Harter Lockdown ab dem 16.12.: Landrat Mario Löhr begrüßt die Entscheidung und wendet sich mit einem Appell an die Menschen im Kreis. © Stadt Selm
Corona-Krise

Landrat Löhr zum Lockdown: „Jetzt die Läden zu stürmen, hilft niemandem“

Überrascht hat Mario Löhr die Ankündigung des harten Lockdowns ab Mittwoch (16.12.) nicht. Eher erleichtert. Er wendet sich mit einem Appell an die Menschen im Kreis Unna.

Mehr als 20.000 Neuinfektionen bundesweit an einem Sonntag. So hoch war die Zahl noch nie. Und täglich fast 600 Corona-Tote. Mario Löhr, der Landrat des Kreises Unna, spricht mit Blick auf das Infektionsgeschehen in Deutschland nicht drumherum: „Wir haben es nicht im Griff.“ Es müssen andere Maßnahmen her. Der harte Lockdown ab Mittwoch (16.12.) sei genau richtig, „auch wenn es weh tut“.

Im Kommunalrat, der Runde der elf Oberbürgermeister und vier Landräte im Ruhrgebiet, hätten sie das bereits besprochen. „Aber beschließen können wir alleine so etwas nicht.“ Das seien Bund und Länder gefordert gewesen, eine gemeinsame Lösung zu finden – wie jetzt. Für den Landrat aus Selm ist das eine Erleichterung. Denn er kenne die Sorgen, insbesondere die in den Krankenhäusern des Kreises, sagt er.

Krankenhäuser im Kreis Unna sind jetzt schon am Limit

Die Ärztinnen und Ärzte und die Pflegekräfte arbeiteten jetzt schon am Limit, sagt Löhr. Die Aussicht auf ein Silvester, an dem wieder geböllert und getrunken werde, habe belastet. Jetzt noch die zur Jahreswende übliche Menge an Patienten mit Brandverletzungen und Alkoholvergiftungen in den Notaufnahmen behandeln zu müssen, würde die jetzt schon überlasteten medizinischen Teams an ihre Grenzen führen.

Ein Verbot, Pyrotechnik zu verkaufen, sei da hilfreich. Armin Laschets Vorstoß, als erster Länderchef auch alle Lockerungen für die Feiertage zu streichen, ebenfalls. An Heiligabend, Weihnachten und an Silvester herrscht Versammlungs-, Ansammlungs- und Feuerwerksverbot für die Nacht ebenfalls.

Löhr appelliert, sich an das Versammlungsverbot zu halten

„Ich kann nur appellieren, sich daran zu halten“, sagt Löhr. Er wisse, wie schwer das sei. Er selbst habe die mit Eltern getroffenen Verabredungen wieder aufgehoben. „Auch wenn es schwer fällt: Wir sollten alle das ernst nehmen und für uns feiern“ – mit der Aussicht, dass es so 2021 besser werde. Es gebe ja Hoffnung durch die bevorstehenden Impfungen.

Zeit aufzuatmen ist noch nicht, sagt Löhr. Er wünscht sich von den Bürgerinnen und Bürgern Geduld. „Wir arbeiten mit Hochdruck am Impfzentrum.“ Aber noch sei offen, wie viele Menschen am Tag geimpft werden könnten: 1000 oder 2000? Bei 400.000 Einwohnern im Kreis Unna könne sich jeder ausrechnen, wie wichtig diese Information sei. Entspannung sieht er dann, wenn sich die Menschen auch in den Hausarztpraxen impfen lassen können.

„Gesundheit muss jetzt Vorrang haben“

Bis dahin werde Corona aber nicht das einzige Thema sein, mit dem er und sein Team im Kreishaus sich beschäftigten. „Wir denken auch immer schon an die Zeit danach“, sagt Löhr. Auch an Möglichkeiten, die Wirtschaft zu unterstützen. „Aber im Moment“, sagt Löhr, „hilft es niemandem, wenn wir am Montag und Dienstag die Läden stürmen. Lasst uns lieber schon heute damit anfangen, zu Hause zu bleiben. Die Gesundheit geht jetzt vor.“

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Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe

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