Nichts mehr mit Kohle: Wie umweltfreundlich heizt eigentlich die Polizeischule?

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Ein großer Kraftwerksschornstein steht auf dem Gelände der Polizeischule (LAFP) in Bork. Mit Kohle heizt die Polizei inzwischen nicht mehr. Aber ist die neue Lösung besser für die Umwelt?

Bork

, 30.10.2019, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf eine 52 Hektar große Fläche mit rund 60 teils sehr großen Gebäuden kommt das Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei NRW (LAFP). Ein solches Gelände braucht viel Energie. Für die sorgte lange ein Heizwerk mit drei Kohlekesseln.

Eine traditionelle, aber klimaunfreundliche Lösung. Zudem eine, die teurer werden soll. In ihrem Klimapaket hat die Bundesregierung unter anderem gerade beschlossen, einen CO2-Preise für klimaschädliche Brennstoffe aus Öl, Erdgas und Kohle einzuführen, die Stück für Stück immer teurer wird.

Keine Kohleheizung mehr

Das Heizen mit Kohle ist beim LAFP inzwischen Vergangenheit. Die Kohleverfeuerung sei seit dem 10. Juli 2018 „endgültig eingestellt“, teilt LAFP-Pressesprecher Victor Ocansey auf Anfrage der Redaktion mit. Und die neue Lösung? „Das LAFP NRW wird über einen erneuerten und zwei zusätzliche Gaskessel beheizt“, sagt Ocansey. Eine zuvor bereits benutzte Pellet-Anlage sei zudem zur Mitbenutzung technisch ertüchtigt und mit einer neuen Fördertechnik ausgestattet worden.

„Durch die Umstellung der Kohleverfeuerung auf eine Erdgasvariante werden die Verbrennungsemissionen erheblich minimiert und Feinstaubbelastungen ausgeschlossenen“, sagt Ocansey.

Mit der Erdgas-Lösung ist das LAFP in guter Gesellschaft. 48 Prozent der insgesamt 40,6 Millionen Wohnungen in Deutschland werden mit Erdgas geheizt. Das geht aus einer Untersuchung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft BDEW hervor.

In gut 25 Prozent kommen demnach Ölheizungen zum Einsatz, 7,5 Prozent der Wohnungen setzen auf Holz, Pellets oder Kohle. Fernwärme wird von 14 Prozent genutzt, weitere 5 Prozent nutzen Strom, zum Beispiel über eine Elektro-Wärmepumpe.

Keine umweltfreundlichere Lösung?

Doch ähnlich wie Kohle ist auch Erdgas - anders als Gas aus einer Biogasanlage - ein fossiler Brennstoff. Wäre auch eine energiefreundlichere Möglichkeit denkbar gewesen? In Abwägung der Heizformen und des nicht unerheblichen Bedarfs einer derart großen Liegenschaft sei ein alle wichtigen Parameter berücksichtigendes Liegenschaftsenergiekonzept entwickelt worden, teilt Ocansey mit.

„Wesentlich für den Betrieb einer Liegenschaft für die Aus- und Fortbildung der Polizei NRW in dieser Größenordnung ist auch die Ausfallsicherheit“, so Ocansey. „Die konnte bei einer hochgradigen Mischform verschiedener, notwendigerweise dann dezentraler Versorgungsvarianten und mit Blick auf die infrastrukturellen Gegebenheiten von der fachlichen Seite nicht zugesichert werden.“ Daher habe man sich letztlich für Gas als Hauptversorgung entschieden. In Kombination mit dem Holzpellets-Ofen.

Windrad und Solaranlage

Zusätzlich verweist Ocansey auf die thermische Solaranlage hin, die das LAFP seit vielen Jahren betreibt und die für die Erwärmung des Wassers im Schwimmbad gedacht ist. „Die Kollektorfläche von 152 qm in Süd-West-Ausrichtung kann bei optimaler Sonneneinstrahlung eine maximale Leistung von 85 kW erzielen“, so Ocansey.

So sei es möglich, darüber bis zu 500 kWh Tagesenergiemenge in das Beckenwasser zu speisen. Zusätzlich unterhält die Einrichtung ein Windrad im Süd-Osten der Liegenschaft, dass laut Ocansey 38.000 kWh Strom im Monat erzeuge, das als reine erneuerbare Energie in den Strom-Mix eingespeist werde.

Und der alte Kraftwerkschornstein? Der Abbruch werde zunächst auf unbestimmte Zeit verschoben, teilt Ocansey mit. Solange er keine erheblichen Zusatzkosten für den Vermieter BLB NRW erzeuge werde er auch weiterhin Wanderfalkenpaaren als Nistplatz dienen.

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