Laut dem Urteil des Bundesgerichtshofs dürfen Bäckereien, die auch Cafés sind, sonntags länger öffnen. Doch einige haben ohnehin schon länger geöffnet. Ein Borker Bäcker erklärt, warum.

Selm, Bork, Cappenberg

, 22.10.2019, 14:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat entschieden: Einige Bäckereien dürfen sonntags länger ihre Brötchen verkaufen als bislang. Doch was bedeutet das für die Bäckereien in Selm, Cappenberg und Bork? Wir haben nachgefragt.

Ins Rollen gebracht hatte die ganze Diskussion um Öffnungszeiten ein Bäcker in Bayern, der auch außerhalb der vorgeschriebenen Zeiten seine Backwaren verkauft hatte.

In den einzelnen Bundesländern gibt es verschiedene Öffnungszeiten

Die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs hatte dagegen geklagt. Schon im Februar hatte das Oberlandesgericht München ein vorheriges Urteil des Landgerichts München bestätigt.

Das damalige Urteil besagte, dass der Verkauf von Backwaren an Sonn- und Feiertagen länger als die nach dem Ladenschlussgesetz zulässige Stundenzahl betrieben werden dürfe. Die Verkaufszeiten sind aber von Bundesland zu Bundesland verschieden.

Während Bäckereien in Bayern zum Beispiel nur drei Stunden öffnen dürfen, können Bäcker in Berlin von 7 bis 16 Uhr durchgehend ihre Backwaren verkaufen. In Nordrhein-Westfalen sind fünf Stunden erlaubt, sagt der Borker Bäcker Andreas Langhammer.

Länger, so besagt es das neue Urteil des BGH, dürfen Bäckereien nur dann öffnen, wenn es sich bei ihnen um Mischbetriebe aus Bäckerei und Café handelt. Denn solche Bäckereicafés zählen als Gaststätten, entschied nun auch der Bundesgerichtshof in Karlsruhe.

Stühle und Tische machen aus einer Bäckerei ein Café

Um als Bäckereicafé durchgehen zu können, müssen in der Bäckerei Stühle und Tische stehen. Dann komme das Gaststättenrecht ins Spiel, welches erlaubt, auch außerhalb der klassischen Öffnungszeiten sogenannte „zubereitete Speisen“ zu verkaufen.

Und zu derartigen Speisen zählen laut Oberlandesgericht auch Brötchen oder Brote. Diese Begründung hatte die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs aber nicht akzeptiert, wodurch der Fall vor dem Bundesgerichtshof landete.

Doch auch der BGH entschied, dass es sich bei Brötchen und anderen Backwaren um „essfertig gemachte Lebensmittel“ handelt, so Richter Thomas Koch.

Bundesgerichtshof „hat Klartext gesprochen“

Die Bäckerei Langhammer in Bork hat sonntags zweimal geöffnet: erst von 7.30 bis 10.30 Uhr und dann noch mal von 13.30 bis 15.30 Uhr. Und daran wird sich auch vorerst nichts ändern, sagt Andreas Langhammer.

Aber dass ein Bäckereicafé länger öffnen darf, „war schon immer so“. Das Urteil des Bundesgerichtshofs sei „nur eine Bestätigung“.

Längere Öffnungszeiten am Sonntag erlaubt: Was bedeutet das BGH-Urteil für Selmer Bäcker?

Andreas Langhammer verkauft in seiner Bäckerei in Bork sonntags fünf Stunden lang Backwaren. Nach dem BGH-Urteil steht fest, dass er auch länger öffnen könnte. © Natasa Balas (A)

Vorher sei es nämlich nie ganz eindeutig gewesen, wer mehr als die erlaubten fünf Stunden öffnen dürfe. „Jetzt gibt es eine richtige Grundsatzregelung“, sagt Langhammer. Der Bundesgerichtshof „hat Klartext geschaffen“.

Längere Öffnungszeiten bedeuten auch mehr Personalkosten

„Wir könnten jetzt rund um die Uhr aufmachen“, erklärt er. Denn auch in seiner Bäckerei gibt es einen Bereich zum Sitzen. Doch dann müssten natürlich auch mehr Arbeitsstunden bezahlt werden.

Vor allem für größere Betriebe könne es einfacher sein, für die längeren Öffnungszeiten mehr Personal einzustellen, vermutet er. Die Entscheidung des Bundesgerichtshofs sieht er aber dennoch nicht als Nachteil für kleinere Bäckereien. Ein Vorteil sei es allerdings auch nicht unbedingt.

„Verkäuferinnen sind schon gut ausgelastet“

Trotz des Urteils „ändert sich bei uns nichts“, sagt Maria Artmann von der Bäckerei Artmann, von der es mehrere Filialen in Selm gibt. Auch weiterhin werden die Bäckereien, die auch Cafés haben, sonntags nur von 7 bis 11 Uhr geöffnet haben.

Auch ohne weitere zusätzliche Arbeitsstunden „sind unsere Verkäuferinnen schon gut ausgelastet“, sagt Artmann. Beim Cappenberger Backstubencafé gab es früher schon mal längere Öffnungszeiten. Doch aktuell öffnet der Bäcker sonntags nur von 8 bis 11 Uhr. „Und wir bleiben dabei“, sagt Cornelia Antonjotti.

Nicht alle Bäcker verkaufen sonntags Brötchen

Bei der Bäckerei Kanne sieht es dagegen ganz anders aus. „Wir haben sonntags gar nicht auf“, sagt Mitarbeiterin Eileen Bischoff. Denn die Bäckerei befindet sich im Edeka Humpert, der sonntags geschlossen bleibt.

Ähnlich verhält es sich auch bei der Geiping-Filiale im Hellweg-Baumarkt. Auch dort wird sonntags nicht geöffnet. Das Kaffeehaus hat dagegen sogar schon deutlich länger auf: von 7 bis 18 Uhr. Denn „wir sind ein Café“, begründet Lara Overhage die Öffnungszeit.

Auch die Bäckerei Sondermann öffnet schon um 7 Uhr, schließt allerdings eine Stunde eher. Die Filiale sei ebenfalls ein Café, erklärt Conny Schippmann. Die beiden Standorte der Bäckerei Braune haben derweil unterschiedliche Öffnungszeiten.

Keine Veränderung der Öffnungszeiten

Während in Selm sonntags von 7.30 bis 11 Uhr geöffnet ist, öffnet die Filiale in Bork eine halbe Stunde später, schließt aber auch erst um 16 Uhr. Zumindest in der Selmer Filiale werde sich an den Öffnungszeiten aber erst mal nichts ändern, sagt Mitarbeiterin Anna Lautenschläger.

Die Bäckerei Spross, die gleichzeitig auch ein Café ist, hat ohnehin schon bis nachmittags um 17 Uhr geöffnet - genau so lange wie die Bäckerei Hosselmann in Bork.

Die zweite Hosselmann-Filiale in Selm hat allerdings nur bis 11 Uhr auf, obwohl sie ebenfalls ein Bäckereicafé ist. Pläne, die aktuelle Öffnungszeit zu verlängern, gebe es aber nicht, sagt Leiterin Susanne Hülsbömer.

Die Bäckerei Büsch wird auch weiterhin von 8 bis 12 Uhr geöffnet haben. „Unsere bisherigen Öffnungszeiten für sonn- und feiertags bleiben“, sagt Christiane Stellmach.

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