlichkeit, eine falsche Diagnose aufgrund von falschen Angaben des Patienten zu stellen, sei einfach zu hoch. „Wenn es um die Verlängerung einer Arbeitsunfähigkeit geht, dann kann man das allerdings auch über das Telefon haben.“ Natürlich nur bei Patienten, die ihm bekannt sind.

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Neben den falsch beschrieben Symptomen sieht der Gemeinsame Bundesausschuss auch das Risiko eines Missbrauchs der Videosprechstunden: „Die Nutzung von digitalen Medien bei der Feststellung der Arbeitsunfähigkeit birgt auch Missbrauchspotentiale.“ Deswegen wurden die Krankheitsbilder, die in einer Videosprechstunde festgestellt werden können, stark begrenzt. Nur Krankheitsbilder wie Erkältung, Menstruationsbeschwerden, Blasenentzündung,

Magen-Darm-Infekt oder Migräne dürfen festgestellt werden.

Vielleicht eine Idee für Heime

Auch in der Hausarztpraxis Schröder wird es so schnell keine Sprechstunden über das Internet geben. Dr. Schröder sieht vor allem das Problem der Bedienung und der Geräte: „Gerade diejenigen, die aus Angst vor Corona vielleicht nicht in die Praxis kommen wollen, sind in einem Alter, in dem sie nicht die Möglichkeit haben, Videosprechstunden technisch durchzuführen.“ Viele Patienten würden außerdem die Untersuchung und Behandlung vor Ort schätzen und auch einer telefonischen Beratung vorziehen.

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Er könne sich zwar vorstellen, dass Videosprechstunden für Patienten in Heimen eine Möglichkeit sind, beispielsweise einen Hautausschlag zu zeigen, doch auch in den Heimen sei die technische Ausrüstung kaum gut genug dafür. Außerdem sei auch eine Online-Sprechstunde Arbeitszeit, die aufgewendet werden muss: „Ich wüsste gar nicht, wann ich das jetzt machen soll.“ Mittelfristig seien die Videosprechstunden für seine Praxis keine Option.

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