Hagen, Siegen, Ennepe-Ruhr-Kreis, Viersen: Die Nummernschildern an den Autos auf dem LAFP-Parkplatz zeigen, dass die Studenten aus vielen unterschiedlichen Regionen zur Ausbildung nach Bork kommen. © Arndt Brede
Corona-Krise

LAFP Bork: Wie steht es um das Infektionsrisiko durch auswärtige Studenten?

Junge Menschen kommen aus verschiedenen Bundesländern nach Bork, um am LAFP eine Polizeiausbildung zu machen. Sie wohnen teilweise zu mehreren in Privatwohnungen. Es gibt Kritik daran. Und Sorge.

Wie sensibel das Thema Wohnsituation in Coronazeiten ist, hat ganz aktuell die öffentliche und heftige Diskussion um die Wohnsituation von Mitarbeitern von Fleischbetrieben gezeigt. Nun kann man das nicht mit den Studenten des Landesamtes für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei Nordrhein-Westfalen – kurz LAFP – in Bork vergleichen. Und doch ist es mit Blick auf deren Wohnsituation offenbar die Angst vor Neuinfektionen, die Menschen veranlasst, sich an die Redaktion zu wenden.

Die Polizeistudenten wohnen über den Ortsteil Bork verteilt auch in privaten Wohnungen.
Die Polizeistudenten wohnen über den Ortsteil Bork verteilt auch in privaten Wohnungen. © Oskar Neubauer (Archiv) © Oskar Neubauer (Archiv)

Da ist davon die Rede, dass Polizeischüler aus anderen Städten in Häuser ziehen, „in denen die sogenannten ,Risiko-Gruppen‘ ebenfalls wohnen“. Ganze Gebäude und Wohnungen seien im Umkreis des LAFP fest an Studenten vergeben, heißt es. Ein Bürger spricht davon, ein erschreckendes Beispiel gefunden zu haben, „bei dem ich mir nicht vorstellen kann, dass die Corona-Bedingungen eingehalten werden können“. Das Foto, das er der Redaktion zur Verdeutlichung zur Verfügung gestellt hat, zeigt mehrere Häuser in Bork – offensichtlich Zweifamilienhäuser – nebeneinander mit mehreren Autos vor der Tür.

Wie ist das eigentlich beim LAFP in Bork mit dem gefühlten Risiko und dem tatsächlichen Risiko? Kann Privates von Dienstlichem so getrennt werden, dass das Infektionsrisiko minimiert wird? Schließlich sind Hunderte von Menschen im LAFP zusammen. Wir haben mal in der Pressestelle des LAFP nachgefragt. Geantwortet hat uns Pressesprecher Victor Ocansey.

Testet das LAFP seine Studenten auf Corona? Innerhalb des LAFP gelten zwar die Hygiene- und Abstandsvorschriften, aber privat ist das ja nicht vom LAFP zu kontrollieren.

„Die Studierenden beim LAFP werden durch das LAFP nicht auf Corona getestet. Für diese gelten – wie für jedermann – die allgemeinen RKI-Richtlinien für die Durchführung von solchen Tests.“


Hat sich etwas bei den Vorschriften für das LAFP seit den Ereignissen bei Westfleisch und Tönnies in Sachen Privatwohnungen für Studenten geändert?

„Für Vorschriften in diesem Zusammenhang seitens des Arbeitgebers gibt es keinen Raum. Die Anmietung von Wohnungen durch die Studierenden erfolgt auf privatrechtlicher Basis.“

Wirkt das LAFP auf irgendeiner Weise auf das Verhalten der Polizeistudenten in Sachen Einhaltung der Coronaschutzverordnung im Privatleben ein? Schließlich haben sie ja wohl so etwas wie eine Vorbildfunktion.

„Im Dienst werden die Studierenden beim LAFP regelmäßig und umfassend auf die Einhaltung der RKI-Richtlinien und Hygieneregeln hingewiesen.“

Hat es Fälle von Infektionen beim LAFP gegeben? Wenn ja, wie viele und wie ist damit umgegangen worden?

„Seit Beginn der Corona-Pandemie gab es beim LAFP mit rund 1.600 LAFP-Mitarbeitenden sowie fortlaufend wechselnden rund 7.000 Kommissaranwärtern und Hunderte Fortbildungsteilnehmenden an allen sechs LAFP-Standorten in NRW insgesamt acht bestätigte Fälle. Der letzte Infektionsfall war am 24. März zu verzeichnen. Die Anordnung der zuständigen Gesundheitsämter wurde vollumfänglich umgesetzt: Quarantäne zu Hause.“

Ist das LAFP vorbereitet, falls es Infektionsfälle gäbe? Sind Räumlichkeiten für eine eventuelle Quarantäne vorhanden?

„Das LAFP verfügt über einen Pandemie-Vorsorgeplan und einen Krisenstab, der sich seit Beginn der Pandemie regelmäßig austauscht und etwaige Entwicklungen arbeitstäglich im Blick hat. Eine Unterbringung von angeordneten Quarantänefällen beim LAFP NRW ist nicht vorgesehen.“

Müsste dann der ganze Ausbildungsjahrgang plus Lehrer in Quarantäne?

„Eine solche Entscheidung ist vom örtlichen Gesundheitsamt zu treffen.“

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Redaktion Selm
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Arndt Brede

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